Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Google-Preis: Tausend Wörter sollen automatische Spracherkennung verbessern

03.01.2011
Wenn Computer Texte oder gesprochene Sprache verarbeiten, analysieren sie meist nur einzelne Wörter und Sätze. Suchmaschinen oder Sprachdialogsysteme könnten aber viel besser funktionieren, wenn der Rechner die Bedeutung und Zusammenhänge von längeren Texten erfassen würde.

Der Saarbrücker Wissenschaftler Dietrich Klakow will daher bei der automatischen Spracherkennung stärker berücksichtigen, was in den letzten tausend Wörtern gesagt oder geschrieben wurde. Für seine Forschungsarbeiten erhält er jetzt den mit 70.000 Dollar dotierten Google Research Award.

Dietrich Klakow, Professor für Sprachsignalverarbeitung der Universität des Saarlandes, setzt statistische Verfahren ein, um Sprachen automatisch zu verarbeiten. „Bei unseren Methoden kommt es weniger darauf an, ob es sich nun um Englisch oder Ungarisch handelt. Wichtiger ist, dass der Computer über große Textmengen die Muster und Strukturen einer Sprache erfasst“, erklärt Dietrich Klakow. Sein Ziel ist es, dass der Computer automatisch den Sinn von Texten erkennt und auf eine Frage selbständig die passende Antwort findet.

„Wir wollen dafür keine großen Wissensdatenbanken wie etwa Wikipedia aufbauen, sondern der Computer soll in einem großen, aber unstrukturierten Textbestand die richtigen Informationen zusammensuchen“, sagt Klakow. Die dabei eingesetzten maschinellen Lernverfahren könnten auch dazu beitragen, gesprochene Sprache etwa in Übersetzungsprogrammen oder Diktiergeräten besser zu verarbeiten.

„Bei den meisten Sprachdialogsysteme wurde bisher zu wenig beachtet, in welchem Zusammenhang die Sätze gesprochen werden. Wir gehen davon aus, dass die zuletzt gesprochenen oder geschriebenen tausend Wörter viel über den Kontext aussagen“, meint der Saarbrücker Forscher. Diese Textmenge müsse der Computer daher genauer unter die Lupe nehmen und automatisch einordnen können. „Der Mensch hat beim Reden oft Gedankensprünge und wechselt von einem Thema zum nächsten. Dennoch schweift man in der Regel nicht völlig von den Inhalten ab, die etwa tausend Wörter zuvor gesprochen wurden“, erläutert Klakow. Beim automatischen Übersetzen könnte der Computer dann zum Beispiel schneller erkennen, ob gerade von der „Decke“ die Rede ist, die noch gestrichen werden muss, oder der warmen Bettdecke.

Dietrich Klakow ist mit seiner Sprachforschung am Saarbrücker Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“ beteiligt. Er untersucht auch, wie man Sprachsignale noch besser verarbeiten kann. Das spielt zum Beispiel bei automatischen Protokollsystemen für Konferenzen eine Rolle, wenn der Computer erfassen muss, aus welcher Richtung ein Teilnehmer gesprochen hat. Außerdem geht es darum, wie man Störgeräusche filtern kann, etwa bei Sprachdialogsystemen im Auto oder bei Informationsportalen auf Bahnhöfen und in Messehallen. Zwei weitere Saarbrücker Wissenschaftler hatten vor kurzem den mit zusammen rund 1,3 Millionen dotierten Google Focused Research Award erhalten. Andreas Zeller, Softwaretechnik-Professor der Universität des Saarlandes, wird von Google bei seinen Forschungen zu besseren Softwaretests unterstützt, Gerhard Weikum, Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik bei der Suchmaschinen-Forschung.

Fragen beantwortet:
Professor Dietrich Klakow
Tel. 0681/302-58122
Mail: dietrich.klakow@lsv.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.lsv.uni-saarland.de/klakow.htm
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

nachricht CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen
24.05.2017 | DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien TU Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten