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Höchste deutsche Auszeichnung für Frankfurter HIV-Forscher

21.06.2013
Prof. Oliver T. Keppler vom Universitätsklinikum Frankfurt wurde der Hector-Forschungspreis 2013 verliehen. Es handelt sich um den in Deutschland renommiertesten und höchstdotierten Forschungspreis in der HIV/AIDS-Forschung.

Die H.W. & J. Hector Stiftung hat Prof. Oliver T. Keppler, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, mit dem Hector-Forschungspreis 2013 ausgezeichnet.

Der Wissenschaftler erhielt den in Deutschland renommiertesten und höchstdotierten Forschungspreis auf dem HIV/AIDS-Gebiet für seine Arbeit unter dem Titel„SAMHD1 restricts HIV-1 infection in resting CD4(+) T cells“. Die Studie wurde im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht.

Die Stiftung würdigte, dass mit den Forschungsergebnissen „die Grundlage zur eingehenden Erforschung wichtiger Fragen in der HIV/AIDS-Erkrankung geschaffen wird.“ Außerdem haben Gutachter und Kuratorium „auch die klinische Bedeutung dieser Ergebnisse als fundamental angesehen.“ Die Stiftung betonte zudem, der Preis solle über die konkrete Studie hinaus als Auszeichnung für Prof. Kepplers Forschungstätigkeit insgesamt verstanden werden, die auch in der Anerkennung des von ihm geleiteten Instituts als Nationales Referenzzentrum für Retroviren bereits bestätigt worden sei. Die Verleihung des Preises erfolgte am 14. Juni im Rahmen des deutsch-österreichischen HIV-AIDS-Kongresses in Innsbruck.

Gegenspieler des HI-Virus identifiziert

Das HI-Virus kann sich in verschiedenen Wirtszellen des menschlichen Körpers vermehren und erreicht so langfristig eine Schwächung des Immunsystems, die zur AIDS-Erkrankung führt. CD4-T-Lymphozyten – sogenannte T-Helferzellen – sind die Hauptzielzellen des Virus. Bei normaler Funktion sind sie ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems für die allgemeine Infektionsabwehr. Diese T-Helferzellen existieren in aktivierter und in ruhender Form. Die ruhenden Zellen bilden das große Reservoir der T-Helferzellen. Nur in aktivierter Form teilen sie sich und sind einerseits in der Infektionsabwehr aktiv, andererseits sind sie dann aber auch für die HIV-Infektion empfänglich. Nach Eintritt in die Zellen muss das HI-Virus seine Erbinformation von einer RNA in eine DNA umschreiben. Diese sogenannte Reverse Transkription ist ein entscheidender Schritt im Prozess der Virusvermehrung. Forscher versuchen seit langem zu ergründen, warum sich das HI-Virus in den aktivierten, nicht aber in den ruhenden T-Helferzellen vermehren kann.

Bremsblock für die Virusvermehrung

An diesem Punkt setzte die Studie „SAMHD1 restricts HIV-1 infection in resting CD4(+) T cells“ an, die Prof. Keppler als verantwortlicher Leiter gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam durchgeführt hat. Das Protein SAMHD1 wird als zentraler Gegenspieler von HIV in ruhenden T-Helferzellen identifiziert. SAMHD1 vermindert die Spiegel der Nukleotid-Bausteine in der Zelle. Diese Bausteine benötigt wiederrum auch HIV, um seine Erbinformation umzuschreiben. Die Studie konnte durch unterschiedliche experimentelle Ansätzen zeigen, dass das HI-Virus seinen Vermehrungsprozess in diesen Zellen nur dann erfolgreich aufnehmen kann, wenn der Einfluss des antiviralen SAMHD1-Proteins ausgeschaltet wurde.
Diese Erkenntnis schafft die Grundlage für die Beantwortung einer zentralen Frage der AIDS-Forschung: Warum wird im Verlauf der HIV-Infektion die Immunabwehr insbesondere durch das Absterben ruhender T-Helferzellen geschwächt? Paradoxerweise scheint es möglich, dass die neu aufgeklärte Hemmung der Virusvermehrung in ruhenden T-Helferzellen durch SAMHD1 mitverantwortlich für gerade deren Zellsterben ist. Die Forscher arbeiten jetzt daran, Wege zur Unterdrückung dieses Zelltods zu finden, um neue Strategien im Kampf gegen HIV/AIDS zu entwickeln.

Nationales Referenzzentrum für Retroviren
Seit 2012 leitet Prof. Oliver Keppler das Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt und ist Ordinarius an der Goethe-Universität. Unter seiner Leitung ist die Frankfurter Virologie noch im selben Jahr vom Robert-Koch-Institut zum „Nationalen Referenzzentrum für Retroviren“ berufen worden. Das Institut wurde damit zum deutschen Referenzlabor für die Routine- und Spezialdiagnostik von HIV-Infektionen sowie für Stellungnahmen zu Fragen der Krankheitsentstehung.

Über die H.W. & J. Hector Stiftung

Die H.W. & J. Hector Stiftung ist eine gemeinnützige Institution, die vom Ehepaar Josephine Hector und Dr. h.c. Hans-Werner Hector gegründet wurde. Die Stiftung unterstützt insbesondere die medizinische Forschung in den Bereichen Krebs und HIV/AIDS, die Hilfe für behinderte Menschen, schulische und universitäre Aus- und Weiterbildung sowie Kunst und Museen. Der Hector-Forschungspreis wird alle zwei Jahre für herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Kampf gegen die HIV-Infektion vergeben. Das Preisgeld beträgt 20.000 Euro

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

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