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Fortschritte in der Metabolom- und Glycomforschung durch NMR

30.11.2011
Auf einer Tagung an der Universität Lübeck geht es um Stoffwechselvorgänge und Glycostrukturen in Biosystemen - GlycoThera-Award 2011 für Prof. Iain Wilson aus Wien

Molekulare Mechanismen von Stoffwechselprozessen und die durch Glycostrukturen vermittelte Zell-Zell-Erkennung sind das Thema einer wissenschaftlichen Tagung, die am 1. Dezember 2011 an der Universität zu Lübeck stattfindet.

Gastgeber sind Jun.-Prof. Dr. rer. nat. Karsten Seeger (Institut für Chemie der Universität Lübeck) und Prof. Dr. rer. nat. Thomas Peters (Direktor des Instituts und Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der Glycowissenschaften). Der Förderpreis für herausragende Ergebnisse in der Glycoforschung, der GlycoThera-Award 2011, wird im Rahmen der Tagung an Prof. Dr. Iain Wilson aus Wien verliehen.

Zur Frage der Bedeutung von Glycostrukturen in biologischen Systemen sind an der Universität zu Lübeck in enger Kooperation mit Arbeitsgruppen an der Universität Hamburg und dem Forschungszentrum Borstel in den letzten zehn Jahren bedeutende Forschungsergebnisse erzielt worden. Viele der Fragestellungen sind eng mit Stoffwechselvorgängen (Metabolismus) verknüpft. Die Tagung „NMR in Life Sciences – Glycans Meet Metabolites“ am 1. Dezember schlägt eine Brücke zwischen den beiden Gebieten (Beginn 9 Uhr, Hörsaal V 2).

Ein methodischer Schwerpunkt ist dabei die Anwendung der hochauflösenden Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie), die Einblicke in das molekulare Geschehen unter physiologischen Bedingungen erlaubt. Eine der großen offenen Fragen, der gerade auch Prof. Wilson in seinen Forschungsarbeiten nachgeht, ist die Entschlüsselung des sogenannten „Glyco-Codes“, der auf komplexe und noch weitgehend unbekannte Weise das Zusammenspiel von Zellen in Organismen steuert. Der Glyco-Code könnte einen Schlüssel für das Verständnis so komplexer Erkrankungen wie Krebs liefern.

Der mit 5.000 Euro dotierte GlycoThera-Award wird dieses Jahr zum zweiten Mal vergeben. Der Preis wird von der Biotech-Firma GlycoThera, Hannover, gestiftet und hebt international herausragende Beiträge zur Biochemie und Chemie der Kohlenhydrate im deutschsprachigen Raum hervor. Bevorzugt sollen Wissenschaftler in einem frühen Stadium der wissenschaftlichen Karriere ausgezeichnet werden.

Prof. Dr. Iain Wilson leitet an der Universität für Bodenkultur in Wien eine Arbeitsgruppe auf dem Gebiet der Glycobiologie. Er begann seine wissenschaftliche Karriere an der Universität Oxford, wo er promovierte und von 1992 bis 1995 als Forschungsassistent tätig war. 1995 wechselte er mit einem Leverhulme Trust Stipendium nach Wien, wo er sich 2001 habilitierte. Ein einjähriger Forschungsaufenthalt führte ihn 1997 bis 1998 an die University of Dundee in Schottland. Sein generelles Forschungsinteresse gilt der Frage, wie Glycosylierungsmuster mit biologischen Funktionen korreliert sind. Hierzu beschäftigt sich Prof. Wilson insbesondere mit der Glycosylierung unter anderem in Insektenzellen, Schleimpilzen, Würmern und Parasiten. Er konnte mit seiner Arbeitsgruppe auf diesem Gebiet in den letzten Jahren wegweisende Arbeiten publizieren, die mehr Licht in das Dunkel des „Glyco-Codes“ gebracht haben.

Preisträger des Preises für Exzellenz in der Glycoforschung 2011 ist Dr. rer. nat. Jamal Souady vom Institut für Medizinische Physik und Biophysik des Universitätsklinikums Münster. Der mit 500 Euro dotierte Preis zeichnet herausragende Arbeiten vielversprechender junger Talente auf dem Gebiet der Glycowissenschaften aus. Dr. Souady hat seine Dissertation „Charakterisierung Tumor-assoziierter Glycosphingolipide von Karzinomen des Gastrointestinaltraktes“ in diesem Jahr mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Seine Forschungsergebnisse sind bereits in einer Reihe hochrangiger wissenschaftlicher Zeitschriften veröffentlicht worden.

Der Verein zur Förderung der Glycowissenschaften wurde 1998 gegründet. Die Vorstandsmitglieder sind Prof. Dr. Thomas Peters (Lübeck), Prof. Dr. Bernd Meyer (Hamburg), Prof. Dr. Otto Holst (Borstel), Prof. Dr. Joachim Thiem und Prof. Dr. Volkmar Vill (beide ebenfalls Hamburg).

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.chemie.uni-luebeck.de/index.php?id=636&tx_ttnews[tt_news]=133&tx_ttnews[backPid]=614&cHash=9539d18681

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