Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kann Gentherapie die chronische Abstoßung von Spenderherzen verhindern?

09.09.2013
Wissenschaftler des Herzzentrums am Universitätsklinikum Heidelberg suchen nach neuen Wegen, krankhafte Veränderungen am transplantierten Herzen zu blockieren. Die Dietmar Hopp Siftung fördert das innovative Projekt mit 380.000 Euro.

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg entwickeln neue Methoden, um der chronischen Abstoßung bei Spenderherzen auf molekularer Ebene gegenzusteuern: Mit Hilfe der Gentherapie, bei der künstlich erzeugte Stückchen Erbinformation in die Zellen der Blutgefäßwände des Herzens eingebracht werden und diese gezielt umprogrammieren, wollen sie – zunächst im Tierversuch - schädliche Umbauprozesse in den Herzgefäßen verhindern. Die Dietmar Hopp Stiftung fördert das Forschungsprojekt in den kommenden drei Jahren mit rund 380.000 Euro.

Die Hälfte aller transplantierten Herzen entwickelt in den ersten fünf Jahren eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die sogenannte Transplantatvaskulopathie (TVP). Ursache sind Abstoßungsreaktionen mit anhaltenden Entzündungen in den Herzgefäßen, die auch durch die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems nicht vollständig beherrscht werden können. Die angegriffenen Gefäße verengen und verschließen sich mit der Zeit vollständig; der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Bei einem Drittel der betroffenen Patienten führt die chronische Abstoßungsreaktion innerhalb von fünf Jahren zum Herzversagen.

Bisher keine Therapie, um schleichende Abstoßung zu stoppen

„Bisher stehen keine Therapien zur Verfügung, um die chronische Abstoßung zu stoppen; Gefäßstützen oder Bypässe eignen sich nur in Einzelfällen“, sagt Professor Dr. Klaus Kallenbach, Arbeitsgruppenleiter an der Universitätsklinik für Herzchirurgie Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Matthias Karck). Wegen des Mangels an Spenderorganen haben die Patienten auch nur sehr geringe Chancen, ein neues Herz zu erhalten. „Wir brauchen daher dringend neue Therapieansätze“, so der Herzchirurg.

Ein solcher Ansatz könnte die sogenannte Gentherapie sein, an der am Universitätsklinikum Heidelberg vor allem zur Behandlung der Herzschwäche in den letzten Jahren intensiv geforscht wird. Dazu stellen die Wissenschaftler kurze Abschnitte genetischer Information (DNS) künstlich her und schleusen diese in die zu behandelnden Zellen. Die Abschnitte können z.B. Bauanleitungen für Proteine enthalten, die in der Zelle defekt oder nicht ausreichend hergestellt werden, oder die Bildung schädlicher Proteine blockieren. Die DNS-Stückchen werden entweder von den Zellen direkt aus dem Blut aufgenommen oder von veränderten Viren, die keine Erkrankung mehr auslösen können, in die Zellen übertragen.

DNS-Stückchen sollen Gleichgewicht bestimmter Proteine wieder herstellen

Beim Umbauprozess der Koronargefäße am Spenderherz ist eine bestimmte Gruppe von Proteinen, die sogenannten Matrix-Metalloproteinasen (MMP), maßgeblich beteiligt. Ihre Gegenspieler sind die TIMPs (Tissue Inhibitors of Matrix-Metalloproteinases): Sie hemmen die Aktivität der MMPs. Im gesunden Gefäß besteht ein Gleichgewicht zwischen MMPs und TIMPs, bei der chronischen Abstoßung gewinnen die MMPs die Oberhand. „Unser Ziel ist es, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen“, sagt Dr. Rawa Arif, wissenschaftlicher Assistent in der Klinik für Herzchirurgie und verantwortlicher Operateur in diesem Projekt.

Dabei verfolgen die Wissenschaftler zwei Ansätze: Zum einen wollen sie mit Hilfe der eingeschleusten DNS-Abschnitte die Gefäßzellen der transplantierten Herzen dazu anregen, zusätzliche TIMPs herzustellen, zum anderen die Bildung der MMPs hemmen. Im Tierversuch mit Mäusen werden die Spenderherzen mit der Gentherapie behandelt, bevor sie dem Empfängertier eingepflanzt werden. Wie gut die vorbeugende Behandlung wirkt und wie lange die Wirkung anhält, sollen die geplanten Tests zeigen. „Sollte sich die Gentherapie im Tierversuch bewähren, hätten wir auf lange Sicht vielleicht die Chance, die Funktionszeit der Spenderherzen zu verlängern“, hofft Arif.

Das Forschungsprojekt wird gemeinsam von drei Arbeitsgruppen aus verschiedenen Abteilungen des interdisziplinären Herzzentrums des Universitätsklinikums Heidelberg bearbeitet. Neben dem Team um Professor Dr. Kallenbach und Dr. Rawa Arif sind die Arbeitsgruppen von Professor Dr. Oliver Müller, Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Medizinischen Universitätsklinik (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus) und Privatdozent Dr. Andreas H. Wagner, Institut für Physiologie und Pathophysiologie (Direktor: Professor Dr. Markus Hecker) beteiligt.

Weitere Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/AG-Kardiovask-Gentherapie.118698.0.html
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Forschung.112040.0.html
Kontakt:
Dr. Rawa Arif
Universitätsklinik für Herzchirurgie Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 37 833
E-Mail: Rawa.Arif@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de
Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht „Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges
26.06.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie