Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam das Hirn verstehen: 2. Runde Transatlantischer Kooperationen in Computational Neuroscience

21.12.2011
Die Deutsch-US-amerikanische Kooperation auf dem Gebiet der Computational Neuroscience wird weiter ausgebaut. Sechs neue Projekte werden in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 2,6 Millionen Euro gefördert.
Die Projekte zeichnen sich durch eine enge Verzahnung experimenteller und theoretischer Ansätze bei der Erforschung des Gehirns aus. Dies ist die zweite Runde einer gemeinsamen Deutsch-Amerikanischen Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der National Science Foundation (NSF) und des National Institutes of Health (NIH).

Die geförderten Projekte bearbeiten folgende Themen:

Für Migräneanfälle sind vermutlich krankhaft langanhaltende Nervenentladungen in der Großhirnrinde verantwortlich. Dr. Markus Dahlem von der Technischen Universität Berlin möchte mit Kollegen der Pennsylvania State University, College State, herausfinden, ob sich diese durch den Einfluss Regelkreis-gesteuerter elektrischer Felder kontrollieren lassen. Dies werden sie sowohl im Computer- als auch im Tiermodell untersuchen.

Hirnaktivitätsmuster, die mittels bildgebender Verfahren gemessen wurden, unterscheiden sich selbst bei identischer Stimulation zwischen Individuen. Dr. Michael Hanke von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg möchte dafür gemeinsam mit Kollegen vom Dartmouth College, Hanover, und der Princeton University, Princeton, neue Methoden zu besseren Vergleichbarkeit erarbeiten. Damit sollen individuelle Muster ineinander übersetzt und analysiert werden und sogar intrinsische Prozesse wie soziale Kognition vergleichbar werden.

Wie schafft es das Gehirn, die dreidimensionale Welt aus der zweidimensionalen Abbildung auf unserer Netzhaut so perfekt zu rekonstruieren? Prof. Roland Fleming der Justus-Liebig-Universität Gießen und seine Kollegen von der Yale University, New Haven, prüfen, ob Zellen, welche die Intensitätsverläufe in einem Bild erkennen, uns die dreidimensionale Wahrnehmung der Welt ermöglichen. Psychophysische Experimente und Computermodelle sollen dabei zum Einsatz kommen.

Sinnessysteme müssen hocheffizient komplexe Muster und Eigenschaften aus einer riesigen Zahl an Informationen filtern. Wie dies im Riechkolben geschieht, werden Dr. Andreas Schaefer vom Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, Heidelberg, gemeinsam mit Forschern der Cornell University, Ithaca, untersuchen. Unter anderem mit optogenetischen Verfahren wird die Funktion hemmender Zellen bei der Kontrastverschärfung von Informationen untersucht.

Wie hängen Struktur und Funktion im dendritischen Teil einer Nervenzelle zusammen? Das möchten Prof. Stefan Remy vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Bonn, und Wissenschaftler von der Northwestern University, Evanston, der Stanford University, Stanford, und dem Janelia Farm Research Campus HHMI, Ashburn, klären. Mit einer Kombination neuartiger mikroskopischer Verfahren werden sie Zellen des Hippocampus untersuchen, die für Erinnerung und weitere kognitive Prozesse eine wichtige Rolle spielen.

Wie schafft es das Gehirn mit denselben Neuronen viele unterschiedliche Leistungen zu erbringen? Prof. Cornelius Schwarz vom Werner Reichardt Zentrum für Integrative Neurowissenschaften, Tübingen, wird mit Wissenschaftlern der Georgia Tech and Emory University, Atlanta, diese Frage anhand des Tasthaarsystems der Ratte untersuchen. Mit Hilfe statistischer Modelle soll die neuronale Kodierung beschrieben werden. Damit versuchen die Forscher aufzuzeigen, wie Sinnesleistungen an momentane Wahrnehmungsanforderungen angepasst werden.

In der ersten Förderrunde 2010 waren fünf Projekte für eine Förderung mit insgesamt 3,4 Millionen Euro ausgewählt worden. In Deutschland sind die Projekte in das Nationale Bernstein Netzwerk für Computational Neuroscience (NNCN) integriert. Das NNCN wurde vom BMBF mit dem Ziel gegründet, die Kapazitäten im Bereich der neuen Forschungsdisziplin Computational Neuroscience zu bündeln, zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Das Netzwerk ist benannt nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1835-1917).

Johannes Faber | idw
Weitere Informationen:
http://www.nncn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Millionen für die Virenforschung
13.01.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht International ausgezeichnet! Rittal gewinnt „Cooling Oscar“
20.10.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie