Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Auszeichnung „Humanity in Science“ für Malariaforschung aus Berlin und Magdeburg

11.03.2015

Der Chemiker und Biochemiker Prof. Dr. Peter H. Seeberger und der Verfahrenstechniker Prof. Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern wurden mit dem renommierten internationalen Preis „Humanity in Science“ ausgezeichnet. 

Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam sowie Professor an der Freien Universität Berlin, und Seidel-Morgenstern, Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg sowie Professor für Chemische Verfahrenstechnik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, wurden für ihre „bahnbrechende Arbeit an neuen Produktionsmethoden für Malariamedikamente“ geehrt.

Die Auszeichnung „Menschlichkeit in der Wissenschaft“ wurde beiden auf einem Galaempfang am 10. März 2015 in New Orleans, USA, verliehen. Der Preis ist mit 25.000 Dollar (umgerechnet 22.500 Euro) dotiert. Die Auszeichnung wird von der Fachzeitschrift „The Analytical Scientist“ und dem Trenntechnikhersteller Phenomenex gestiftet.

Beide Wissenschaftler haben eine Produktionsmethode für den Malariawirkstoff Artesunat entwickelt, um aus Pflanzenabfällen, Luft und Licht den aufgereinigten Wirkstoff zu erzeugen. Der Erfolg resultiert aus der kollegialen Zusammenarbeit zweier engagierter Forscher, die die Möglichkeit sahen, etwas Wesentliches zur Bekämpfung der Malaria beizutragen.

Prof. Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern: „Mein Kollege Peter Seeberger hat mich nach seinem ersten Erfolg angesprochen. Ihm war die kontinuierliche Durchflusssynthese des Pflanzenwirkstoffes Artemisinin aus den Abfallstoffen der bisherigen Extraktion gelungen. Er fragte, ob wir in Magdeburg Interesse hätten, zur kontinuierlichen Synthese eine kontinuierliche Aufreinigung zu entwickeln. Da Malaria gerade unter Armen sehr verbreitet ist, versuchten wir eine sehr kostengünstige und gleichzeitig effektive Aufreinigung zu entwickeln.“

Prof. Peter H. Seeberger betont: „Das vom Team um Andreas Seidel-Morgenstern entwickelte Verfahren ist verblüffend einfach und dennoch hochwirksam. Weitere Erfolge stellten sich im Pingpong-Verfahren ein: Wir schafften es, auch die wichtigsten Malariamedikamente, die aus Artemisinin hergestellt werden – also die Stoffe, die in die Tabletten kommen – direkt im Reaktor herzustellen. Dann gelang es den Wissenschaftlern um Andreas Seidel-Morgenstern, auch diese Wirkstoffe kontinuierlich aufzureinigen.“
Die Ausbeute des Wirkstoffes aus der Pflanze konnte so um mehr als das Doppelte erhöht werden. Die Produktionskosten werden gleichzeitig deutlich gesenkt. Die Reinheit des fertigen Arzneistoffes – bei anderen Verfahren oft ein Problem – liegt bei 99,5 Prozent.

Die industrielle Umsetzung der patentierten Verfahren wird von einem ausgegründeten Unternehmen vorangetrieben, der Artemiflow GmbH. Dazu wird derzeit eine Produktionsanlage in Vietnam errichtet. Professor Seeberger: „ In Vietnam haben wir einen privaten Investor gefunden, und unsere Arbeit hat auch das Interesse der vietnamesischen Regierung geweckt. Vietnam hat die Malaria im eigenen Land durch kluge Kampagnen nahezu ausgerottet – das ist eine bewundernswerte Leistung! Unsere Technologie wird dort die Existenz tausender vietnamesischer Bauern sichern, die Artemisia annua anbauen, die Pflanze, die den Rohstoff für die Medikamente liefert. Und Vietnam will den Afrikanern in einer Süd-Süd-Zusammenarbeit helfen, die Malaria auch in Afrika wirksamer und billiger zu bekämpfen.

Weil es jenseits der Grundlagenforschung, welche von der Max-Planck-Gesellschaft gefördert wurde, keine Unterstützung gab, mussten wir selbst unternehmerisch aktiv werden, um die Technologie im Industriemaßstab zu verwirklichen. Dabei ist es die Zusammenarbeit mit einem Schwellenland, die nun den Malariakranken zugutekommen könnte“, betont Seeberger.

Der Humanity in Science Award
Der Humanity in Science Award ist eine internationale Auszeichnung, die von dem Trenntechnikhersteller Phenomenex und der Fachzeitschrift „The Analytical Scientist“ ins Leben gerufen wurde. Geehrt werden Wissenschaftler für Erfolge in der analytischen Wissenschaft, die einen substantiellen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit weltweit haben. Preisgekrönt werden kann eine Technologie, ein Prozess oder ein Produkt, welches beispielsweise die Nahrungsmittel- oder Wassersicherheit, Pharmaentwicklungen, die innere Sicherheit, Biokraftstoffe oder andere relevante Anwendungen entscheidend beeinflusst. Der jährlich vergebene Preis wurde in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Pittcon 2015, der weltgrößten Konferenz für Laborwissenschaften, in New Orleans verliehen.

Bildunterschrift:
Links: Prof. Peter H. Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam, und Professor der Freien Universität Berlin
Rechts: Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern, Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg.

Bildquellen:
• Links: Seeberger: MPI Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam / Anne Heinlein
• Rechts: Seidel-Morgenstern: MPI Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg / Bastian Ehl

Weitere Informationen:

Für Medienvertreter stehen Pressebilder zur Verfügung unter:

http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2015/fup-15_063-auszeichnung-hu...

Carsten Wette | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie