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Hohe europäische Auszeichnung für Jülich-Aachener Professor Rafal Dunin-Borkowski

14.12.2012
Der Physiker Rafal Dunin-Borkowski vom Forschungszentrum Jülich und der RWTH Aachen erhält einen hoch dotierten ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC).

Die damit verbundenen 2,5 Millionen Euro Fördergeld über fünf Jahre bekommt der Direktor am Ernst Ruska-Centrum für Mikroskopie und Spektroskopie mit Elektronen, um elektronenmikroskopische Methoden zu entwickeln, mit denen sich Magnetfelder im Inneren von Materialien mit nahezu atomarer Auflösung werden abbilden lassen. Vom Erfolg des Projektes würde die Grundlagenforschung im Bereich des Nanomagnetismus ebenso profitieren wie die anwendungsorientierte Forschung.


Professor Rafal Dunin-Borkowski, Direktor am Jülicher Peter Grünberg Institut, Professor für Experimentalphysik an der RWTH Aachen und Direktor am Ernst Ruska-Centrum für Mikroskopie und Spektroskopie mit Elektronen erhält vom Europäischen Forschungsrat 2,5 Millionen Euro Fördermittel.
Quelle: Forschungszentrum Jülich


Die Elektronenholografie ermöglicht, magnetische Felder in Materialien sichtbar zu machen.
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Schaltkreise und Baugruppen für die Informationstechnologie schrumpfen von Jahr zu Jahr, aber noch ist unklar, wo die physikalischen Grenzen liegen. Ob beispielsweise Daten in magnetisierbaren Nanokristalliten, das heißt in Bereichen von nur wenigen Dutzend Atomen Größe, stabil gespeichert werden können, soll sich zukünftig mit Hilfe der Elektronenmikroskope des Ernst Ruska-Centrums aufklären lassen. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass die in den Nanokristalliten eingeschriebenen magnetischen Felder nur sehr schwach sind. Um sie sichtbar zu machen, muss das magnetische Signal von dem herkömmlichen Bildsignal der Kristallstruktur sauber getrennt werden. Je kleiner die Kristallite sind, desto höher muss die technische Qualität des magnetischen Nutzsignals und damit die Auflösung des Elektronenmikroskops sein.

Bei der Elektronenholografie wird der Elektronenstrahl im Mikroskop zweigeteilt. Ein Teil dient als Referenz, der zweite wird durch die Probe gelenkt und nimmt dort Informationen über deren magnetische Struktur auf. Beide Elektronenstrahlen erzeugen zusammen ein Interferenzmuster, das die Informationen über die Struktur der Probe in verschlüsselter Form enthält. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die magnetischen Felder in der Probe ziehen.

Quelle: Forschungszentrum Jülich

Ziel des Projektes ist deshalb, das räumliche Auflösungsvermögen einer speziellen Form der Elektronenmikroskopie, der so genannten "Elektronenholografie", für die Abbildung magnetischer Felder in kristallinen Materialien auf weniger als einen halben Nanometer zu verbessern – das entspricht etwa einem Faktor zehn gegenüber heute. "Erst dann werden magnetische Felder nahezu atomar aufgelöst. Dadurch könnten wir erstmals ganz direkt verstehen, welchen Einfluss Materialdefekte, Oberflächen und Grenzflächen sowie die lokale chemische Zusammensetzung auf die magnetischen Eigenschaften von Materialien haben", erläutert Dunin-Borkowski.

Die Voraussetzungen für ein Gelingen des ehrgeizigen Projektes, an dem neben weiteren Wissenschaftlern aus Jülich und Aachen auch Kollaborationspartner der Universitäten Duisburg-Essen und Edinburgh beteiligt sind, sind in Jülich gegeben, freut sich der Physiker: "Erstens verfügen wir am Ernst Ruska-Centrum über Elektronenmikroskope, die technisch das notwendige räumliche Auflösungsvermögen erreichen können, zweitens über Experten, die diese Auflösung auch praktisch aus den Mikroskopen herausholen und die gewonnenen Daten quantitativ auswerten können."

Seit Februar 2012 ist am Ernst Ruska-Centrum mit PICO eines von zwei weltweit einzigartigen Elektronenmikroskopen mit speziellen Korrekturlinsen verfügbar, welche einen als chromatische Aberration bekannten Linsenfehler korrigieren können. Dieser verminderte bisher das Auflösungsvermögen herkömmlicher Elektronenmikroskope. PICO kann bereits jetzt den Aufbau und die chemische Zusammensetzung im Inneren von Kristallen mit zuvor unerreichbarer Genauigkeit sichtbar machen. Die Projektpartner wollen nun verstehen, wie die Korrekturlinsen eingesetzt werden können, um auch die schwachen magnetischen Felder in Nanokristalliten mit möglichst hoher Auflösung zu vermessen.

Rafal Dunin-Borkowski forscht seit mehr als 20 Jahren an fortgeschrittenen Methoden der Elektronen­mikroskopie, unter anderem der Elektronen­holografie. 2009 erhielt er den Ernst-Ruska-Preis der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie für den Einsatz der Elektronenholografie zur Charakterisierung magnetischer Felder in Materialien und Bauteilen mit einer Ausdehnung von weniger als 100 Nanometern.

Der Brite ist seit April 2011 Direktor am Jülicher Peter Grünberg Institut und Professor für Experimentalphysik an der RWTH Aachen sowie Direktor am Ernst Ruska-Centrum für Mikroskopie und Spektroskopie mit Elektronen, das vom Forschungszentrum Jülich und der RWTH Aachen unter dem Dach der Jülich Aachen Research Alliance (JARA) betrieben wird. Zuvor war er Gründungsdirektor am Center for Electron Nanoscopy der Technischen Universität von Dänemark in Lyngby bei Kopenhagen. Zu den bisherigen Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere gehörten Aufenthalte in Cambridge, Oxford und Arizona.

Stimmen:

"Die Auszeichnung würdigt die hohe Qualität der Forschung und Methodenentwicklung am Ernst Ruska-Centrum. Wir gratulieren Rafal Dunin-Borkowski zu diesem Erfolg", sagte Prof. Achim Bachem, Vorsitzender des Vorstands des Forschungszentrums Jülich.

"Wir freuen uns sehr, dass mit Rafal Dunin-Borkowski erstmals ein weltweit anerkannter Spitzenforscher der Jülich Aachen Research Alliance mit einem Advanced Grant ausgezeichnet wurde und sehen diese Anerkennung auch als Ansporn, die Zusammenarbeit von Jülich und Aachen weiter voranzutreiben", betonte der Rektor der RWTH, Prof. Ernst Schmachtenberg.

Weitere Informationen:

Ernst Ruska-Centrum (ER-C)

Jülich Aachen Research Alliance JARA

Forschungszentrum Jülich
Peter Grünberg Institut – Mikrostrukturforschung (PGI-5)
RWTH Aachen

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rafal Dunin-Borkowski, Forschungszentrum Jülich, Tel. 02461 61-9297, E-Mail: r.dunin-borkowski@fz-juelich.de

Pressekontakt:
Angela Wenzik, Wissenschaftsjournalistin, Forschungszentrum Jülich,
Tel. 02461 61-6048, E-Mail: a.wenzik@fz-juelich.de
Christian Schipke, Pressesprecher, Jülich Aachen Research Alliance (JARA),
Tel. 02461 61-3835, E-Mail: c.schipke@fz-juelich.de

Christian Schipke | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de
http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2012/12-12-14erc-grant.html

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