Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationaler Wettbewerb: Saarbrücker Studenten erforschen Nacktmull-Molekül

22.07.2014

Ein kleines sonderbar aussehendes Nagetier hat das Interesse von Saarbrücker Biologie-Studenten geweckt: der Nacktmull.

US-amerikanische Forscher haben bei ihm kürzlich ein Molekül entdeckt, das möglicherweise Krebs vorbeugen kann. Die Studenten der Saar-Uni wollen dieses Molekül nun im Reagenzglas herstellen und dessen Wirksamkeit testen.


Das Studententeam der Saar-Uni startet bei IGEM. Es wird unter anderem von Prof. Uli Müller (1. v.l.), Jennifer Folz (2. v.l.) und Julia Michely (4. v.l.) unterstützt. Foto: Iris Maurer

Mit ihrem Projekt treten sie im Herbst bei einem Studentenwettbewerb zur Synthetischen Biologie in Boston an. Insgesamt 245 Studententeams werden bei der „International Genetically Engineered Machines Competition“ (IGEM) ihre Arbeiten vorstellen. Derzeit suchen die Saarbrücker Studenten noch nach Sponsoren, die das Vorhaben finanziell unterstützen.

Der Nacktmull lebt in unterirdischen Gängen in den Halbwüsten Afrikas. Da der Mull für Nagetiere mit bis zu 30 Jahren erstaunlich alt wird und selten bis gar nicht an Krebs erkrankt, hat die Wissenschaft schon seit geraumer Zeit ein Auge auf ihn geworfen. „US-amerikanische Forscher haben vor rund einem Jahr in der Haut des Tieres eine neue Form der Hyaluronsäure entdeckt“, sagt Aline Löhfelm, Masterstudentin der Human- und Molekularbiologie an der Saar-Uni.

Die Säure ist schon lange bekannt und kommt bei allen Wirbeltieren vor: Sie bindet beispielsweise Wasser und ist als Schmiermittel in der Gelenkflüssigkeit enthalten. In der Medizin und der Kosmetikindustrie kommt sie seit Jahren zum Einsatz. „Aktuelle Untersuchungen lassen vermuten, dass die neu entdeckte Form der Säure Krebs vorbeugen kann“, so Löhfelm weiter. „Diese Hyaluronsäure wird derzeit noch nicht industriell hergestellt. Daher möchten wir ein passendes Verfahren entwickeln.“

Mit ihrem Vorhaben werden die zwölf Studenten um Aline Löhfelm, Maximilian Ehrhardt und Philip Hartz im Herbst bei der „International Genetically Engineered Machines Competition“ (IGEM) in Boston antreten.

So kommt auf die Nachwuchsforscher in den kommenden Monaten viel Arbeit zu: Sie müssen im Labor selber ein biotechnologisches Verfahren entwickeln. „Dazu nutzen wir Bakterien, die die Säure produzieren sollen“, erklärt Löhfelm. „In einem ersten Schritt werden wir hierfür das Hyaluronsäuresynthase-Gen des Nacktmulls in die Mikroorganismen einschleusen. Sobald die Bakterien die Säure produzieren, wollen wir deren schützende Wirkung an Hautkrebszellen testen.“

Außerdem sieht das Reglement des Wettbewerbs vor, dass die Studententeams unter anderem eine Internetseite erstellen, bei Sponsoren werben, ihr Projekt in der Öffentlichkeit vorstellen und eine Präsentation für das Treffen in Boston ausarbeiten. „So etwas lernt man im Studium normalerweise nicht“, sagt Löhfelm. „Wir arbeiten hier im Team zusammen und müssen ein ganzes Projekt eigenständig managen.“

Auf das Team kommen viele Kosten zu, beispielsweise für Chemikalien, Geräte, Reisekosten und Teilnahmegebühren. Um sein Ziel in die Tat umzusetzen, ist es daher auf Sponsoren angewiesen, die ihm finanziell unter die Arme greifen. Darüber hinaus wird das Team von Jennifer Folz und Julia Michely betreut. Beide sind Doktorandinnen am Lehrstuhl von Zoologie- und Physiologie-Professor Uli Müller.

Michely hat während ihres Studiums in Freiburg selber bei IGEM teilgenommen und kann daher wertvolle Tipps geben. „Der Wettbewerb ist eine besondere Herausforderung für unsere Studenten“, sagt Professor Müller, der den angehenden Biologen ebenfalls zur Seite steht. „Innerhalb einer so kurzen Zeit neben dem Studium ein Forschungsprojekt mit allen Aspekten durchzuführen, ist eine große Leistung und bringt ihnen viele Erfahrungen ein.“ Auch weitere Professoren des Zentrums für Human- und Molekularbiologie unterstützen neben Müller die Studenten.

Der internationale Wettstreit wird jedes Jahr vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) veranstaltet. Dieses Jahr feiert er sein zehnjähriges Bestehen. Ziel der Veranstaltung ist es, bei Studenten das Interesse an der Synthetischen Biologie zu wecken. In Boston werden im Herbst 245 Studententeams aus aller Welt ihre Arbeiten vorstellen. Für die Universität des Saarlandes nimmt erstmals ein Team daran teil.

Fragen beantworten:
Julia Michely
Tel.: 0681 302-58141
E-Mail: julia.michely(at)uni-saarland.de

Aline Löhfelm
Tel.: 0681 302-58136
E-Mail: s9alloeh(at)stud.uni-saarland.de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681 302-2601) richten.

Weitere Informationen:

http://igem.org
http://2014.igem.org/Team:Saarland

Melanie Löw | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie