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Gallensäure als Medikament gegen Herzschwäche?

13.06.2013
Ein Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Heidelberg ist mit dem Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger Stipendium der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. ausgezeichnet worden: Die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Dierk Thomas wird die kommenden zwei Jahre mit insgesamt 50.000 Euro gefördert.

Kardiologen des Universitätsklinikums Heidelberg erforschen einen neuen Therapieansatz bei Herzschwäche und sind dafür nun von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. mit dem Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger Stipendium 2013 ausgezeichnet worden.

Das Team um Privatdozent Dr. Dierk Thomas untersucht, ob die Gallensäure Lithocholsäure – als Prototyp für neue, maßgeschneiderte Wirkstoffe – das Fortschreiten einer Herzmuskelschwäche aufhalten kann. Zuvor hatten die Wissenschaftler entdeckt, dass die Säure im Reagenzglas den Selbstmord gestresster Herzmuskelzellen verhindert. Das Stipendium unterstützt das Projekt in den kommenden zwei Jahren mit insgesamt 50.000 Euro.

Rund 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), der häufigsten Erkrankung des Herz-Kreislaussystems. Medikamente können das Herz lange Zeit unterstützen und seine Funktion erhalten – es gibt allerdings noch keine Therapie, die das weitere Fortschreiten der Herzschwäche vollständig stoppt.
Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Thomas, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus), erforscht einen von zahlreichen Mechanismen, die zum allmählichen Funktionsverlust des Herzen führen: Ist das Herz z.B. durch andauernden Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen überlastet, begehen gestresste Herzmuskelzellen Selbstmord, die Pumpkraft lässt nach. „Wenn es uns gelingt, das Absterben der Herzzellen zu verhindern, könnte dieser neue Ansatz in Zukunft die Therapie der Herzmuskelschwäche unterstützen und verbessern“, hofft Thomas.

Lithocolsäure verhindert Absterben von Herzzellen

In Vorarbeiten (2012 veröffentlicht im British Journal of Pharmacology) identifizierte die Arbeitsgruppe ein körpereigenes Protein, das Enzym EphA2, das bei diesem Prozess eine wichtige Rolle spielt: Wird EphA2 mittels bestimmter Chemikalien aktiviert, setzt es in isolierten Herzzellen das Selbstmordprogramm in Gang. Zellen, in denen die EphA2-Aktiverung blockiert ist, sterben unter Einwirkung des Giftes deutlich seltener ab. „Wir gehen davon aus, dass EphA2 unter Stressbedingungen für das Herz aktiviert wird, den Selbstmord der Herzzellen auslöst und so zur Entstehung von Herzmuskelerkrankungen beiträgt“, so Thomas. Gaben die Wissenschaftler gleichzeitig die Gallensäure Lithocholsäure zu, wurde EphA2 trotz Stress für die Zellen nicht aktiviert, es kam nicht zum Zelltod.
Im Rahmen des geförderten Projekts wollen die Wissenschaftler nun den Signalweg um EphA2 in gesunden und geschwächten Herzen von Schweinen genauer untersuchen und prüfen, ob Lithocolsäure auch am lebenden Organismus das Absterben der Herzzellen verringern kann.

Literatur:
J Jehle, I Staudacher, F Wiedmann, PA Schweizer, R Becker, HA Katus
and D Thomas: Regulation of apoptosis in HL-1 cardiomyocytes by phosphorylation of the receptor tyrosine kinase EphA2 and protection by lithocholic acid. British Journal of Pharmacology (2012) 167 1563–1572; DOI:10.1111/j.1476-5381.2012.02117.x

Weitere Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Arbeitsgruppe-Molekulare-und-Translationale-Kardiale-Elektrophysiologie.107347.0.html

http://dgk.org/preise-und-stipendien/stipendien/klaus-georg-und-sigrid-hengstberger-forschungsstipendium


Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Dierk Thomas
Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare und Translationale Kardiale Elektrophysiologie“
Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 88 55 (Koordinationsstelle kardiale Elektrophysiologie)
E-Mail: Dierk.Thomas@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
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Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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