Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gründerpreise für Diagnostik und Impfstoff-Entwicklung - Innovationen an der TU München

26.05.2011
Zwei der sechs Gewinner des diesjährigen Gründerpreises GO-Bio kommen von der TU München (TUM). Das Preisgeld des vom Bundesforschungsministerium ausgelobten Wettbewerbs nutzen Wissenschaftler der TUM zur Ausgründung zweier Firmen.

Die eine wird einen an der TUM entwickelten Bio-Chip zur Marktreife bringen, mit dem sich Krankheiten diagnostizieren lassen, die andere wird Impfstoffe gegen Erreger chronischer Infektionen entwickeln. In der diesjährigen Auswahlrunde wurden aus 93 Projektvorschlägen 16 Vorhaben zur Antragsstellung aufgefordert, aus denen schließlich die sechs Gewinner ermittelt wurden.

TUM-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann sieht die Auszeichnungen erneut als Konsequenz des „entrepreneurial spirit“ der TUM in Verbindung mit der Bestenförderung. So sei einer der Firmengründer, Dr. Ulrich Rant, als Mitglied des TUM Institute for Advanced Study (Exzellenzintiative) ein Beispiel dafür, dass auch die Grundlagenforschung unmittelbar in den Markt münden könne. Prof. Herrmann: „In den vergangenen 20 Jahren sind an der TU München mehr als 400 Unternehmen ausgegründet worden, von etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern genauso wie von Studierenden.“

DNA-Tentakel fangen Eiweiße ein

Der Bio-Chip, den TUM-Forscher um den Physiker Dr. Ulrich Rant (36) vom Zentralinstitut für Halbleiterphysik und Nanowissenschaften (Walter-Schottky-Institut) entwickelt haben, soll bestimmte Eiweiße zum Beispiel aus dem Blut von Patienten erkennen. Im Vergleich zu bisherigen Verfahren müssen die Eiweiße nicht mehr chemisch verändert werden, und es reicht schon ein Hundertstel der bislang nötigen Probenmenge aus. Die Wissenschaftler pflanzen dazu lange DNA-Moleküle auf den Chip, die sie in einem elektrischen Feld auf dem Chip hin- und herschwingen lassen wie die Tentakel einer Seeanemone in der Brandung. An der Spitze der DNA-„Tentakel“ befestigen die Forscher Gegenstücke zu den gesuchten Eiweißen. Bindet dann ein solches Eiweiß, schwingt das DNA-„Tentakel“ schwerfälliger, was die Forscher beobachten können. Auf einem Bio-Chip können auf diese Weise bis zu 24 verschiedene Eiweiße gleichzeitig untersucht werden. In Zukunft könnte der Chip zusammen mit einem schnellen Analysegerät in Arztpraxen verwandt werden und dort Infektionskrankheiten erkennen helfen. (Unten: Link zur Animation)

Impfen gegen gefährliche Magenbakterien

Die Erkrankung an besonders gefährlichen Infektionen ganz zu vermeiden ist das Ziel einer Gruppe von Wissenschaftlern um den Mediziner Prof. Markus Gerhard vom Institut für medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der TUM. Die Forscher wollen mit einer von ihnen entwickelten Technologie Bakterieneiweiße identifizieren, die zur Entwicklung von Impfstoffen geeignet sind. Dabei konzentrieren sich die Wissenschaftler auf solche Bakterieneiweiße, die das menschliche Immunsystem unterdrücken und damit zu besonders gefährlichen und lange anhaltenden Infektionen führen. Gegen das Bakterium Helicobacter pylori, das eine Reihe von gefährlichen Magenerkrankungen bis hin zu Magenkrebs auslösen kann, konnten die TUM-Forscher bereits einen Impfstoff an Mäusen erfolgreich testen. Prof. Markus Gerhard (42) wurde erst Anfang diesen Jahres an die TUM berufen.

Mit dem Wettbewerb GO-Bio fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gründungsbereite Forscherteams in den Lebenswissenschaften, um technisch anspruchsvolle Ideen zu einer tragfähigen Unternehmensgründung reifen zu lassen. Die "Gründungsoffensive Biotechnologie" (GO-Bio) wurde 2005 gestartet, um das Gründungsgeschehen in der Biotechnologie wieder zu beleben. Während Ende der 1990er-Jahre vergleichsweise viel Wagniskapital zur Verfügung stand, um kommerzialisierbare Ideen frühzeitig aus Hochschulen und Forschungsinstituten auszugründen, so verlangen Investoren mittlerweile eine deutlich stärkere technologische Validierung von Gründungsideen. Akademische Forschungsergebnisse genügen diesen Anforderungen jedoch nur selten. Die Fördermaßnahme "GO-Bio" soll diese Lücke schließen. Gefördert werden gründungsbereite Teams aus den Lebenswissenschaften über maximal zweimal drei Jahre.

Kontakte:

Firmengründung „dynamic biosensors“ (Bio-Chips für die medizinische Diagnostik)
Dr. Ulrich Rant
Walter Schottky Institut der
Technischen Universität München
Tel. 089 289 12778
E-Mail: rant@wsi.tum.de
Firmengründung „Imevax“ (Neue Impfstoffe gegen Erreger chronischer Infektionen)
Prof. Markus Gerhard
Institut für medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene
Technische Universität München
Tel.: 089 4140 2477
E-Mail: markus.gerhard@lrz.tum.de

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Weltweit einzigartige Femtosekundenlaseranlage eingeweiht
21.06.2018 | Hochschule RheinMain

nachricht Stahl-Innovationspreis 2018: Mikro-Dampfturbine ausgezeichnet
21.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics