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Frühdiagnose von Alzheimer-Demenz ausgezeichnet

27.06.2011
Der Preis für Hirnforschung in der Geriatrie wird am 4. Juli verliehen

Zum 16. Mal vergibt die Universität Witten/Herdecke am 4. Juli 2011 den Preis für Hirnforschung in der Geriatrie. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert und wird von der Firma Merz gestiftet. „In diesem Jahr teilen sich zwei Arbeitsgruppen den Preis, eine hat die Früherkennung aus einem Eiweißstoff der Rückenmarksflüssigkeit verfeinert, die andere kann durch Frage-Antwort-Kombinationen besser vorhersagen, ob jemand Anzeichen der Krankheit aufweist“, erklärt Prof. Dr. Ingo Füsgen, der Leiter der Jury. Füsgen ist Inhaber des Lehrstuhls für Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke an den Geriatrischen Kliniken St. Antonius in Velbert.

Im wesentlichen gibt es drei Wege zur Diagnose einer Demenz: psychometrische Fragen, labortechnische Untersuchungen und radiologische Aufnahmen des Gehirns. „Im deutschsprachigen Raum sehen wir in diesem Jahr vor allem Fortschritte in der Forschung bei den ersten beiden Wegen“, ordnet Füsgen die Verleihung ein. Die Arbeitsgruppe aus Prof. Dr. Elke Kalbe, PD Dr. Pasquale Calabrese und Prof. Dr. Josef Kessler hat mit ihrem Gedächtnistest insbesondere die Abgrenzung der Alzheimer-Demenz von der Depression vorangetrieben, in dem sie die Konzentrationsfähigkeit, das vorhandene Wissen und die Verknüpfungsfähigkeit von Patienten untersucht.

„Die Früherkennung von Demenz ist für Betroffene und Angehörige wichtig. Aber gerade ältere Menschen werden oft unsicher in der Selbsteinschätzung ihrer geistigen Leistungen und eine mögliche kognitive Störung muss erst mal auffallen, bevor ein Test wie der unsrige greifen kann“, beschreibt Prof. Dr. Elke Kalbe von der Universität Vechta die Anfangsproblematik. „Der „AgeCoDe“-Studie zufolge werden aktuell in Deutschland nur 51% der frühen Demenzen und nur 12% der leichten kognitiven Störungen im hausärztlichen Setting erkannt.“ Dabei hilft der Test den Kalbe, Pasquale und Calabrese entwickelt haben: „Der „DemTect“ kann in ca. zehn Minuten altersassoziierte kognitive Leistungen, leichte kognitive Störungen und einen Demenzverdacht von einander abgrenzen. Er wird von nationalen und internationalen Leitlinien empfohlen und ist in verschiedene Sprachen übersetzt worden“, erläutert Prof. Dr. Josef Kessler von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln. Die Forscher haben aber auch weitere Tests entwickelt, wie PD Dr. Pasquale Calabrese erläutert: „Mit PANDA, dem Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment, steht ein speziell für Parkinsonpatienten zugeschnittenes, ebenfalls bereits in mehreren Sprachen verfügbares Screeninginstrument zur Verfügung. Und frisch publiziert haben wir mit dem EASY ein nicht sprachbasiertes, kulturfaires Screeningverfahren zur Erfassung kognitiver Störungen bei Patienten mit Migrationshintergrund. Das hilft den niedergelassenen Ärzten bei der Diagnose.“

Die zweite Arbeitsgruppe um den Erlanger Professor Dr. med. Piotr Lewczuk hat eine Methode verfeinert, die aus einem Eiweißstoff der Rückenmarksflüssigkeit den Ausbruch der Demenz schon zehn Jahre voraussagen kann. Seit einigen Jahren stehen Ablagerungen von Beta-Amyloid im Gehirn stark im Verdacht, nicht nur Kennzeichen, sondern auch der Auslöser des Nervenzelltods bei der Alzheimer-Demenz zu sein. Diesen Stoff konnte die Arbeitsgruppe nun schon sehr früh im Liquor nachweisen.

„Dieser Forschungserfolg stellt für Patienten jedoch mitunter ein großes Problem dar, denn wer will schon wirklich wissen, ob er in zehn oder fünfzehn Jahren an Alzheimer erkrankt. Aber bei Beginn der klinischen Symptome bestätigt die Untersuchung das Krankheitsbild der Alzheimer-Demenz. Die Forschungsleistung ist international bei beiden Preisträgern herausragend. Darum bekommen sie in diesem Jahr den Preis“, erläutert Prof. Füsgen die Vergabe.

Die Preisverleihung findet am 4. Juli 2011 in der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 50, 58448 Witten von 13.00 bis ca. 16.30 Uhr statt. Für einen Fototermin bietet sich die Kaffeepause zwischen 14.30 und 15.00 Uhr an.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Ingo Füsgen, 02053 / 494-500, Ingo.Fuesgen@uni-wh.de

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Kay Gropp | Universität Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

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