Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Junge Pharmazeutin macht Safran fälschungssicher: Auszeichnung für Arzneibuch-Monografie

26.09.2011
Safran ist seit alters her nicht nur ein wertvolles Gewürz, sondern auch ein traditionelles Heilmittel. Für ein Kilogramm Arzneidroge werden bis zu 200.000 Blüten benötigt, die in der einmonatigen Blütezeit händisch gesammelt werden.

Das macht Safran sehr teuer und die Verlockung, ihn zu verfälschen, ist groß. Katharina Waldbauer, Doktorandin des neuen Initiativkollegs "BioPromotion" der Universität Wien, hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit ein Verfahren entwickelt, mit dem Safran rasch auf seine Qualität überprüft werden kann. Dafür erhielt sie kürzlich den Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmakaforschung.

Safran setzen wir gerne mit Backen und Kochen in Verbindung – wir kennen ihn als teures, exklusives Gewürz. Er ist jedoch auch ein wichtiges Heilmittel: Die erste Überlieferung seiner Anwendung als Arzneidroge (lat. "Croci Flos" oder "Croci Stigma") reicht bereits in vorchristliche Zeit zurück, wie ein Fresko im minoischen Palast auf Kreta zeigt. Durch frühen, weltweiten Handel ist Safran in vielen traditionellen Medizinsystemen vertreten.

Heilwirkung und Zusammensetzung von Safran

Im Zuge der Erforschung der rationalen Phytotherapie – der Pflanzenheilkunde – konnten traditionelle Anwendungen bestätigt werden. So wurde die selektive Toxizität von Safran gegen Tumorzelllinien, die blutdrucksenkende und die aphrodisierende Wirkung nachgewiesen. Safran kann auch erfolgreich gegen leichte Depressionen eingesetzt werden. Hauptinhaltsstoffe des Safrans sind die Crocine, Picrocrocin und Safranal. "Die anti-kanzerogene Wirkung des Safrans wird auf die Crocine, die als toxikologisch unbedenklich eingestuft werden, zurückgeführt. Deshalb ist ein hoher Crocin-Gehalt im Safran wünschenswert. Für die anderen Hauptinhaltsstoffe des Safrans, den Bitterstoff Picrocrocin und den durch thermische und enzymatische Einflüsse entstehenden Geruchsträger Safranal, liegen noch keine eindeutigen Ergebnisse toxikologischer Prüfungen vor", erklärt Katharina Waldbauer, Doktorandin an der Universität Wien.

Extrem mühsame Ernte macht Safran teuer

Die Arzneidroge besteht aus den – meist durch ein kurzes Griffelstück zusammengehaltenen – dreiteiligen Narben der Blüte von "Crocus sativus" (L.), die auch heute noch händisch aus den Blüten gezupft werden. Es ist nicht möglich, die filigranen Blütenfäden maschinell zu ernten. Um ein Kilogramm Arzneidroge zu erhalten, werden 150.000 bis 200.000 Blüten benötigt, die nur innerhalb der einmonatigen Blütezeit der Pflanze (Oktober bis November) gesammelt werden können. Hauptanbaugebiete sind der Iran, Griechenland, Indien und in den letzten Jahren vermehrt auch die Volksrepublik China.

Safran wird seit alters her auch verfälscht

Wenn auch die mühevolle Gewinnung den hohen Preis rechtfertigt, wird Safran gerade wegen seiner Kosten häufig verfälscht. Schon in alten Arzneikundebüchern wurden zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten beschrieben, die – wie aktuelle Untersuchungen des Departments für Pharmakognosie der Universität Wien ergaben – auch heute noch relevant sind. Viele der untersuchten Safran-Proben – vor allem aus China – konnten als Verfälschungen identifiziert werden.

Monographie "Flos Croci" überarbeitet

"Das DiplomandInnenkolleg wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit auch mit der Überarbeitung der Monographie 'Flos Croci' des Österreichischen Arzneibuches nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft betraut", freut sich Brigitte Kopp, Betreuerin der Diplomarbeit von Katharina Waldbauer und stellvertretende Leiterin des Departments für Pharmakognosie der Universität Wien. Dabei wurde in der überarbeiteten Monographie die mikroskopische und dünnschichtchromatographische (DC) Analyse neu ausgearbeitet. Dies ermöglicht nun die rasche Abgrenzung der Arzneidroge gegenüber häufigen Verfälschungen, wie z.B. "Carthamus tinctorius" (L.), der Färberdistel. Durch die nun eindeutige Beschreibung der mikroskopischen Merkmale des Safrans und die rasche chemische Untersuchung mittels DC ist die Wareneingangskontrolle in Apotheken auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft möglich. Darüber hinaus wurde die Prüfung auf Reinheit, die z.B. den Gehalt an oft beigemengten anorganischen Salzen bestimmt, überarbeitet.

Brigitte Kopp erklärt weiters: "In der 'veralteten' früheren Monographie wurde die Arzneidroge Safran ausschließlich auf ihr Färbevermögen getestet. Dadurch war eine Verfälschung mit anderen, ebenfalls färbenden Pflanzen, deren Inhaltstoffmuster jedoch unbekannt, nicht wirksam oder sogar gefährlich sein kann, möglich. Katharina Waldbauer hat den Punkt Gehaltsbestimmung der Monographie sehr erfolgreich überarbeitet." Erstmals ist nun in einem Arzneibuch des deutschsprachigen Raums – im Österreichischen Arzneibuch – die quantitative Analyse der wertbestimmenden Substanzen von Safran mittels High Performance Liquid Chromatography (HPLC) enthalten. "Durch dieses Verfahren können Muster einer Arzneidroge verschiedener Herkunft rasch und mit geringem Einsatz an Drogenmaterial analysiert werden. Bei Gehaltsbestimmungen in Arzneipflanzen-Monographien wird der Gehalt eines Wirkstoffes bzw. einer Wirkstoffgruppe der Pflanze gemessen, wodurch man Rückschlüsse auf Qualität und Lagerung des Pflanzenmaterials gewinnen kann", ergänzt die junge Pharmazeutin.

Katharina Waldbauer wurde für ihre Diplomarbeit "Erstellung der Monographien 'Safran' und 'Meisterwurz' für das Österreichische Arzneibuch" am 13. September 2011 mit dem "Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmakaforschung" ausgezeichnet. Derzeit ist sie Kollegiatin des neuen interfakultativen Initiativkollegs "BioPromotion: Bioaktivitätscharakterisierung und Metabolismus" der Universität Wien.

Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Katharina Waldbauer
Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie und
Department für Pharmakognosie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-552 62
katharina.waldbauer@univie.ac.at
Univ.-Prof. Mag. Dr. Brigitte Kopp
stv. Leiterin des Departments für Pharmakognosie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-552 55
T +43-1-4277-121 50
brigitte.kopp@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie