Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Junge Forscher gehen neue Wege zur energetischen Nutzung von Biomasse

12.06.2009
Rachel: "BMBF fördert die Zukunft der Bioenergie"

Beim Ideenwettbewerb Bioenergie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sind jetzt die besten vier Vorhaben von jüngeren Forschern ausgewählt worden.

"Mit insgesamt zehn Millionen Euro werden wir in den nächsten fünf Jahren grundlagenorientierte Forschungsvorhaben mit einem völlig neuen Ansatz zur Nutzung von Biomasse unterstützen", sagte am Freitag Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF. Damit sollen neue Umwandlungsprozesse von Biomasse - vor allem aus biologischen Abfall- und Reststoffen - vorangetrieben sowie die züchterische Optimierung von Energiepflanzen unter Einsatz moderner Verfahren der Biotechnologie ausgebaut werden.

Zu den Gewinnern zählen Dr. Stefan Jennewein am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Aachen, Prof. Christian Voigt von der Universität Hamburg - Biozentrum Klein Flottbek, Dr. Johannes Gescher und Sven Kerzenmacher von der Universität Freiburg sowie Dr. Jan Mumme vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. "Bei den ausgewählten Nachwuchswissenschaftlern ist es gelungen, diese von renommierten ausländischen Universitäten nach Deutschland zurückzuholen", betonte Rachel. Als Biologen, Chemiker und Ingenieure wurden die jetzt ausgewählten Wissenschaftler an namhaften nationalen und internationalen Universitäten in Berlin, Freiburg, Cambridge, Zürich, Stanford und Berkeley ausgebildet.

Mit dem "Ideenwettbewerb Bioenergie - Neue Wege beschreiten" im Rahmen der Förderinitiative BioEnergie 2021 wurden junge Forscherinnen und Forscher aufgerufen, sich mit neuen wissenschaftlichen Ideen und Konzepten jenseits der eingetretenen Pfade zu bewerben. Bei der Ausgestaltung des Ideenwettbewerbs wurden ebenfalls neue Wege beschritten: Nach einer Vorauswahl durchliefen die Nachwuchswissenschaftler eine Serie von Trainings- und Schulungsworkshops. Neben der Diskussion über neueste technologische Entwicklungen war es Ziel dieser Workshop-Serie, die ökonomischen und ökologischen Anforderungen bei der energetischen Nutzung von Biomasse zu vertiefen. Das BMBF zielte zusätzlich zu den fachlichen Kompetenzen auf den Ausbau der überfachlichen Qualifikationen: Das Arbeiten in interdisziplinären Teams und auch die Entwicklung von Führungskompetenzen wurden vertieft behandelt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem direkten Kontakt und dem intensiven Austausch mit Praktikern. Exkursionen zu Firmen mit ausgewiesener Bioenergie-Expertise ermöglichten einen vertieften Blick in Produktionsstrukturen und Abläufe.

Neue Konzepte für die Bioenergienutzung sind notwendig, denn Deutschland ist bisher in großem Umfang abhängig von fossilen Energieträgern aus Importen: Beim Mineralöl zu 97 Prozent, beim Erdgas zu 83 Prozent und bei der Steinkohle zu 61 Prozent. "Durch die Nutzung von Biomasse kann ein wesentlicher Beitrag geleistet werden für die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen und Energieträgern", erklärte Forschungsstaatssekretär Rachel.

Mit dem Ziel, die Potenziale der Bioenergie zu nutzen, sind jedoch große Herausforderungen für Forschung und Technologie verbunden. Grundsätzlich ist eine Effizienzsteigerung bei der Erzeugung und Nutzung landwirtschaftlicher Rohstoffe notwendig, um den Anteil von Energie aus heimischer Biomasse substanziell und nachhaltig zu erhöhen. Zugleich muss eine Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion vermieden werden. Diesen Forschungs- und Entwicklungsbedarf greifen die jetzt geförderten Projekte auf.

Ansprechpartner sind:
Frau Dr. Feldmann, Projektträger Jülich Projektträger Jülich
r.feldmann@fz-juelich.de, Tel: (02461) 61 8711
oder Herr Dr. Feldmann, Projektträger Jülich Projektträger Jülich
k.feldmann@fz-juelich.de, Tel: (02461) 61 2458
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: http://www.bmbf.de/de/12075.php

Die Gewinner im Überblick:

Stefan Jennewein: Entwicklung eines anaeroben Transformationsverfahrens zur Umsetzung von Lignozellulose zu Hexanol:

Das Ziel des Projektes ist es, fossile Kraftstoffe durch biologische Kraftstoffe der zweiten Generation zu ersetzen. Dabei soll holziges Pflanzenmaterial - wie es in großen Mengen in Stroh, Ästen oder auch im häuslichen Bioabfall vorkommt - energetisch genutzt werden. Basierend auf einem biologischen Umwandlungsprozess unter Sauerstoffentzug wird die das Pflanzenmaterial mit Hilfe spezialisierter und optimierter Mikroorganismen in Hexanol umgewandelt. Hexanol eignet sich sehr gut für den Einsatz als Kraftstoff für Dieselmotoren. Der Projektleiter, Dr. Stefan Jennewein, studierte Biochemie u.a. in Cambridge und Zürich und arbeitet nach Erfahrungen in einem großen Chemiekonzern und der Mitbegründung einer eigenen Biotech-Firma jetzt als Arbeitsgruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Aachen.

Christian Voigt: Resistente Pflanzen für vereinfachte Bioethanolgewinnung durch Optimierung der Biosynthese des Zellwandpolymers Callose - CallBio:

In dem Projekt "CallBio" soll die Effizienz derzeit eingesetzter und potenzieller Energiepflanzen zur Herstellung von Biotreibstoffen der 2. Generation deutlich erhöht werden. Dazu soll die Menge des Zellwandbestandteils Callose erhöht werden. Callose spielt zum einen bei der Abwehr von pflanzlichen Krankheitserrregern eine wichtige Rolle und kann dazu beitragen, die Abwehrkraft der Energiepflanzen gegenüber Krankheitserregern und damit den Biomasseertrag zu erhöhen. Zum anderen kann durch einen optimierten Callose-Gehalt das Potenzial der Pflanzen für die Kraftstoffgewinnung gesteigert werden. Prof. Dr. Christian Voigt hat nach seiner Postdoc-Zeit am Carnegie Institute der Stanford University sowie am neu gegründeten Energy Biosciences Institute (EBI) an der University of California at Berkeley nun eine Juniorprofessur an der Universität Hamburg - Biozentrum Klein Flottbek inne.

Johannes Gescher und Sven Kerzenmacher: EmBBark - Hocheffiziente mikrobielle Brennstoffzellen auf Basis regenerativer Kohlenstoffquellen:

Das interdisziplinäre Team hat sich zum Ziel gesetzt, hocheffiziente mikrobielle Brennstoffzellen zu entwickeln, die sich für einen Einsatz als dezentrale Stromgeneratoren eignen. Die Energie soll dabei aus der mikrobiellen Oxidation regenerativer, biogener Kohlenstoffquellen gewonnen werden. Die Funktionsweise mikrobieller Brennstoffzellen beruht dabei auf den Fähigkeiten so genannter exoelektrogener Mikroorganismen, deren eigene zelluläre Energiegewinnung an die Stromproduktion gekoppelt werden kann. Als Nahrungsquelle für diese Mikroorganismen sollen biologische Abfälle und Reststoffe verwendet werden. Das fachliche Wissen der zwei Nachwuchsforscher Dr. Johannes Gescher und Sven Kerzenmacher werden dabei optimal kombiniert: Der Biologe Gescher kehrte nach der Postdoc-Zeit an der Stanford University an die Universität Freiburg, Institut für Biologie II/ Mikrobiologie als Arbeitsgruppenleiter zurück. Der studierte Verfahrens- und Umwelttechniker Kerzenmacher arbeitet nach Abschluss des Master-Studiengangs "Energy Conversion & Management" jetzt als Arbeitsgruppenleiter am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK), Lehrstuhl für Anwendungsentwicklung der Universität Freiburg.

Jan Mumme: Anaerobe Konversion von Biomassen zu hochwertigen Energieträgern und Kohlenstoffsenken - APECS:

In dem Projekt APECS sollen die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen für eine effiziente und nachhaltige Produktion von Biomethan als hochwertigem Energieträger und von Biokohle als Bodenverbesserungsmittel und Kohlenstoffsenke geschaffen werden. Basis des Projektes ist dabei die Kombination von biologischer und thermochemischer Umsetzung organischer Reststoffe. Bislang nicht oder kaum erschlossene organische Stoffströme sollen unter Wahrung regional geschlossener Stoffkreisläufe erschlossen werden und die Landwirtschaft soll als echte Kohlenstoff-Senke etabliert werden. Der Arbeitsgruppenleiter Dr. Jan Mumme forscht am Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) in der Abteilung Bioverfahrenstechnik, AG Umweltbioverfahrenstechnik.

| BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften