Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Glas voller Gene: ERC-Starting-Grant für RUB-Forscher

11.10.2011
RUB-Forscher wollen Funktion völlig unbekannter Proteine entschlüsseln

In einem Glas Meerwasser haben Forscher hunderttausende Gene gefunden, deren Funktion zum Teil vollständig unbekannt ist. Ihr Geheimnis zu lüften, ist Ziel des neuen Projekts von Jun.-Prof. Dr. Lars Leichert vom Medizinischen Proteom-Center der RUB. Für sein Forschungsvorhaben erhält der Bochumer Wissenschaftler den mit 1,5 Millionen Euro dotierten „Starting Grant“ des European Research Council.

„Wir verfolgen einen komplett neuen Ansatz, da wir zum ersten Mal gezielt nach der Funktion von ganzen Proteinfamilien suchen wollen“, erklärt Leichert. „Wir testen zum Beispiel, ob die Proteine aus dem Meerwasser für die Industrie interessant sind, etwa für die Herstellung von Biosprit oder Waschmitteln.“ Die Förderdauer des Projekts („Functional metagenomics – Harnessing the biotechnological potential of completely novel protein families“) beträgt fünf Jahre.

Proteine auf industrielle Tauglichkeit testen

Die Genomdaten, mit denen Leichert arbeitet, entstammen Craig Venters „Global Ocean Sampling“-Projekt. „Im Meerwasser wurden insgesamt über 17 Millionen Gene gefunden und 20 % sind vollkommen neu“, so Leichert. „Wir wissen nicht, aus welchem Organismus sie stammen oder welche Funktion sie haben, denn sie ähneln keinen anderen Genen, die wir kennen.“ Die Bochumer Wissenschaftler wollen nun eine sogenannte Expressionsbibliothek erstellen. Dazu bringen sie jeweils eins der unbekannten Gene in das Bakterium E.coli ein, wo es abgelesen und in ein Protein übersetzt wird. Mit einer Reihe von Standardtests (kolorimetrische Essays) untersucht Leicherts Team dann, ob das Protein bestimmte biotechnologisch interessante Eigenschaften besitzt, z.B. Fette oder Zellulose spalten kann.

Schwimmfähigkeit verrät Proteinfunktion

Aus dem riesigen Datenpool haben die Wissenschaftler über 1300 Proteinfamilien ausgesucht, von denen sie jeweils ein repräsentatives Mitglied testen. Sie suchen dabei nicht nur nach industriell anwendbaren Enzymen, sondern auch nach sogenannten Oxidoreduktasen. Diese Enzyme schützen die Zelle vor schädlichen Sauerstoffspezies, die u. a. Alterungsprozesse auslösen. Um sie unter den unbekannten Proteinen ausfindig zu machen, nutzen die Bochumer einen E. coli-Stamm, der keine eigenen Oxidoreduktasen herstellt. Bakterien mit einer solchen Mutation können nicht schwimmen, da die Oxidoreduktasen für die Entwicklung einer funktionstüchtigen Schwimmgeißel notwendig sind. Wenn die Forscher nun ein unbekanntes Protein in die Bakterien einbauen und diese anschließend wieder schwimmen, ist klar, dass es sich bei dem Protein um eine Oxidoreduktase handeln muss.

Zukunftsmusik

„Als ultimatives Ziel sehe ich es an, eine Klonbibliothek herzustellen, also eine Reihe von Bakterien, die jeweils eins der unbekannten Gene enthalten. Das könnte auch für viele andere Forscher interessant sein, die diese Gene auf bestimmte Enzymaktivitäten testen wollen“, beschreibt Leichert. „Wir vermuten auch, dass viele der unbekannten Proteine eine völlig neue Struktur besitzen. Es wäre sehr interessant, sie zu kristallisieren, um die Struktur aufzuklären. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

Vita von Prof. Leichert

Lars Leichert studierte Biochemie an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, wo er im Jahr 2005 nach einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt in Michigan seine Promotion abschloss. Nach weiteren zwei Jahren als Postdoktorand in Michigan kam Lars Leichert, gefördert durch das NRW-Rückkehrerprogramm, zur Ruhr-Universität Bochum, wo er seit 2008 Junior-Professor am Medizinischen Proteom-Center ist und die AG Redox-Proteomics leitet. Das European Research Council vergibt die ERC Starting Grants an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Auf- oder Ausbau eines eigenen Forschungsteams und die Entwicklung eines unabhängigen neuen Forschungsprojekts.

Weitere Informationen

Jun.-Prof. Dr. Lars Leichert, Medizinisches Proteom-Center der Ruhr Universität Bochum, Tel. 0234/32-24585, lars.leichert@rub.de

Angeklickt

Medizinisches Proteom-Center:
http://www.medizinisches-proteom-center.de/
Redaktion: Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizinisches-proteom-center.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

nachricht CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen
24.05.2017 | DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien TU Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten