Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit hochkarätiger Forschung Tierversuche verringern

13.02.2009
DFG zeichnet Hannoveraner Forscherteam für innovatives Testverfahren mit Ursula M. Händel-Tierschutzpreis aus

Der Hämatologe Professor Christopher Baum sowie seine beiden Mitarbeiterinnen Dr. Ute Modlich und Sabine Knöß erhalten den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis 2009.

Das Forscherteam von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird für ein neuartiges Testsystem bei der Entwicklung von Gentherapien ausgezeichnet, das die Zahl notwendiger Tierversuche deutlich reduzieren kann. Der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die sich vorbildlich und nachhaltig um die Verbesserung des Tierschutzes in der Forschung bemühen. Der Preis wird nach 2004 und 2006 zum dritten Mal vergeben und ist in diesem Jahr mit 50 000 Euro dotiert.

"In kaum einem anderen Forschungsgebiet wird das Dilemma der ethischen Abwägung so deutlich wie in der tierexperimentellen Forschung. Immer noch gibt es viele Fragestellungen, bei denen nicht auf Tierversuche verzichtet werden kann. Dennoch wurde und wird hier bereits sehr viel für den Tierschutz getan", sagte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner anlässlich der Verleihung des Tierschutzpreises an Professor Baum und dessen Mitarbeiterinnen am Freitag, dem 13. Februar, in Bonn. Auf der Grundlage des deutschen Tierschutzgesetzes und dessen hoher Maßstäbe prüften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einsatz von Ersatzmethoden, die die Zahl von Tierversuchen reduzierten, so Kleiner. Auch die Optimierung der Experimentbedingungen sei Gegenstand zahlreicher Forschungen, damit die Versuche für die eingesetzten Tiere so wenig belastend wie möglich seien.

Das nun mit dem Ursula M. Händel-Tierschutzpreis ausgezeichnete Team erreicht diese Ziele nach Ansicht der DFG und der unabhängigen Jury noch dazu auf einem aktuellen Forschungsfeld, das sowohl für die Medizin als auch für die Gesundheit des Menschen von immer größerer Bedeutung werden dürfte. Der von Professor Baum und seinen Mitarbeiterinnen entwickelte In-Vitro-Immortalisierung-Assay (IVIM) hilft, die Erfolgsaussichten von Gentherapien zu verbessern. Bei diesen sollen defekte Gene durch eingeschleuste intakte Gene repariert werden, wodurch etwa Stoffwechselkrankheiten oder schwere Immundefekte behandelt werden sollen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich das eingeschleuste Gen exakt an der dafür vorgesehenen Stelle in das Genom einfügt - andernfalls könnte die Gentherapie verheerende Folgen für den Patienten haben. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, sind bislang aufwendige Tierversuche mit bis zu 100 Versuchstieren für eine einzige Testreihe notwendig. Beim neu entwickelten IVIM-Assay werden zwar immer noch Tiere eingesetzt, jedoch hauptsächlich nur noch als Zellspender. Die eigentliche Testreihe, das Einschleusen des Gens, kann dagegen in der Zellkultur und im Reagenzglas erfolgen und muss nicht mehr im Tier durchgeführt werden. Dies reduziert die Zahl der notwendigen Tierversuche und der eingesetzten Tiere erheblich und kann zudem schnellere und präzisere Ergebnisse liefern. Aufgrund dieser Vorzüge könnte sich die Methode mittelfristig zu einem Standardverfahren entwickeln.

Mit der Verleihung des Preises an die drei Hannoveraner Wissenschaftler würdigt die DFG die Verbindung von hochkarätiger Forschung und nachhaltigem Einsatz für die Verbesserung des Tierschutzes. Sie hebt zudem hervor, dass diese Leistung im Team erbracht wurde; neben Christopher Baum, der an der MHH die Abteilung Experimentelle Hämatologie leitet, hätten auch Ute Modlich als Arbeitsgruppenleiterin und Sabine Knöß als leitende Medizinisch-Technische Assistentin im Labor erheblich zum Erfolg beigetragen.

Der nun zum dritten Mal verliehene Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht auf eine Initiative seiner gleichnamigen Stifterin zurück. Die 1915 geborene Düsseldorferin Ursula M. Händel setzte sich über Jahrzehnte in vielfältiger Weise für den Tierschutz ein. So gründete sie unter anderem den "Bonner Arbeitskreis für Tierschutzrecht", dessen Arbeiten Eingang fanden in die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Dem Tierschutz in Wissenschaft und Forschung besonders verbunden, stellte Ursula M. Händel der DFG die Mittel für den Tierschutzpreis zur Verfügung. Mit ihm sollen insbesondere wissenschaftliche Forschungsprojekte ausgezeichnet werden, die dazu beitragen, die Belastung für die in Experimenten eingesetzten Tiere zu vermindern, ihre Zahl zu verringern oder sie ganz zu ersetzen.

Wie dieses sogenannte 3-R-Konzept (Reduction, Refinement, Replacement) in der tierexperimentellen Forschung in Deutschland künftig noch stärker und Erfolg versprechender verfolgt und umgesetzt werden könnte, war auch Thema eines Rundgesprächs, zu dem die DFG im Vorfeld der Verleihung des Tierschutzpreises eingeladen hatte. Dabei diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen unter anderem über die Einsatzmöglichkeiten von weiteren In-Vitro-Assays und bildgebender Verfahren, über Grundlagen von Tierschutz und Verhalten sowie über Optimierungen in der Versuchsdurchführung und der Tierhaltung.

Weiterführende Informationen

Ausführliche Informationen zum Ursula M. Händel-Tierschutzpreis und dessen Stifterin finden sich unter www.dfg.de/aktuelles_presse/preise/haendel_preis.

Ansprechpartner bei der DFG zum Preis und zu Fragen der tierexperimentellen Forschung ist Dr. Sonja Ihle, Gruppe Lebenswissenschaften 2, Tel. +49 228 885-2658, Sonja.Ihle@dfg.de

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/preise/haendel_preis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Förderung in Millionenhöhe für Regensburger Wissenschaftler
21.04.2017 | Universität Regensburg

nachricht Förderung Technologietransfer im technologischen Ressourcenschutz mit über 500.000 Euro
20.04.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten