Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Globalen Transport von Schadstoffen nachgewiesen – Gesellschaft Deutscher Chemiker zeichnet GKSS-Publikation aus

16.09.2010
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnete Dr. Annekatrin Dreyer am 8. September 2010 in Dessau für eine herausragende Publikation in der Zeitschrift Environmental Science & Technology aus. Diese veröffentlichte die Wissenschaftlerin 2009 im Rahmen ihrer Doktorarbeit am GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.

Der Preis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie wird jährlich mit einem gestifteten Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro an zwei herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf diesem Fachgebiet vergeben. Annekatrin Dreyer dokumentierte in ihrer Dissertation den weltweiten Transport von bestimmten Schadstoffen, den so genannten polyfluorierten organischen Verbindungen (PFCs), über die Atmosphäre in die Umwelt. Die studierte Geoökologin arbeitet seit August 2010 bei der Eurofins GfA GmbH.

Weltweit verbreitete Schadstoffe mit weit reichenden Folgen:

PFCs werden unter anderem bei der Produktion von imprägnierten Textilien wie Regenjacken oder Lebensmittelverpackungen frei und gelangen so in die Umwelt. Die Verbindungen sind giftig, werden kaum biochemisch abgebaut und reichern sich nachweislich sehr schnell und in hohen Konzentrationen in Lebewesen an.

Am GKSS-Institut für Küstenforschung wurde die PFC-Belastung unter anderem in Organen von Seehunden untersucht. In Leber und Blut wurde dabei eine sehr hohe Konzentration gemessen. In den Meerestieren angereichert, können PFCs dann unter Umständen zu Leberschädigungen beitragen, Krebs erzeugen oder verändernd in den Hormonhaushalt eingreifen.

Transportpotential von PFCs über die Atmosphäre

„Obwohl viele PFCs nicht flüchtig sind, also eigentlich kein atmosphärisches Transportpotential haben, wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie dennoch weltweit in der Umwelt vorkommen“, erklärt Prof. Dr. Ralf Ebinghaus, Leiter der Abteilung Umweltchemie am GKSS-Institut für Küstenforschung. „Und zwar auch dort, wo es keine Industriegebiete gibt.“

Um erstmalig zu dokumentieren, dass und wie sich die Schadstoffe auch in entlegene Gebiete fortbewegen können, untersuchte Annekatrin Dreyer bestimmte Vorstufen von PFCs, also chemische Vorläuferverbindungen, die flüchtig sind, sich somit über die Luft fortbewegen und durch chemische Reaktionen in PFCs umwandeln können.

Indem die 30-jährige Wissenschaftlerin im Gebiet des Atlantik sowie der Nord- und Ostssee Proben nahm, konnte sie dort das Vorkommen dieser Vorläuferverbindungen und folglich das Transportpotential von PFCs nachweisen.
Wichtiger Beitrag für Wissenschaft und Politik
Da es vergleichbare Arbeiten zum Transportpotential von PFCs in diesem Umfang bisher nicht gab, ist Annekatrin Dreyers Untersuchung für den Bereich Umweltchemie und Ökotoxikologie bedeutend. Die Promotion der gebürtigen Wismarerin wurde mit einem Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.
Aber auch für Politik und Umweltschutz können die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse einen Beitrag leisten: „Damit der Gesetzgeber in die Erzeugung und Freisetzung von Schadstoffen regulierend eingreift, sind wissenschaftliche Beweise notwendig“, ergänzt Prof. Dr. Ebinghaus.

Zur Person

* 2005 Diplom-Geoökologin, Universität Bayreuth
* 2009 Promotion, Universität Bayreuth und GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH: „Atmospheric Distribution and Seasonality of Airborne Polyfluorinated Compounds”

* seit 8/2009 Niederlassungsleiterin für den Bereich Air Monitoring bei der Eurofins GfA GmbH

Dr. Torsten Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gkss.de
http://www.gkss.de/public_relations/press_releases/010322/index_0010322.html.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie