Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Georg Heberer Award 2016: Vier LMU-Mediziner ausgezeichnet

27.06.2016

Mit dem diesjährigen Georg Heberer Award werden Wissenschaftler geehrt, deren Arbeiten zu neuen Behandlungsstrategien beim Metabolischen Syndrom und einer verbesserten Nachsorge nach Lungentransplantationen führen können.

Vier Mediziner des Klinikums der LMU erhalten beim diesjährigen Stiftungsfest der Ludwig-Maximilians-Universität München den Georg Heberer Award 2016. Ausgezeichnet wurden die Erstautoren von zwei Studien, die zu neuen Therapiestrategien führen können: Dr. Teresa Kauke und Dr. Nikolaus Kneidinger werden geehrt für ihre Studie zum Einfluss des Immunsystems auf die Langzeitprognose nach Lungentransplantation. Ihre Erkenntnisse gaben den Anstoß zu einem regelmäßigen Monitoring in der Nachsorge und können helfen, zukünftige Behandlungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln. Der Preis geht außerdem an Dr. Holger Schneider und Dr. Kai Michael Schubert für ihre Untersuchungen zu einem Enzym, das verschiedene Komponenten des Stoffwechsels gleichzeitig beeinflusst und daher ein vielversprechendes Zielmolekül für neue Therapien des Metabolischen Systems ist. Der Georg-Heberer-Award wird von der US-amerikanischen Chiles Foundation gestiftet und ist mit 20.000 Euro einer der höchstdotierten Publikationspreise für Chirurgische Forschung in Deutschland.

Zur Arbeit von Teresa Kauke und Nikolaus Kneidinger

Die Lungentransplantation ist für viele Patienten mit fortschreitender chronischer Lungenerkrankung die letzte Therapiemöglichkeit. Deutlich mehr Patienten als noch vor wenigen Jahren überleben heute das erste Jahr nach einer Lungentransplantation. Das Langzeitüberleben allerdings hat sich leider nicht zufriedenstellend verbessert. Der Hauptgrund für ein frühzeitiges Versterben der Patienten ist ein chronisches Transplantatversagen (CLAD) infolge sogenannten Bronchiolitis-obliterans-Syndroms (BOS), einer auf einer chronischen Abstoßungsreaktion beruhenden Entzündung der Atemwege. Teresa Kauke und Nikolaus Kneidinger haben mit ihrem Team in ihrer Studie „Bronchiolitis obliterans syndrome due to donor-specific HLA-antibodies”, die 2015 in der Zeitschrift Tissue Antigens veröffentlicht wurde, die immunologischen Risikofaktoren untersucht, die die Entwicklung dieses Syndroms befördern.

Dafür analysierten die Wissenschaftler, welchen Einfluss neu gebildete Antikörper (de novo DSA) gegen sogenannte HLA-Spendermerkmale auf die Entwicklung eines BOS nach Lungentransplantation haben. HLA-Spendermerkmale sind bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche, anhand derer das Immunsystem körperfremdes Gewebe erkennen kann. Bei 22,5% der Patienten fanden die Wissenschaftler im weiteren Verlauf nach der Transplantation derartige Antikörper im Blut. Ein signifikanter Anteil dieser Patienten entwickelte ein BOS und verstarb an den Folgen der chronischen Transplantatdysfunktion. Statistische Analysen bestätigten den Gehalt dieser Antikörper im Blut als einen Risikofaktor für BOS. Diese Erkenntnis gab am Transplantationszentrum den Anstoß zu einem regelmäßigen Monitoring auf Antikörper gegen Spender-HLA in der Nachsorge der Lungentransplantation. Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass die Dynamik der Immunantwort für die Prognose des Langzeitverlaufes nach Transplantationen entscheidend ist und wollen mit Hilfe ihrer neuen Daten zukünftige Behandlungsstrategien weiterentwickeln.

Teresa Kauke wurde 1976 in Plettenberg geboren. Sie studierte Humanmedizin an der LMU, wo sie auch promovierte. Thema der Promotion war die Gerinnungsaktivierung durch Blutzellinteraktionen und zirkulierende Mikropartikel. Von 2004 an arbeitete sie als Assistenzärztin in der Abteilung für Transfusionsmedizin, Zelltherapeutika und Hämostaseologie am Klinikum der Universität München. Im Jahr 2007 übernahm sie zudem die Leitung des Labors für Immungenetik. Seit 2009 ist Teresa Kauke Assistenzärztin in der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum der Universität München.

Nikolaus Kneidinger studierte an der Medizinischen Universität Wien. Im Anschluss absolvierte er an der Justus Liebig Universität Gießen das Postgraduierten-Programm „Molecular Biology and Medicine of the Lung“. Seit 2011 ist Kneidinger Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik V. Zu seinen klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt hier insbesondere die Transplantationsmedizin.

Zur Arbeit von Holger Schneider und Kai Michael Schubert

Übergewicht, Diabetes und hoher Blutdruck sind Bestandteile des sogenannten Metabolischen Syndroms, einer weit verbreiteten Zivilisationskrankheit, die zu Gefäß- und Herzmuskelschäden führen kann. In vielen Forschungslabors wird derzeit nach Zellprozessen und Zielproteinen gesucht, die bei mehreren dieser Grunderkrankungen eine Rolle spielen und somit die Therapie des Metabolischen Syndroms einfacher und effektiver machen könnten.
Eines dieser Zielproteine ist das Enzym AMPK, das in den Fett- und Zuckerstoffwechsel eingreift. Eine erhöhte AMPK-Aktivität kann daher diabetische Stoffwechselstörungen positiv beeinflussen. Neuen Erkenntnissen zufolge beeinflusst dasselbe Enzym aber auch die Gefäßweite der kleinsten Arterien des Körpers – der sogenannten Arteriolen – und damit auch deren Strömungswiderstand und den Blutdruck.

Im Rahmen ihrer Studie „AMPK Dilates Resistance Arteries via Activation of SERCA an BKCa Channels in Smooth Muscle“, die 2015 in der Zeitschrift Hypertension veröffentlicht wurde, konnten Holger Schneider und Michael Schubert gemeinsam mit ihrem Team zeigen, dass AMPK die Gefäßmuskulatur der Arteriolen erschlaffen lässt. Dadurch werden diese Blutgefäße weitgestellt, sodass der Blutdruck sinkt. Das Erschlaffen der Gefäßmuskeln wird induziert, indem Kalzium vermehrt in zelleigene Kalziumspeicher zurückgepumpt wird, wie die Wissenschaftler zeigen konnten. Zudem wird der Kalziumeinstrom in die Zelle reduziert, indem die zelluläre elektrische Membranspannung negativiert wird. Schneider und Schubert konnten zudem nachweisen, dass das Gefäßendothel, also die innerste Zellschicht der Gefäße, für die Weitstellung der Blutgefäße entgegen bisherigen Vermutungen nicht notwendig ist. Das ist wichtig, weil Bluthochdruck sehr häufig das Endothel so schädigt, dass dieses nicht mehr wie bei Gesunden zum Erschlaffen der Gefäßmuskulatur beitragen kann. Mit einer AMPK-aktivierenden Substanz könnten also möglicherweise künftig alle Komponenten des Metabolischen Syndroms auch bei schon bestehenden Schäden an den Gefäßen therapiert werden.

Holger Schneider wurde 1985 in Stuttgart geboren. Er studierte bis 2012 Medizin an der LMU und promovierte 2013 am Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU über den Bayliss-Effekt. Seit 2012 beschäftigt er sich als wissenschaftlicher Assistent am Walter-Brendel-Zentrum der LMU mit der Physiologie und Pathophysiologie kleiner arterieller Widerstandsgefäße im Kontext von endothelialer Dysfunktion, Remodeling und zytoskelettaler Dynamik.

Michael Schubert wurde 1986 in Schwerin geboren. Er studierte Medizin in München, Kapstadt, London und Sydney. Er arbeitet seit seinem Studienabschluss 2015 als wissenschaftlicher Assistent am Walter-Brendel-Zentrum der LMU. Er forscht im Rahmen seines PhD-Studiengangs „Medical Life Science and Technology“ an den vasomotorischen Effekten der AMPK und im Rahmen seiner Promotion zum Dr. med. an der Rolle von endothelialen Podosomen in der Mikrozirkulation.

Über den Heberer Award

Der nach dem Chirurgen Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Heberer (1920-1999) benannte Preis wurde zum ersten Mal im Jahr 2000 an der LMU verliehen. Heberer war bis 1989 Ordinarius für Chirurgie und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik am Klinikum Großhadern und genoss als Chirurg große internationale Anerkennung. Mit der jährlichen Preisverleihung soll die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen auf dem Gebiet der Chirurgie gefördert werden.

Gestiftet wird der Preis von der seit über 50 Jahren bestehenden US-amerikanischen Chiles Foundation, die die medizinische Forschung vor allem auf dem Gebiet der Krebsforschung unterstützt. Begabte deutsche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sollen mit der Verleihung des Georg Heberer Awards unterstützt und ermuntert werden, ihre wissenschaftlichen Projekte im Rahmen internationaler Kooperationen an ihren Heimathochschulen weiterzuführen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Rudolf A. Hatz
Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß-, und Thoraxchirurgie
Tel.: 089 / 4400 – 76511 (Sekretariat)
E-Mail: Rudolf.Hatz@med.uni-muenchen.de

Publikationen:
Teresa Kauke, Nikolaus Kneidinger, Benedikt Martin, Andrea Dick, Christian Schneider, Rene Schramm, Georgios Meimarakis, Gerhard Preissler, Oliver Eickelberg, Vera von Dossow, Jürgen Behr, Rudolf Hatz, Claus Neurohr and Hauke Winter
Bronchiolitis obliterans syndrome due to donor-specific HLA-antibodies
Tissue Antigens 2015
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26204790

AMPK Dilates Resistance Arteries via Activation of SERCA and BKCa Channels in Smooth Muscle
Schneider H, Schubert KM, Blodow S, Kreutz CP, Erdogmus S, Wiedenmann M, Qiu J, Fey T, Ruth P, Lubomirov LT, Pfitzer G, Mederos Y Schnitzler M, Hardie DG, Gudermann T, Pohl U.
Hypertension 2015
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26034200

Luise Dirscherl | Ludwig-Maximilians-Universität München

Weitere Berichte zu: Antikörper BOS Blutdruck Blutgefäße Enzym LMU Lungentransplantation Monitoring

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

12V, 48V, high-voltage – trends in E/E automotive architecture

10.01.2017 | Event News

2nd Conference on Non-Textual Information on 10 and 11 May 2017 in Hannover

09.01.2017 | Event News

Nothing will happen without batteries making it happen!

05.01.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau