Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Höchster europäischer Forschungspreis für Informatik-Professor Andreas Zeller

18.10.2011
Andreas Zeller, Professor für Softwaretechnik der Universität des Saarlandes erhält einen ERC Advanced Grant, den höchst dotierten Forschungspreis der Europäischen Union. Die Fördersumme wird bis zu 2,3 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre betragen.

Der Informatiker Andreas Zeller will damit die grundlegenden Prinzipien großer Softwaresysteme erforschen. Mit diesen Erkenntnissen sollen künftig automatisch fehlerfreie Computersysteme erstellt werden, um etwa den Geldverkehr, soziale Netzwerke oder die Flugüberwachung sicherer zu gestalten.

Der Saarbrücker Informatiker Andreas Zeller hat in den vergangenen Jahren intensiv erforscht, wie man automatisch Fehler in Computerprogrammen mit mehreren Millionen Codezeilen findet. „Bei der Fehlersuche hat man aber stets das Problem, zu entscheiden, was überhaupt ein Fehler ist. Programme dürfen nicht abstürzen – das ist einfach. Aber was ist das ‚richtige’ Verhalten einer Bankanwendung oder eines Flugzeugs? “, beschreibt Andreas Zeller die Herausforderung.

In den letzten Jahren haben Informatiker Verfahren entwickelt, bei denen über automatische Beweise gezeigt wird, dass ein Computersystem auch genau das tut, wofür es gedacht ist. „Dafür muss der Software-Entwickler jedoch genau wissen, was das ‚richtige’ Verhalten des Programms sein soll. Und er muss diese ‚Gesetze’ mathematisch präzise spezifizieren – was genauso aufwändig und schwer wie das Programmieren selbst ist“, erläutert Zeller.

Um den Entwicklern diese mühsame und schwierige Handarbeit künftig zu ersparen, will der Saarbrücker Forscher auch diese Aufgabe vollautomatisch dem Rechner übertragen. „Wir werden dafür vorhandene komplexe Computersysteme genau analysieren und daraus die Spezifikationen der Systeme ableiten“, sagt Zeller. Oft sei dieses Wissen nämlich über die Jahre verloren gegangen, weil die ursprünglichen Entwickler längst an anderen Projekten arbeiten. Oder es wurde nie systematisch dokumentiert. „Man kann das mit den mittelalterlichen Kathedralen vergleichen. Damals gab es nur einfache Baupläne und kaum statische Berechnungen. Wenn wir heute verstehen wollen, warum die Kathedralen über Jahrhunderte nicht eingestürzt sind, müssen wir die Grundlagen ihrer Statik herausfinden. Wir erforschen systematisch das Verhalten großer Computersysteme, um das enthaltene Wissen für sichere und fehlerfreie Programme zu nutzen“, beschreibt Zeller das Forschungsziel.

Der ERC Advanced Grant ist die höchstdotierte Forschungsförderung der Europäischen Union – und die begehrteste: In diesem Jahr hatten sich 2284 Wissenschaftler für die Förderung beworben, nur etwa 12 Prozent der Anträge wurden bewilligt. Andreas Zeller ist der erste Professor der Universität des Saarlandes, der diese hohe Auszeichnung erhält und der erste Wissenschaftler in Deutschland, der im Bereich der Informatik und Computerwissenschaften mit diesem Preis ausgezeichnet wird. Vor zwei Jahren bekam der Saarbrücker Informatik-Professor Michael Backes bereits einen mit rund einer Million Euro dotierten ERC Starting Grant, der sich an junge Forscher unter 35 Jahren richtet.

Mit der Fördersumme von bis zu 2,3 Millionen Euro wird Professor Zeller rund zehn Doktoranden und promovierte Wissenschaftler einstellen können. Sie werden in den kommenden fünf Jahren in dem neuen Forschungsprojekt namens Specmate (“Specification Mining and Testing”) die Prinzipien der Softwaresysteme analysieren.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Andreas Zeller
Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-70971
Mail: zeller@cs.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.specmate.org/
http://www.st.cs.uni-saarland.de/
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie