Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Getrennt und doch gleich

03.11.2011
Der Konstanzer Biologe Prof. Axel Meyer erhält für seine Forschung zur parallelen Evolution bei Fischen in Nicaragua einen ERC Advanced Grant

Die Kraterseen in Nicaragua werden in den kommenden fünf Jahren noch intensiver in den Fokus von Prof. Axel Meyer, Ph.D., rücken. Der Zoologe und Evolutionsbiologe an der Universität Konstanz erhält für seine Forschung zur Genomik und Ökologie paralleler Evolution einen der begehrten ERC Advanced Grants des European Research Council (ERC) und damit 2,5 Millionen Euro.

Vorausgegangene Untersuchungen erbrachten, dass sich in den Kraterseen Nicaraguas die Evolution bei bestimmten Fischarten unabhängig voneinander wiederholt hat. In dem Projekt „Comparative genomics of parallel evolution in repeated adaptive radiations“ soll die Frage beantwortet werden, ob die gleichen Gene und die gleichen Mutationen diese ähnlichen Fischarten hervorgebracht haben.

Die Kraterseen sind mit zum Teil weniger als 2.000 Jahren junge Seen. Sie sind entstanden aus erloschenen Vulkanen, die sich mit Wasser auffüllten und von Fischen zweier benachbarter großer alter Seen besiedelt wurden. Wie die Fische, ob durch Hurrikane oder Vögel, in die Kraterseen gelangten, ist nicht klar. Dort angekommen entstanden bis zu sechs neue Arten pro See, die jeweils nur in einem der Kraterseen vorkommen. Sie ähneln äußerlich, etwa in Färbung, ausgeprägten Lippen oder Körperform, auffällig anderen Arten in andren Kraterseen. „Die Evolution hat sich hier auf der morphologischen Ebene wiederholt. Wir wollen wissen, ob dieselben Gene für diese Parallelismen verantwortlich sind oder ob die Evolution alternative Wege benutzt hat und verschiedene Gene und Mutationen involviert sind, um das gleich Endprodukt herzustellen. Dies sind Fragen von grundsätzlicher Bedeutung für die gesamte Biologie“, umschreibt Axel Meyer das Forschungsziel.

Dabei handelt es sich um ein „natürliches Experiment“, bei dem die Ursprungspopulationen aus den großen Seen mehrere junge Seen besiedelt haben, insgesamt sind es sechs. „Es ist als ob wir auf einer Zeitreise vor weniger als 2.000 bis 20.000 Jahren die Fische aus den großen Seen genommen, sie hier in verschiedene Teiche gesetzt hätten und nun nachschauen würden, wie sie sich entwickelt haben“, so der Biologe. Um die involvierten Gene und Mutationen zu finden, werden am Genome Center der Universität Konstanz (GeCKo), dessen Leiter Axel Meyer ist, die Genome der Fische charakterisiert. Für die ökologische Forschung vor Ort in Nicaragua hat Axel Meyer besondere Pläne. Dort soll eine Feldstation aufgebaut werden, die für mindestens fünf Jahre ökologische Experimente möglich macht. Axel Meyer denkt daran, einzelne Fische mit akustischen Sonden auszustatten, um mit deren Hilfe ihre Bewegung im Wasser nachzuvollziehen. Wichtige Daten für den Evolutionsbiologen, „um abschätzen zu können, wie viel Genfluss zwischen den verschiedenen Populationen erfolgt.“

Axel Meyer ist in diesem Jahr bereits der dritte Konstanzer Wissenschaftler, dessen Forschung mit einem ERC Grant gewürdigt wird.

Hinweis an die Redaktionen:
Ein Foto kann im Folgenden heruntergeladen werden:
http://www.pi.uni-konstanz.de/2011/132-meyer.jpg
Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 / 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de
Prof. Axel Meyer, Ph. D
Universität Konstanz
Fachbereich Biologie
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-4163
E-Mail: axel.meyer@uni-konstanz.de

Julia Wandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie