Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helmholtz International Fellow Award für Pionierleistungen bei Sequenzierung bakterieller Genome

22.01.2016

Die Mikrobiologin Prof. Dr. Karen Nelson erhält den diesjährigen Helmholtz International Fellow Award. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und mit einer Einladung zu flexiblen Forschungsaufenthalten an Helmholtz-Zentren verbunden.

Die Helmholtz-Gemeinschaft setzt auf Kooperationen mit international renommierten Wissenschaftlern. Zu diesem Zweck wurde der Helmholtz International Fellow Award etabliert. Das Helmholtz Zentrum München (HMGU) hatte Prof. Dr. Karen Nelson, Präsidentin des J. Craig Venter Instituts, nominiert.


Prof. Karen Nelson

Quelle: J. Craig Venter Institute

„Wir freuen uns, dass die Jury unserem Vorschlag nachgekommen ist, denn Frau Nelson ist in einem Forschungsgebiet tätig, das für das HMGU in vielerlei Hinsicht von großer Relevanz ist“, so Prof. Dr. Michael Schloter, Leiter der Abteilung Umweltgenomik (EGEN).

Nelson gehört zu den führenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Mikrobiom-forschung*. Ihr Forschungsfeld reicht sowohl in den Bereich Gesundheit also auch in den der Umweltforschung hinein – die beiden Schwerpunkte des Zentrums. Sowohl Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Institut für Epidemiologie II, als auch Prof. Dr. Michael Schloter hatten sich für Nelsons Nominierung stark gemacht. Beide kennen die renommierte Mikrobiologin seit Jahren und wollen die Zusammenarbeit jetzt weiter ausbauen.

Bahnbrechende Arbeiten zur Beschreibung von Mikrobiomen

Die grundlegenden Arbeiten von Frau Nelson, vor allem im Bereich der molekularen, kultivierungsunabhängigen Erfassung der Struktur und Funktion von Mikrobiomen, haben nicht zuletzt dazu geführt, dass Forscher heute das humane Mikrobiom als eine wichtige Steuergröße für die menschliche Gesundheit begreifen und sich mit der Frage beschäftigen, wie Mikrobiomstrukturen und Diabetes zusammenhängen.

„Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang vor allem ihre ersten Studien zur Bakterienzusammensetzung im menschlichen Verdauungstrakt, die sie 2005 und 2006 jeweils im renommierten Fachjournal ‚Science‘ veröffentlichte“, so Michael Schloter. Bereits während ihrer Promotion (1992-1996) war Nelson an der Genom-Sequenzierung von Helicobacter pylori beteiligt, einem Bakterium, das als Auslöser von Magengeschwüren gilt.

Im Laufe ihrer Karriere kamen weitere Entschlüsselungen mit hinzu, wie etwa die der Genome des strahlenresistenten Bakteriums Deinococcus radiodurans oder des pathogenen Streptococcus pneumoniae. Nelsons Arbeiten wurden bis heute über 20.000 Mal zitiert.

Von der Grundlagenforschung zur Anwendung

„Durch die Integration von Grundlagenforschung und Arbeit am Patienten half sie mit, ihre Erkenntnisse schnell in die klinische Routine zu übertragen“, kommentiert Annette Peters die Leistungen von Karen Nelson. „Ihre Studien, in denen sie wichtige Teile des humanen Mikrobioms beschrieben hat, haben weltweit neue Maßstäbe gesetzt.“

Neben insgesamt über 150 Publikationen zählen auch Bücher und die Entwicklung von Patenten zu ihren wissenschaftlichen Leistungen, für die Nelson bereits mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen geehrt wurde. Im Jahr 2013 gründete sie mit Kollegen das Unternehmen ‚Human Longevity Inc.‘, das genomische und klinische Daten verknüpft, mit dem Ziel personalisierte Medizin zu ermöglichen. Hier leitet sie heute die Arbeitsgruppe Mikrobiom.

„Der Helmholtz International Fellow Award wird unsere Zusammenarbeit weiter gedeihen lassen und soll den Austausch unserer Studenten und Wissenschaftler fördern, um uns weiter zu vernetzen“, so Annette Peters weiter.

Weitere Informationen

Hintergrund:
*Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit der Bakterien an einem Ort, etwa im menschlichen Darm.

Helmholtz International Fellows erhalten mit der Auszeichnung auch eine Einladung für flexible Aufenthalte an einem oder mehreren Helmholtz-Zentren, mit denen eine Kooperation bereits besteht oder zukünftig sinnvoll oder gewinnbringend wäre. Jährlich können bis zu 10 Helmholtz International Fellow Awards vergeben werden. Nominierungen können von jeder Mitgliedseinrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft laufend gestellt werden. Der Helmholtz International Fellow Award wurde erstmals im Jahr 2012 vergeben, mittlerweile haben 53 Persönlichkeiten die Auszeichnung erhalten. In der aktuellen Auswahlrunde waren 14 Kandidaten aus neun verschiedenen Ländern nominiert. Der Preis richtet sich nicht nur an Forscher, sondern auch an Wissenschaftsmanager im Ausland, die auf für Helmholtz relevanten Themenfeldern hervorragende Arbeit geleistet haben. Dabei müssen die Kandidaten von einem Helmholtz-Zentrum nominiert werden, das an vergleichbaren Themen forscht. Finanziert wird der Preis aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des Helmholtz-Präsidenten, die Auswahl der Preisträger trifft das Helmholtz-Präsidium. Wichtigstes Kriterium ist dabei die Qualität der wissenschaftlichen Leistung. Pro Jahr können insgesamt zehn Awards vergeben werden, Kandidaten dürfen laufend vorgeschlagen werden.

Die weiteren Preisträger sind:

Prof. Javier Arístegui Full Professor of Biological Oceanography & Ecology and Director of the SITMA, Service of Marine Technology / Universidad de Las Palmas de Gran Canaria, Spanien

Prof. Dr. Jenny Nelson Professor of Physics at the Department of Physics / Imperial College London, Großbritannien

Prof. Dr. Ulrik Ringborg Director of the Cancer Center Karolinska and Professor of Oncology at the Karolinska Institute / Schweden

Prof. John C.A. Spence Richard Snell Professor of Physics at the Department of Physics, Arizona State University and Director of Science for the NSF Science and Technology Center “Biology with X-ray Lasers” / USA

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V.

Das Institut für Epidemiologie II (EPI II) erforscht die Zusammenhänge von Umwelt, Lebensstil und Genetik bei der Entstehung von Diabetes, Erkrankungen des Herzens und der Erhaltung der Gesundheit im Alter. Die Forschung stützt sich auf die einzigartigen bevölkerungsbasierten KORA-Ressourcen (Kohorte, Herzinfarktregister, Aerosol-Messstation). Folgestudien innerhalb der Kohorte ermöglichen die Untersuchung von Frühformen und Komplikationen ausgewählter chronischer Erkrankungen und deren Verbreitung in der Bevölkerung.

Die selbstständige Abteilung Umweltgenomik (EGEN) untersucht Mikrobiome in unterschiedlichen Kompartimenten und deren Bedeutung für den jeweiligen Wirt. Dabei liegt der Fokus auf der Definition von Kernmikrobiomen und der entsprechenden genetischen Potentiale sowie deren Induzierbarkeit. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten sind Interaktionen von Mikrobiomen aus der Umwelt mit dem humanen Mikrobiom und der Bedeutung für die menschliche Gesundheit. EGEN gehört dem Department of Environmental Sciences an.

Ansprechpartner für die Medien
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachliche Ansprechpartner
Prof. Dr. Annette Peters, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Epidemiologie II, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 4566 - E-Mail: peters@helmholtz-muenchen.de

Prof. Dr. Michael Schloter, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Abteilung Umweltgenomik, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2304 - E-Mail: schloter@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-muenchen.de

Sonja Opitz | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Weitere Berichte zu: Epidemiologie Genome Gesundheit Mikrobiom Sequenzierung Umwelt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Projekt: Bilder leistungsstark und energieeffizient verarbeiten
24.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht „Allen Unkenrufen zum Trotz“ Neues Projekt sorgt für Schutz der Gelbbauchunken in Bayern
24.01.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie