Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wir ein Gesicht erkennen

11.01.2010
Thüringer Forschungspreis 2009 geht an Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Es ist ein alltäglicher und scheinbar selbstverständlicher Prozess: Wir sehen ein bekanntes Gesicht und erkennen die Person. Doch welche Mechanismen laufen bei der Personenwahrnehmung ab? Wieso können wir das Gesicht identifizieren, egal ob es lacht, weint oder Grimassen schneidet?

Mit den Mechanismen der Gesichter- und Personenwahrnehmung und ihrer Speicherung im Gehirn beschäftigen sich bereits seit längerem auch Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Gruppe um Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger wird für ihre Untersuchungen zur "Beschreibung und Analyse neuronaler Korrelate der Gesichtserkennung" nun der Thüringer Forschungspreis 2009 in der Kategorie "Grundlagenforschung" verliehen, wie das Thüringer Wissenschaftsministerium gerade bekannt gegeben hat. Prof. Schweinberger, Dr. Jürgen M. Kaufmann und Dr. Holger Wiese erhalten ein Preisgeld in Höhe von 17.500 Euro.

"Wir freuen uns besonders über diese Auszeichnung", sagt Prof. Schweinberger, "da sie unsere grundlegenden Arbeiten, die an der Schnittstelle zwischen der Psychologie und den Neurowissenschaften liegen, honorieren, lange bevor wir eine direkte Praxisanwendung entwickelt haben. Daher ist der Preis auch Ansporn, diese Grundlagenforschungen weiter zu führen und in die Anwendung zu überführen". "Dieser Preis bestätigt erneut die hohe Qualität der Forschungen an der Friedrich-Schiller-Universität", freut sich auch Forschungs-Prorektor Prof. Dr. Herbert Witte. "Gerade die Verleihung an eine weitere Gruppe aus der Psychologie - nachdem die Psychologen um Amélie Mummendey 2005 und Wolfgang Miltner 2001 ausgezeichnet wurden - zeigt, dass die Universität ihre Forschungsschwerpunkte richtig gesetzt hat", sagt Witte.

"Gesichter liefern eine Vielzahl an sozialen Informationen, etwa über Alter, Geschlecht, Identität oder Gefühlszustand einer Person, und werden vermutlich durch andere Hirnmechanismen verarbeitet als andere visuelle Reize", erläutert Prof. Schweinberger. Bei der Begegnung mit einem unbekannten Menschen würden durch das gegenseitige Taxieren bestimmte Kategorien abgerufen, beispielsweise "jung" oder "alt", "männlich" oder "weiblich". "Dadurch stecken wir die Personen, deren individueller Hintergrund uns fehlt, bewusst oder unbewusst in verschiedene Schubladen", veranschaulicht der Jenaer Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Psychologie den zumeist nur Sekundenbruchteile währenden Vorgang im Alltag.

Wie die Gesichterwahrnehmung funktioniert, wie Gesichter im Gehirn repräsentiert werden und wie die Wiedererkennung mit anderen Informationen verknüpft wird, gehört zu den zentralen Forschungsfragen von Schweinberger, der bereits drei neuronale Verbindungszentren mitidentifiziert hat.

Jedoch ist die Gesichtswahrnehmung nur ein Teilgebiet des weitaus komplexeren Feldes der Personenwahrnehmung. Um diese zu erforschen, etablierte Schweinberger 2009 die Forschergruppe "Person Perception", die erheblich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, an der Universität Jena, die für die Forschungen u. a. hervorragend ausgestattete Labore zur Verfügung stellt.

Der in drei Kategorien vergebene und mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Thüringer Forschungspreis wird am 11. Februar in der Friedrich-Schiller-Universität Jena verliehen. Der öffentliche Festakt mit allen Preisträgern findet um 13.30 Uhr in der Aula des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) statt.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945181
E-Mail: Stefan.Schweinberger[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Space Exploration Masters 2017: Topaktueller Innovationswettbewerb
22.06.2017 | AZO Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

nachricht Otto-Hahn-Medaille für Jaime Agudo-Canalejo
21.06.2017 | Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie