Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt zur Präzisionsmedizin wird mit 1,5 Mio. Euro aus dem Innovationsfonds gefördert

12.01.2017

Das Forschungsprojekt „Einfluss metabolischer Profile auf die Arzneimitteltherapiesicherheit in der Routineversorgung“ (EMPAR) unter Leitung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird mit rund 1,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BfArM untersuchen dabei gemeinsam mit dem DZNE und in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse, welchen Einfluss pharmakogenetische Faktoren auf die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteltherapien haben. Diese Einbindung patientenindividueller genetischer Profile in die Therapie und medizinische Versorgung nennt man Präzisionsmedizin.

Im Forschungsschwerpunkt Pharmakogenomik und individualisierte Medizin des BfArM wird untersucht, inwieweit die genetische Veranlagung dazu beiträgt, wie eine Patientin oder ein Patient auf ein Arzneimittel reagiert. So gibt es genetische Einflüsse auf den Abbau von Arzneimitteln im Körper, den Metabolismus.

Sogenannte Ultraschnell-Metabolisierer bauen die Wirkstoffe in Arzneimitteln deutlich schneller ab als die meisten Menschen. Damit steigt das Risiko, dass bei ihnen bestimmte Nebenwirkungen auftreten oder die therapeutische Wirkung ausbleibt. Im Gegensatz dazu stehen die sogenannten schlechten Metabolisierer, die Wirkstoffe langsamer abbauen als die meisten Menschen. Auch das kann aufgrund hoher Wirkspiegel bei normaler Dosis zu Nebenwirkungen führen.

In dem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt „EMPAR“ wird es konkret um die Frage gehen, ob diese genetischen Unterschiede in ihrem Einfluss auf die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung erkennbar sind. So kann es durchaus sein, dass Langsam-Metabolisierer andere Versorgungsleistungen in Anspruch nehmen als Schnell-Metabolisierer, da sie im Laufe ihres Lebens andere Erfahrungen mit der Verträglichkeit und Wirksamkeit von Therapien machen.

Um diese Zusammenhänge herauszufinden, wendet die Arbeitsgruppe „Pharmakoepidemiologie“ des DZNE multivariate statistische Analysen an. Dabei werden für die Arzneimitteltherapie relevante genetische Daten mit Gesundheitsdaten der Techniker Krankenkasse (TK) ausgewertet.

Dazu schreibt die TK Versicherte ab einem Alter von 60 Jahren an, die mindestens ein Arzneimittel einnehmen, von dem man weiß, dass es aufgrund der genetischen Unterschiede in der Bevölkerung unterschiedlich verstoffwechselt wird. Wenn diese einer Teilnahme zustimmen, geben sie einen Wangenabstrich ab, aus dem man feststellen kann, wie sie das Arzneimittel tatsächlich verstoffwechseln.

“Eine solche Untersuchung könnte in Zukunft dazu eingesetzt werden, die medizinischen Leistungen und Medikation präziser und individueller auf die Versicherten abzustimmen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Britta Hänisch vom DZNE. „Das Projekt trägt damit zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei.“

„Langfristiges Ziel ist es, den Einsatz solcher pharmakogenetischen Tests zur Bestimmung der Stoffwechsel-Profile im Versorgungsalltag zu testen“, so Prof. Dr. Julia Stingl, Vizepräsidentin des BfArM und Projektleiterin. „Wenn die Arzneimitteltherapie präziser auf die Patientinnen und Patienten abgestimmt wird, bedeutet das eine Steigerung in der Qualität der Patientenversorgung. Gleichzeitig könnten Therapien auch wirtschaftlicher werden, etwa durch die optimale Dosierung der Arzneimittel. Nicht zuletzt könnten weniger unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten.“

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen führen Schätzungen zufolge zu 5 bis 10 Prozent aller Krankenhauseinweisungen. Sie beeinträchtigen nicht nur die Gesundheit der Patientinnen und Patienten, sondern verursachen auch Kosten im Gesundheitssystem.

BfArM-Präsident Prof. Dr. Karl Broich wertet die Förderung durch den Innovationsfonds auch als Anerkennung der Expertise des Instituts: „Das BfArM leistet durch seine eigene unabhängige Forschung einen wichtigen Beitrag, um sowohl die Qualität als auch die Sicherheit der Arzneimittelversorgung weiter zu steigern. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie wir unsere Forschungstätigkeit im Rahmen unserer regulatorischen Arbeit bestmöglich im Sinne der Patientinnen und Patienten einsetzen.“

Prof. Dr. Pierluigi Nicotera, Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des DZNE, betont: „Die Präzisionsmedizin könnte maßgeblich dazu beitragen, die Behandlung von Menschen mit Demenz und anderen neurologischen Störungen zu verbessern. Wir sind daher sehr erfreut, an diesem Projekt mitzuwirken. Gleichzeitig verdeutlich das Projekt die strategische Zusammenarbeit zwischen DZNE und BfArM.“

Hintergrund Innovationsfonds:
Aus dem von der Bundesregierung aufgelegten Innovationsfonds werden von 2016 bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro an förderungswürdige Projekte vergeben, 75 Millionen davon für Versorgungsforschung. Übergeordnetes Ziel ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.

Der beim G-BA eingerichtete Innovationsausschuss legt in Förderbekanntmachungen die Schwerpunkte und Kriterien für die Förderung fest und entscheidet über die Anträge. Die Mittel für den Fonds werden von den gesetzlichen Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds getragen. In 2016 wurden dem Innovationsausschuss 296 Antragsskizzen zur Versorgungsforschung eingereicht, von denen 62 Projekte eine Förderung erhalten, darunter auch das Projekt „EMPAR“.

Weitere Informationen:

https://www.dzne.de/ueber-uns/presse/meldungen/2017/pressemitteilung-nr-2.html Pressemitteilung, deutsche Fassung
https://www.dzne.de/en/about-us/public-relations/news/2017/press-release-no-2.ht... Pressemitteilung, englische Fassung
https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/664/ Pressemiteilung des G-BA: Innovationsausschuss veröffentlicht geförderte Projekte zur Versorgungsforschung

Dr. Marcus Neitzert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht CES Innovation Award für kombinierte Blick- und Spracheingabe im Auto
23.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Innovationen in der Bionik gesucht!
18.01.2018 | VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics