Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer-Forscher für den Deutschen Zukunftspreis 2012 nominiert

12.09.2012
Mobiles Fernsehen, Filme on Demand, TV in HD-Qualität oder in 3D, Video-konferenzen – all dies macht das Kompressionsverfahren H.264/AVC möglich. Für ihre Arbeit an dem internationalen Standard sind Prof. Dr.-Ing. Thomas Wiegand, Dr.-Ing. Detlev Marpe und Dr.-Ing. Heiko Schwarz vom Fraunhofer HHI heute für den Zukunftspreis 2012 nominiert worden.

Große Sportevents wie Olympia im Live-Stream, Musik-Videos auf dem Smartphone, lustige Kurzfilme, Animationen, Fernseh-Nachrichten, Serien, Kinohits – im Internet werden immer häufiger Inhalte mit bewegten Bildern auch auf mobile Endgeräte übertragen.

Mehr als 70 Prozent aller übermittelten Informationen im Consumer Internet sind mittlerweile Videosignale. Diese Bilderflut erzeugt eine gigantische Datenmenge von mehr als 1019 Bytes pro Monat. Dass die Netze trotzdem nicht verstopfen, liegt an neuen, besonders leistungsfähigen Videokompressionsverfahren. Damit lassen sich die bewegten Bilder beim Transport stark »zusammenpressen«.

Internationaler Standard ist das derzeit effizienteste Verfahren H.264/AVC. Es komprimiert die bewegten Bilder so, dass der Datenumfang deutlich schrumpft, ohne die Qualität merklich zu beeinträchtigen.

Maßgeblich mitgearbeitet an der Entwicklung von H.264/AVC haben drei Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI, in Berlin: Prof. Dr.-Ing. Thomas Wiegand, Dr.-Ing. Detlev Marpe und Dr.-Ing. Heiko Schwarz haben nicht nur entscheidende Grundlagen für die Videocodierung gelegt, sondern auch an der Etablierung des Standards sowie dessen Erweiterungen mitgewirkt. Dafür wurden sie für den Deutschen Zukunftspreis 2012 vorgeschlagen.

Mehr als eine Milliarde Geräte nutzen die Technologie

Das Kompressionsverfahren ermöglicht neben der Übertragung von Videos via Internet auch zahlreiche weitere Anwendungen: hochauflösendes Fernsehen, TV in 3D, Filme auf Abruf, Videos im Web, Blu-ray, Videokonferenzen oder videobasierte Sicherheits- und Medizintechnik. Die Technologie hat sich weltweit durchgesetzt. Mittlerweile wird ein großer Anteil der Bits im Internet mithilfe von H.264/AVC übertragen. Zudem nutzen mehr als eine Milliarde Endgeräte die Codierung – darunter Smartphones, Tablets, Notebooks, Blu-ray-Player, Systeme für Videokonferenzen sowie HD- und 3D-Fernseher.

Doch wie arbeitet die Videocodierung genau? Ein Film besteht aus 24 oder mehr einzelnen Bildern pro Sekunde. Die Komprimierung sorgt dafür, dass in jedem Bild nur die Teile übertragen werden, die sich von Bild zu Bild ändern. Alle gleichbleibenden Bereiche können aus den vorhergehenden Sequenzen »vorhergesagt« werden.
Der Encoder analysiert dazu zeitlich aufeinanderfolgende Sequenzen und sucht in bereits übermittelten Sequenzen nach den Bereichen, aus denen sich Teile des nächsten Bildes ermitteln lassen. Dann muss nur noch die Differenz zwischen der Vorhersage und dem aktuellen Bild übertragen werden. Außerdem werden noch weitere statistische Abhängigkeiten zwischen den Signalanteilen ausgenutzt. So lässt sich die Datenrate deutlich reduzieren. Der Decoder kombiniert die übertragenen geänderten Bereiche mit den vorhergesagten Teilen der vorangegangenen Bildern.

»Wir haben in allen vier Phasen der Standardisierung von H.264/AVC wesentliche Beiträge geleistet«, erklärt Thomas Wiegand. So haben die Forscher des HHI nicht nur den Basisstandard H.264/AVC verbessert, sondern auch den Codec für das HDTV optimiert. Zudem lässt sich dank ihrer Arbeiten H.264/AVC skalierbar erweitern. »Bei 3D-TV schließlich, der vierten Innovation, haben wir uns mit einem Konzept durchgesetzt, das es erlaubt, die Stereo-Videocodierung besonders einfach und schnell in schon vorhandenen Endgeräten zu realisieren«, führt Wiegand weiter aus.

Der Deutsche Zukunftspreis, der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation, wird am 28. November 2012 in Berlin verliehen. In diesem Jahr sind insgesamt vier Projekte der deutschen Forschung und Entwicklung für die Auszeichnung nominiert. Der Preis ist mit 250 000 Euro dotiert.

Britta Widmann | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.deutscher-zukunftspreis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Berührungslose Ladesysteme
16.11.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Studenten nehmen mit Frühwarnsystem für Geisterfahrer an internationalem Wettbewerb in Peking teil
15.11.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte