Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Früherkennung Parkinson: Innovationspreis BioRegionen geht an zwei HIH-Wissenschaftlerinnen

24.05.2011
Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Natalja Funk vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) im Universitätsklinikum Tübingen erhalten am 25.05.2011 den mit 2.000 € dotierten Innovationspreis der BioRegionen in Deutschland für ein neues (patentiertes) Verfahren, das möglicherweise die Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen wie z.B. der Parkinson-Erkrankung erlaubt und das sich jetzt in klinischer Erprobung befindet.

Der Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland zeichnet jährlich drei herausragende, anwendungsorientierte Forschungsideen und Patente aus der modernen Biotechnologie oder der Medizintechnik mit Bezug zur Biotechnologie aus.

Die ausgezeichnete Idee von Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Natalja Funk (Patent DE 10 2007 024 382A1) beschreibt ein Verfahren, das möglicherweise in Zukunft die Früherkennung und/oder Vorhersage der Entwicklung von neurodegenerativen Erkrankungen, zu der auch die Alzheimer- und Parkinson-Erkrankung zählen, mit einer einfachen Blutprobe beim Arzt erlaubt. Bisher sind auf dem Markt keine Tests verfügbar, mit deren Hilfe der Ausbruch einer neurodegenerativen Erkrankung in einer Risikoperson frühzeitig vorhergesagt werden kann. Dies ist aber sehr wichtig, da bei einer spät erkannten neurodegenerativen Erkrankung ein Großteil der Nervenzellen bereits abgestorben ist, und eine Therapie in Folge dessen zu spät einsetzt. Mit einer Identifizierung von Risikopersonen und einer frühen Diagnose könnte dem Verlust von Nervenzellen frühzeitig therapeutisch entgegengewirkt werden.

Das von Saskia Biskup und Natalja Funk entwickelte Verfahren befindet sich nun in der klinischen Erprobung. „Wir sind noch am Anfang unserer Forschungsarbeiten. Letztlich können wir erst nach Jahren sagen, wie gut unsere Methode wirklich ist, da wir ja abwarten müssen, ob die Personen, die wir heute mit unserem Verfahren testen, nicht erkranken oder erkranken. Wir suchen nun Partner aus der Industrie, um unseren Bluttest in einer grossen Kohorte von Risikopersonen auszutesten,“ so Saskia Biskup. Von besonderem Interesse ist zudem, dass man den Bluttest auch dazu verwenden könnte, die Wirksamkeit von Therapien in bereits erkrankten Personen zu überprüfen. Der Bluttest ist einfach durchzuführen, gefährdet den Patienten nicht und gibt Hinweise auf die Aktivität des Immunsystems und damit möglicherweise auch Hinweise auf die Krankheitsaktivität.

Die Erfinder haben nämlich bei der Entwicklung des Verfahrens den Umstand berücksichtigt, dass über das Blut ein ständiger Austausch zwischen den Nervenzellen des Gehirns auf der einen und den Zellen des Immunsystems auf der anderen Seite besteht. Neurodegenerative Erkrankungen führen unter anderem zu einem langsamen, unaufhaltsamen Tod von einzelnen Nervenzellen. Untergehende Nervenzellen wiederum führen zur Freisetzung von Signalstoffen, die im Gehirn befindliche Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems) sowie weitere Zellen des Immunsystems anlocken. Das Einwandern von Immunzellen wiederum bedingt einen Nervenzelluntergang, so dass es zu einer nicht mehr kontrollierbaren Reaktion kommt, die letztendlich die Grundlage für die langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung bilden könnte. Darüber hinaus werden Signalstoffe in das Blut abgegeben. Diese Signalstoffe entfalten auch eine Wirkung auf weiße Blutkörperchen im Blut sowie auf deren Vorläuferzellen im Knochenmark. Dies kann unter anderem die Vermehrung und Spezialisierung bestimmter weißer Blutkörperchen initiieren. Diesen Anstieg an weißen Vorläuferzellen macht sich das Verfahren zunutze: Es misst den Anstieg an weißen Vorläuferzellen im Blut.

Zu den neurodegenerativen Krankheiten zählen unter anderem die Alzheimer-, die Parkinson-Krankheit, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Trinukleotidkrankheiten wie zum Beispiel Chorea Huntington und Prionen-Krankheiten, wie zum Beispiel die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung. Insbesondere die Alzheimer- und die Parkinson-Krankheit sind dabei eine häufige Ursache von Demenz und hieraus resultierender Pflegebedürftigkeit im Alter.

Die Preisverleihung findet am 25. Mai 2011 um 11.30 Uhr auf den Deutschen Biotechnologietagen in München statt.

Weitere Informationen unter: http://www.bio.nrw.de oder unter: http://www.biodeutschland.org

Kontakte Medien

Dr. Saskia Biskup
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen
Tel.: 07071-29-72280
Mobil: 0172-376 51 80
Mail: saskia.biskup@medizin.uni-tuebingen.de
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Externe Pressestelle:
Kirstin Ahrens
Tel.: 07073-500 724, Mobil: 0173 – 300 53 96
Mail : mail@kirstin-ahrens.de
http://www.hih-tuebingen.de
Universitätsklinikum Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Ellen Katz
Telefon: 07071-2980112
Mail: ellen.katz@med.uni-tuebingen.de
http://www.medizin.uni-tuebingen.de
Zusatzinformationen
Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) wurde 2004 der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Eberhard Karls Universität und dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet und zählt heute zu den führenden Forschungseinrichtungen seiner Art in Europa. Am HIH forschen 15 Professoren mit 230 Mitarbeitern in 25 Arbeitsgruppen.
Universitätsklinikum Tübingen
Das 1805 gegründete Tübinger Universitätsklinikum gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin und trägt als eines der 32 Universitätsklinika in Deutschland zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei.
Der Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland
Der Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland ist ein Zusammenschluss von 30 Vertretern aus unterschiedli-chen Regionen Deutschlands, die im Bereich Biotechnologie aktiv sind und diese Technologie in den jeweiligen Regionen fördern. Der Innovationspreis der BioRegionen in Deutschland wird in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben. Gestiftet wird der jährliche Preis von Sponsoren.

Kirstin Ahrens | idw
Weitere Informationen:
http://www.biodeutschland.org
http://www.bio.nrw.de
http://www.hih-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie