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Karl Heinz Beckurts-Preise 2008 werden am 12. Dezember in der Münchener Residenz vergeben

09.12.2008
Würdigung für wissenschaftliche Erfolge mit hohem Innovationspotential

Gemeinsame Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München und der Karl Heinz Beckurts-Stiftung

Am 12. Dezember 2008 überreicht Professor Dr. Günther Wess, Vorsitzender der Karl Heinz Beckurts-Stiftung und Wissenschaftlich-Technischer Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums München, in München die mit jeweils 30.000 Euro dotierten Karl Heinz Beckurts-Preise 2008.

Ausgezeichnet werden Professor Ahmad-Reza Sadeghi, Ruhr-Universität Bochum, Professor Dr. Thomas Scheibel, Universität Bayreuth und Professor Dr. Peter Seeberger, ETH Zürich und derzeit im Nebenamt am Max Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam.

Zudem erhalten 18 Lehrerinnen und Lehrer für ihre besonderen Verdienste im naturwissenschaftlichen Unterricht den Lehrerpreis 2008 der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Die Preise überreicht Professor Dr. Manfred Popp, Vorstandsmitglied der Karl Heinz Beckurts-Stiftung.

Die Preisverleihung findet am 12. Dezember 2008 ab 17.00 Uhr in der Münchener Residenz statt. Vertreter der Medien sind hierzu herzlich eingeladen.

Die Karl Heinz Beckurts-Stiftung zeichnet am 12. Dezember 2008 drei Wissenschaftler mit dem Karl Heinz Beckurts-Preis 2008 aus. Die Preise in Höhe von jeweils 30.000 Euro werden vergeben für herausragende wissenschaftlich-technische Leistungen, von denen Impulse für die industrielle Innovation ausgegangen oder zu erwarten sind. "Mit diesen Preisen geben wir - ganz im Sinne des Selbstverständnisses der Stiftung - ein wichtiges Signal für die Würdigung hervorragender Forschungs- und Entwicklungsergebnisse, die den Weg in die Anwendung schaffen", so der Stiftungsvorsitzende Prof. Günther Wess.

Die Preisträger im Einzelnen:

>> Professor Dr.-Ing. Ahmad-Reza Sadeghi, Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Systemsicherheit der Ruhr-Universität Bochum, erhält den Beckurts-Preis 2008 für die Entwicklung von Konzepten zur praktischen Anwendung von Trusted Computing, deren Nutzen sich auch in realen Anwendungen bereits erwiesen hat.

Trusted Computing ist eine aufkommende Technologie, die neue Wege eröffnet, um die Sicherheit von Computerplattformen zu erhöhen. Ihr Ansatz ist es, herkömmliche IT-Systeme um vertrauenswürdige Komponenten zu erweitern. Professor Sadeghi erforschte mehrere Teilbereiche des Trusted Computing. Ein von ihm entwickeltes Hauptkonzept bezieht sich auf die so genannte eigenschaftsbasierte Attestierung, welche IT-Systemen ermöglicht, Außenstehende von gegebenen Sicherheitseigenschaften des Systems zu überzeugen. Sehr früh befasste sich die Arbeitsgruppe von Professor Sadeghi außerdem mit der Analyse und Verbesserung von Trusted Computing Standards. Sie deckte Schwachstellen auf und veranlasste damit die Hersteller der entsprechenden Hardwarebausteine, ihre Spezifikationen zu verbessern.

Professor Sadeghi wirkt als einer der wenigen akademischen Experten bei einer Integration in eine europäische ISO Norm mit. Mit seinen Arbeiten hat er wesentlich dazu beigetragen, die fundamental wichtige Thematik sicherer Betriebssysteme zu stärken. Seine Forschungsergebnisse flossen in eine mittlerweile auf dem Markt erhältliche Sicherheitsplattform ein. Sadeghi ist einer der internationalen IT-Sicherheitsexperten, denen es gelungen ist, in kürzester Zeit ein neues Forschungsgebiet zu etablieren und zugleich einen Technologietransfer zu ermöglichen, bei dem eine neue Schlüsseltechnologie bis hin zur Produktreife umgesetzt werden konnte.

>> Professor Dr. Thomas Scheibel, Professor am Lehrstuhl für Biomaterialien der Universität Bayreuth, erhält den Beckurts-Preis 2008 für seine herausragenden Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Biotechnologie, Biochemie und Protein-basierter Materialien. Erstmals konnte dank der Arbeiten von Professor Scheibel ein außergewöhnliches Naturprodukt, die von Spinnen produzierten Spinnenseidenproteine, auf biotechnologischem Wege hergestellt werden. Dieses in Festigkeit und Dehnbarkeit außergewöhnliche faserförmige Naturmaterial ist stabiler als die meisten Kunstfasern, ist biokompatibel und anti-allergen, hat aber aufgrund fehlender geeigneter Produktionsverfahren bisher noch keinen Einzug in Industrie und Technik gefunden.

Durch ihre innovativen Lösungsansätze konnte die Arbeitsgruppe von Professor Scheibel nun eine weltweit einzigartige Technologie entwickeln, die eine großtechnische biotechnologische Produktion von - der natürlichen Spinnenseide nachempfundenen - Seidenproteinen ermöglicht und zudem eine Herstellung von Seiden mit definierten Eigenschaften erlaubt. Vor kurzem hat dazu die Firma AMSilk GmbH, eine Ausgründung der Technischen Universität München, deren Mitarbeiter Professor Scheibel einmal war, ihre Arbeit aufgenommen, um entsprechende Patente zu verwerten und die industrielle Anwendung von Spinnenseide zu entwickeln.

Dies ist der Beginn einer vollkommen neuen Generation von umweltverträglichen und innovativen Werkstoffen, die energiesparend und mit ausgeglichener CO2-Bilanz hergestellt werden können. Der Bedarf dafür ist groß, da die meisten industriell hergestellten Fasern einen beträchtlichen Aufwand an Energie für Produktion und Fabrikation bedeuten.

Die Arbeiten von Professor Scheibel sind von grundsätzlicher Bedeutung für die Entwicklung und Anwendung maßgeschneiderter Protein-basierter Werkstoffe und neuer Biomaterialien, in der Biotechnologie und der chemischen Industrie.

>> Professor Dr. Peter H. Seeberger, Professor am Laboratorium für organische Chemie der ETH Zürich und ab 2009 Leiter der neu gegründeten Abteilung für Biomolekulare Systeme am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, erhält den Beckurtspreis 2008 für die Entwicklung neuer Methoden zur automatisierten Synthese komplexer Zucker-Antigene.

Antigene sind Stoffe, die von einer Zelle des Immunsystems als körperfremd erkannt werden. Zucker- oder Eiweiß-Antigene treten auf der Zelloberfläche von Bakterien, in der Hülle von Viren, in Allergie auslösenden Pollen oder als Tumorzellen in Erscheinung. Lassen sich mit synthetischen Zuckern gezielt Immunantworten auslösen, so können sie als Wirkstoffkandidaten zur Vorbeugung oder Therapie von Infektionserkrankungen, Entzündungsreaktionen und Krebs dienen.

Mit der automatisierten Kohlenhydrat-Synthese hat Professor Seeberger die Voraussetzungen für die Weiter- und Neuentwicklung von zuckerbasierten Medikamenten und Impfstoffen geschaffen. Seine Arbeiten haben bereits zu zahlreichen synthetischen Vaccinen geführt, die zuvor aus natürlichen Quellen nicht in ausreichender Menge oder Reinheit isoliert werden konnten. Mit klassischen Synthesetechniken hätte die Erzeugung dieser Vaccine mehrere Jahre gedauert, dank der neuen von Professor Seeberger entwickelten Methode lassen sie sich nun in wenigen Tagen herstellen. Professor Seeberger ist Mitbegründer der Firma Ancora Pharmaceuticals, die die von ihm entwickelte Technologie nun anbietet.

Die Grundlagenforschung wie auch die Entwicklung neuer Diagnostika und Wirkstoffe können damit stark beschleunigt werden. Ein Beispiel ist die Impfung mit einem Glykolipid des Malaria-Parasiten, dessen Wirksamkeit von Professor Seeberger in Tierversuchen nachgewiesen werden konnte und das ab 2009 in klinischen Tests erprobt wird. Weitere Beispiele sind die chemische Synthese von Heparin und die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Verleihung der Lehrerpreise 2008 an 18 Lehrerinnen und Lehrer.

Die Lehrerpreise werden von der Helmholtz-Gemeinschaft gestiftet und durch die Karl Heinz Beckurts-Stiftung vergeben. Sie würdigen besondere Verdienste im naturwissenschaftlichen Unterricht. Ausgezeichnet werden Pädagogen, die sich um die Anregung ihrer Schüler zu eigenen wissenschaftlichen Arbeiten verdient gemacht haben.

Die Veranstaltung wird abgerundet durch einen Vortrag von Professor Dr. Hermann Requardt, Vorstandsmitglied der Siemens AG, über "Industriepolitische Aspekte des Klimawandels".

Interessierte Journalisten sind zur Teilnahme an der Preisverleihung und dem anschließenden Empfang am Freitag, dem 12. Dezember 2008, um 17.00 Uhr im Max-Joseph-Saal der Residenz München herzlich eingeladen.

Die Karl Heinz Beckurts-Stiftung wurde 1987 von der heutigen Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gegründet, um den Forscher und Manager Karl Heinz Beckurts, der 1986 einem Terroranschlag zum Opfer gefallen ist, zu ehren und das Andenken an ihn wach zu halten. Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Wirtschaft brachten gemeinsam die Mittel für eine Stiftung auf, die sich vor allem die Förderung der Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum Ziel gesetzt hat.

Das Programm und weitere Informationen erhalten Sie unter der
Tel.-Nr. 089 3299-2232.

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.beckurts-stiftung.de
http://www.helmholtz-muenchen.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2008/pressemitteilung-2008-detail/article/11389/9/index.h

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