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Käferköpfe lassen tief blicken

15.12.2011
Publikation von Insektenspezialisten der Universität Jena ausgezeichnet

Es gibt große und winzige, schmale und kugelige, unauffällig bräunliche und metallisch bunte Käfer. Ähnlich vielfältig sind die Käferköpfe ausgeprägt. Als Träger der Mundwerkzeuge, der wichtigsten Sinnesorgane und des Gehirns spielt der Kopf eine besonders wichtige Rolle im Leben dieser Insekten und liefert auch besonders viele Merkmale für die Rekonstruktion der Stammesgeschichte.


Bild einer Trachypachidae, einer Reliktgruppe mit wenigen Arten in den Anden, Nordamerika, Skandinavien und Sibirien. Foto: Rolf Beutel/FSU

Seine Variabilität hat zur enormen Anpassungsfähigkeit der Käfer wesentlich beigetragen und zu ihrer beispiellosen Entfaltung zur artenreichsten Insektenordnung überhaupt. Sie stellt etwa 360.000 Arten, das sind ca. 30 % des ganzen Tierreichs. Diese Vielfalt ist nur ein Grund, warum die Gruppe faszinieren kann.

Ein Wissenschaftler, der sich seit drei Jahrzehnten intensiv mit der Evolution der Käfer beschäftigt, ist Prof. Dr. Rolf Beutel von der Universität Jena. Eine gemeinsame Publikation mit seiner ehemaligen Diplomandin Carina Dressler ist jetzt mit dem Humboldt-Gedächtnispreis der „Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ ausgezeichnet worden.

„Die außergewöhnliche Diplomarbeit von Carina Dressler“, wie der Jenaer Insektenspezialist betont, behandelt vor allem die Kopfstrukturen der besonders altertümlichen „Trachypachidae“ und der vor wenigen Jahren neu entdeckten Familien „Aspidytidae“ und „Meruidae“. Die Biologin Dressler, die inzwischen als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum für Tierkunde in Dresden tätig ist, arbeitete mit histologischen Schnitten, Rasterelektronenmikroskopie und nicht zuletzt mit einem außergewöhnlichen Geschick, komplizierte Strukturen optimal zu präsentieren und zu dokumentieren. Die Arbeit erfreute nicht nur den akademischen Lehrer, sondern wurde auch in der Zeitschrift „Arthropod Systematics and Phylogeny“ der Senckenberg-Gesellschaft publiziert.

„Ein Gremium beschloss, dass diese wissenschaftliche Arbeit von außergewöhnlicher Gründlichkeit zeugt und als wertvolle Dokumentation eines wichtigen Aspekts der Biodiversität einer sehr erfolgreichen Gruppe einen bleibenden Wert für die Forschung darstellt“, erläutert Prof. Beutel das Auswahlverfahren. „So wurde die Publikation mit dem Humboldt-Gedächtnispreis, der mit 6.000 Euro dotiert ist, ausgezeichnet.“

Die Entdeckung der beiden neuen Käfer-Familien – Meruidae (Venezuela) und Aspidytidae (China und Südafrika) – ist sehr erfahrenen Sammlern zu verdanken. Die unauffälligen und im Falle der Meruidae winzigen Käfer leben in schwer zugänglichen Regionen in einem ungewöhnlichen Lebensraum, auf algenbewachsenen Felsen, die von einem Wasserfilm überströmt werden. „Gerade der Kopf ist mit Mundwerkzeugen, Komplexaugen, Fühlern, Muskeln und Innenskelett ein besonders attraktives Merkmalsystem“, berichtet Prof. Beutel. Das macht nicht nur für ihn die Insektenmorphologie so spannend und interessant, wie die Prämierung der Arbeit von Dressler und Beutel beweist.

Kontakt:
Prof. Dr. Rolf G. Beutel
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum der Universität Jena
Ebertstraße 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949153
E-Mail: Rolf.Beutel[at]uni-jena.de

Maike Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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