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Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2011: Anerkennung und Ansporn für den Forschernachwuchs

15.03.2011
Auszeichnung geht an zwei Wissenschaftlerinnen und vier Wissenschaftler / So viele Vorschläge wie noch nie / „Bemerkenswert junge Preisträger“ / Verleihung am 9. Mai in Berlin

Die neuen Trägerinnen und Träger des wichtigsten Preises für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland stehen fest. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) berufene Auswahlausschuss wählte jetzt zwei junge Wissenschaftlerinnen und vier junge Wissenschaftler für die „Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2011“ aus. Ausgezeichnet werden:

Dr. Swantje Bargmann, Ingenieurwissenschaften, Technische Universität Dortmund

Dr. Markus Friedrich, Neuere Geschichte, Universität Frankfurt/Main

Dr. Christian Hackenberger, Chemie, Freie Universität Berlin

Dr. Thorsten Holz, Informatik, Ruhr-Universität Bochum

Dr. Moritz Kerz, Mathematik, Universität Duisburg/Essen

Dr. Henrike Manuwald, Literaturwissenschaften, Universität Freiburg

Für die Preisrunde 2011 waren insgesamt 145 Kandidatinnen und Kandidaten aus allen Fachge-bieten vorgeschlagen worden – so viele wie noch nie in der 33-jährigen Geschichte des Preises. „Dies zeigt gleichermaßen, wie viele herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler es an den Hochschulen in Deutschland gibt und wie attraktiv der Heinz Maier-Leibnitz-Preis ist“, sagte die Vorsitzende des Auswahlausschusses, DFG-Vizepräsidentin Professor Dorothea Wagner, nach der Entscheidung.

Von den vorgeschlagenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kamen 22 in die engste Wahl, in der schließlich die aktuellen Preisträgerinnen und Preisträger bestimmt wurden. „Be-merkenswert ist auch das niedrige Alter der in diesem Jahr Ausgezeichneten“, so Wagner weiter. „Vier von ihnen sind unter oder gerade 30 Jahre alt und haben damit schon in besonders jungen Jahren eine herausragende Qualifikation und ein beachtliches eigenständiges wissenschaftliches Profil erlangt“, sagte die DFG-Vizepräsidentin unter Verweis auf die wichtigsten Kriterien für die Auszeichnung. Alle Preisträgerinnen und Preisträger seien zudem bereits in herausgehobenen Positionen in der Forschung und akademischen Lehre tätig, sei es als Juniorprofessorinnen beziehungsweise Juniorprofessor, wissenschaftlicher Assistent oder als Leiter von eigenen Nachwuchsgruppen im Rahmen des Emmy Noether-Programms der DFG.

Verliehen werden die Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2011 am 9. Mai, 14 Uhr, im Magnus-Haus in Berlin.

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger im Einzelnen:

Dr. Swantje Bargmann (30), Ingenieurwissenschaften, Technische Universität Dortmund

Die Dortmunder Juniorprofessorin Swantje Bargmann erhält den Heinz Maier-Leibnitz-Preis als besonders vielseitige Nachwuchswissenschaftlerin in den Ingenieurwissenschaften, die gleich drei anspruchsvolle Forschungsfelder bearbeitet. Vor allem ihre Arbeiten zur Modellierung der Kristallplastizität gelten als hochinnovativ und haben für die Entwicklung neuartiger Materialien hohe Bedeutung. Akzente setzt Bargmann auch mit der von ihr entwickelten Methode zur anisotropen Modellierung von Polareis. Aus ihrer Dissertation führt sie schließlich Forschungen zur Thermoelastizität fort. Kennzeichnend für Bargmanns Forschungen sind die interdisziplinäre Kooperation mit Ingenieuren, Mathematikern, Physikern und Werkstoffwissenschaftlern und ihre internationale Ausrichtung, die sich in zahlreichen Forschungsaufenthalten und gemeinsamen Projekten mit Fachkollegen in Japan, Südkorea, Südafrika, Schweden und den USA niederschlug.

Dr. Markus Friedrich (36), Neuere Geschichte, Universität Frankfurt/Main
Der Neuzeithistoriker Markus Friedrich zeichnet sich durch ein hohes Maß an interdisziplinärer Offenheit, ein ausgeprägtes methodisches Bewusstsein und ein sicheres Gespür für zukunftsträchtige Themen aus. Der derzeitige wissenschaftliche Assistent an der Universität Frankfurt/Main legte bereits mit seiner Dissertation über den „Helmstedter Hofmannstreit“ eine grundlegende Arbeit zu Luthertum und Späthumanismus sowie zum Verhältnis von Theologie und Philosophie in der frühen Neuzeit vor. Als nicht minder erkenntnisreich erwies sich seine Habilitationsschrift zur Herrschaftsausübung und den administrativen und kommunikativen Praktiken im Jesuitenorden. In diesen und zahlreichen Arbeiten zu weiteren Themen verbindet Friedrich auf souveräne Weise eine moderne Geistes- und Ideengeschichte mit sozialgeschichtlichen Analysen.
Dr. Christian Hackenberger (34), Chemie, Freie Universität Berlin
Christian Hackenberger gilt als einer der Erfolg versprechendsten deutschen Nachwuchswissenschaftler in der Bioorganischen Chemie. Vor allem mit seinen Arbeiten zur chemischen Methodenentwicklung hat er sich binnen Kurzem international einen Namen gemacht. Die von ihm entwickelte „Staudinger Phospihtligation“ erleichtert die gezielte Verknüpfung von Proteinen mit organischen Substanzen, die eines der größten Probleme der Biologischen Chemie darstellt. Hackenbergers Forschungen haben große Bedeutung bis in weite Bereiche der Lebenswissenschaften hinein und ein hohes Anwendungspotenzial, da auch Proteine für medizinische Anwendungen oft modifiziert werden müssen. Für seine in führenden internationalen Journalen publizierten Arbeiten wurde der Chemiker bereits mehrfach ausgezeichnet. Derzeit leitet Hackenberger an der Freien Universit Berlin eine eigene Arbeitsgruppe im Emmy Noether-Programm der DFG.
Dr. Thorsten Holz (29), Informatik, Ruhr-Universität Bochum
Der Informatiker Thorsten Holz hat auf dem Gebiet von IT-Sicherheit und Datenschutz vor allem durch seine Arbeiten über Sicherheitsbedrohungen im Netz und die Entwicklung von Verteidigungsmechanismen international hohes Renommee erlangt. Seine originellen Forschungsansätze sind gepaart mit einer hohen Versiertheit hinsichtlich der technischen Details von Schadsoftware. Auf dieser Grundlage konnte der als hoch engagiert geltende Juniorprofessor an der Bochumer Ruhr-Universität Verfahren entwickeln, die bereits ihren Weg in die breite Anwendung gefunden haben. Aktuell befasst sich Holz mit der Deanonymisierung von Netzbenutzern aufgrund ihrer Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken – und findet auch mit diesem Thema außerhalb der Wissenschaft Beachtung.
Dr. Moritz Kerz (27), Mathematik, Universität Duisburg/Essen
Auf dem Gebiet der Algebraischen Zahlentheorie und der Algebraischen Geometrie konnte Moritz Kerz schon früh herausragende Ergebnisse erzielen und wichtige Vermutungen beweisen. Der Mathematiker brachte in seiner Promotion Entwicklungslinien zum Abschluss, die auf Mathematiker-Größen des 20. Jahrhunderts zurückgehen – darunter Alexander Grothendieck und dessen Vision von „motivischer Kohomologie” und John Milnor mit seinen Arbeiten zur „K-Theorie”. Nur ein Jahr nach seiner Promotion etablierte Moritz Kerz eine eigene Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Universität Duisburg-Essen. Bereits jetzt gilt der Nachwuchswissenschaftler als „Mathematiker von höchstem Rang”, der auf internationalem Niveau die Forschung auf einem zentralen Gebiet der theoretischen Mathematik prägt.
Dr. Henrike Manuwald (30), Literaturwissenschaften, Universität Freiburg
Mit gerade 30 Jahren gilt Henrike Manuwald bereits als eine international anerkannte und füh-rende Vermittlerin zwischen Kunst- und Literaturgeschichte in der Mediävistik. Mit ihrem umfassenden Ansatz und präzisen Analysen gelingt es der Juniorprofessorin an der Universität Freiburg, ein neues Bild der mittelalterlichen Literatur des 13. Jahrhunderts und der sie tragenden Gesellschaft zu entwerfen. Manuwald zeichnet dabei die besondere Fähigkeit aus, in mittelalterlichen Konstellationen aktuelle Fragestellungen wahrzunehmen, etwa zur Medialität oder zu Visualisierungsmechanismen. Neben Fragen zum Verhältnis von Text- und Bildmedien in mittelalterlichen Handschriften widmet sie sich jüngst auch dem Themenfeld von Literatur und Rechtsgeschichte.

Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis wird seit 1977 jährlich vergeben. Die Auszeichnung ist aus Sicht der DFG Anerkennung und zugleich Ansporn, die wissenschaftliche Laufbahn geradlinig weiterzuverfolgen, und genießt als solche hohes Ansehen: In einer Umfrage des Magazins „bild der wissenschaft“ wurde der Heinz Maier-Leibnitz-Preis von den bedeutendsten Forschungseinrichtungen zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis in Deutschland gewählt – nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Der Preis ist mit jeweils 16 000 Euro dotiert, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt werden.

In diesem Jahr hätte der Preispatron Professor Heinz Maier-Leibnitz seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der Physiker und ehemalige DFG-Präsident wurde am 28. März 1911 geboren, während seiner Amtszeit an der Spitze der DFG von 1974 bis 1979 wurde der nach ihm benannte Preis aus der Taufe gehoben und erstmals verliehen. Zu Ehren des 2000 verstorbenen Wissenschaftlers und Wissenschaftsmanagers findet am 28. März in der Technischen Universität München eine Feierstunde statt, in der unter anderem DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner sprechen wird.

Weiterführende Informationen

Die diesjährigen Heinz Maier-Leibnitz-Preise werden am 9. Mai 2011, 14 Uhr, im Magnus-Haus, Am Kupfergra-ben 7, 10117 Berlin, verliehen. Medienvertreter sind hierzu herzlich eingeladen. Um vorherige Anmeldung wird gebeten im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2443, Jutta.Hoehn@dfg.de

Ausführliche Informationen zum Preis und den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich unter:

www.dfg.de/gefoerderte_projekte/wissenschaftliche_preise/leibnitz-preis/index.html

Ansprechpartnerin in der DFG-Geschäftsstelle:
Annette Lessenich, Tel. +49 228 885-2835, Annette.Lessenich@dfg.de

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

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