Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Göttinger Max-Planck-Forscher erhält hoch dotierten "ERC Advanced Grant"

22.01.2009
Einer der prestigeträchtigen "ERC Advanced Investigator Grants" der Europäischen Kommission geht nach Göttingen. Der Chemiker Christian Griesinger vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhält 2,2 Millionen € für die Entwicklung innovativer NMR-Techniken.
Der Europäische Forschungsrat (ERC - European Research Council) wurde im
7. Forschungsrahmenprogramm der EU als neues Förderinstrument etabliert. Er soll der Grundlagenforschung besonderes Gewicht verleihen und die kreativsten und vielversprechendsten Forschungstalente in Europa identifizieren und fördern.

Sein Ziel: die Förderung von visionären Forschungskonzepten (Frontier Research), bei denen die Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, zwischen klassischen Disziplinen und zwischen Forschung und Technologie aufgehoben werden.

Der ERC unterscheidet zwei Förderlinien, die "Starting Independent Researcher Grants" für Nachwuchswissenschaftler, die ihre erste unabhängige Arbeitsgruppe etablieren oder ausbauen wollen, sowie die "Advanced Investigator Grants" - sozusagen die Königsdisziplin für etablierte Forscher, die bereits herausragende Leistungen im Hinblick auf Originalität und Bedeutung ihrer Forschungsergebnisse vorweisen können. Beide Programme haben eines gemeinsam: wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller und der Projektvorschläge sind alleinige Auswahlkriterien bei der Begutachtung. Den erfolgreichen Antragstellern winken Fördermittel von bis zu 2,5 Millionen €, in der Summe vergleichbar etwa dem renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die erste Ausschreibungsrunde der Advanced Grants - Ende 2007 eingeläutet - führte zu insgesamt 2167 Anträgen. Von diesen werden jetzt 294 exzellente Anträge mit einem Gesamtbudget von 542 Millionen € gefördert. Einer der erfolgreichen Antragsteller aus der Max-Planck-Gesellschaft ist Christian Griesinger, dessen Projekt "hiddentimeNMR" von der EU mit 2,2 Millionen € für fünf Jahre finanziell unterstützt wird.

Prof. Christian Griesinger studierte Chemie und Physik an der Universität Frankfurt und promovierte dort 1986 in Organischer Chemie bei Prof. Horst Kessler. Von 1986 bis 1989 arbeitete er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich als Postdoktorand in der Gruppe des späteren Nobelpreisträgers Richard R. Ernst, wurde 1990 Professor am Institut für Organische Chemie der Universität Frankfurt und leitet seit 1999 die Abteilung "NMR-basierte Strukturbiologie" am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Er wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter 1998 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis.

Auf seinem Arbeitsgebiet, der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie), erforscht Griesinger unter anderem die Beweglichkeit von Proteinen in ihrer physiologischen Umgebung. "Messen konnten Wissenschaftler bisher Proteinbewegungen mit Zeitdauern von länger als 100 Mikrosekunden (millionstel Sekunden) bis hin zu 10 Millisekunden (tausendstel Sekunden). Ob auch Proteinbewegungen und biochemische Prozesse in dem bisher nicht mit atomarer Auflösung beobachtbaren Bereich zwischen Nanosekunden (milliardstel Sekunden) und Mikrosekunden ablaufen, war aber eben wissenschaftliches Neuland", erklärt Griesinger. Dem Wissenschaftler gelang es, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem das bisher verborgen gebliebene ("hidden") Zeitfenster zwischen 5 Nanosekunden und 50 Mikrosekunden mittels NMR erstmals beobachtet werden kann.

Die neue Methode hat das Potenzial, Wechselwirkungen von Proteinen mit bislang ungekannter Detailschärfe aufzuspüren. Gleichzeitig eröffnen sich neue Perspektiven für die Steigerung der Selektivität von Arzneimitteln, sollte es gelingen, die Interaktionen zwischen Proteinen und pharmakologischen Bindungspartnern besser zu verstehen.

"Die EU-Fördergelder erlauben es Griesinger, sein Team personell zu verstärken und das für die Experimente benötigte NMR-Spektrometer anzuschaffen", sagt Dr. Joachim Bormann, Leiter des EU-Regionalbüros Niedersachsen der Max-Planck-Gesellschaft.

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Griesinger, Abt. NMR-basierte Strukturbiologie
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Tel.: +49 551 201-2200
E-Mail: cigr@nmr.mpibpc.mpg.de
Dr. Joachim Bormann, EU-Referat
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Tel.: +49 551 201-1076
E-Mail: j.bormann@gwdg.de

Dr. Carmen Rotte | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpibpc.mpg.de/groups/pr/PR/2009/09_02/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie