Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Individuell angepasste Therapien stellen hohe Anforderungen an klinische Studien

27.11.2013
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Verbundprojekt unter Federführung des Heidelberger Instituts für Medizinische Biometrie und Informatik mit 735.000 Euro / Kooperationspartner aus Universität und Pharmaindustrie entwickeln neue Verfahren, um die Wirksamkeit personalisierter Therapien zuverlässig bewerten zu können

Individualisierte Therapien eignen sich nicht gleichermaßen für alle Patienten mit einer bestimmten Krankheit: Sie kommen ganz gezielt z.B. abhängig von molekularen Markern, Ausprägung der Erkrankung oder Kombinationen mehrerer Eigenschaften zum Einsatz. So wirkt beispielsweise das Krebsmedikament Vemurafenib, das bisher zur Behandlung des schwarzen Hautkrebs zugelassen ist, nur bei Tumoren, in denen das körpereigene Eiweiß BRAF überaktiviert ist.

Diese Komplexität stellt besondere Anforderungen an klinische Studien, mit denen die Wirksamkeit neuer Therapien überprüft wird. Die Planung qualitativ hochwertiger und effizienter Studien zu erleichtern sowie geeignete Werkzeuge dafür zu entwickeln, ist Ziel eines neuen Verbundprojekts unter Federführung von Professor Dr. Meinhard Kieser, Direktor des Instituts für Medizinische Biometrie und Informatik am Universitätsklinikum Heidelberg. Das Verbundprojekt "Biostatistische Methoden zur effizienten Evaluation von Individualisierten Therapien" (BIMIT) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den kommenden drei Jahren im Rahmen des Programms "Mathematik für Innovationen in Industrie und Dienstleistungen“ mit insgesamt 735.000 Euro gefördert.

Die Kooperationspartner der Universitäten Heidelberg, Göttingen und Bremen sowie aus der pharmazeutischen Industrie haben sich nun in Heidelberg getroffen, um erste Ergebnisse zu diskutieren und neue Ideen aus der Praxis einzubeziehen.

Die intensive molekularbiologische und medizinische Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass kaum eine Erkrankung bei allen Patienten gleich verläuft. Insbesondere Krebserkrankungen des gleichen Organs unterscheiden sich häufig in den molekularen Ursachen für die Tumorentstehung, den betroffenen Stoffwechsel- bzw. Signalwegen innerhalb der Tumorzellen und damit auch im Ansprechen auf die gängigen Therapien. Kontinuierlich werden neue Biomarker, spezifische Störungen in Stoffwechselwegen oder genetische Eigenheiten entdeckt, die in Zukunft Angriffspunkte für neue, gezielte Therapien bieten oder Hinweise auf den weiteren Krankheitsverlauf sowie die benötigte Therapieintensität geben könnten.

Einige Variablen zu beachten

Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz einer individuell angepassten Therapie, die sich gezielt nach den Eigenschaften des jeweiligen Tumor richtet, ist Brustkrebs: Bei ca. 15 Prozent der Patientinnen bildet der Tumor ein bestimmtes Protein, den Rezeptor Her2/neu, im Übermaß. Sie profitieren von gezielt gegen dieses Protein gerichteten Wirkstoffen wie Trastuzumab, der Her2/neu blockiert und damit die Heilung unterstützt. Allen anderen Patientinnen bringt diese sehr teure Therapie keine Vorteile.

Her2/neu zeigt beispielhaft das Dilemma, vor dem die Planer klinischer Studien stehen. Bei Her2/neu gibt es z.B. auch Tumoren, die das Protein zwar verstärkt, aber nicht in so großen Mengen bilden wie andere Tumoren. „Häufig sind die Biomarker nicht perfekt“, erklärt Professor Dr. Meinhard Kieser, der das Verbundprojekt leitet und koordiniert. „In den klinischen Studien musste dann genau geklärt werden, bei welchen Patientinnen der Einsatz sinnvoll und zu rechtfertigen ist.“ In eine entsprechende Studie sollten also alle Patientengruppen eingeschlossen werden, die von dem neuen Wirkstoff potentiell profitieren könnten, aber möglichst wenige Patienten unnötig mit einer bei ihnen unwirksamen Therapie belastet werden. Gleichzeitig darf die untersuchte Gruppe nicht so weit gefasst sein, dass die Wirkung, die nur bei einem kleinen Teil der Probanden eintritt, statistisch nicht erfasst und damit übersehen werden kann. Auch Wiederholungen der Studien mit Untergruppen, die zunächst nicht berücksichtigt wurden, gilt es unter finanziellen und ethischen Gesichtpunkten zu vermeiden.

„Speziell bei klinischen Studien zu individualisierten Therapien müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden“, so Kieser. „Unser Konsortium wird in den kommenden drei Jahren biostatistische Methoden und Lösungen erarbeiten, damit klinische Studien selbst unter so komplexen Fragestellungen effizient und unter hohen Qualitätsstandards durchgeführt werden können.“ Ziel ist es, im Rahmen einer Studie möglichst viele Fragen gleichzeitig zu beantworten und damit wirksame Therapien deutlich schneller als bisher für die Patienten verfügbar zu machen.

Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Homepage-Abteilung.7980.0.html
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/BIMIT-Kick-off-Workshop-2013.134725.0.html
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Meinhard Kieser
Direktor des Instituts für Medizinische Biometrie und Informatik
Ruprecht-Karls Universität Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 41 40
E-Mail: meinhard.kieser@imbi.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Der Herr der Magnetfelder: EU verleiht HZDR-Forscher begehrte Forschungsförderung in Millionenhöhe
12.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht ERC Grant: Wie sich Pflanzen an vielfältige Umweltbedingungen anpassen
09.04.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics