Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungspreis für publizierte Studie der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin

26.04.2013
Volker Gebhardt mit August-Bier-Preis ausgezeichnet

Den August-Bier-Preis der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) hat in diesem Jahr Volker Gebhardt, Assistenzarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), erhalten.

Ausgezeichnet wurde damit eine Studie zur Spinalanästhesie bei der operativen Versorgung von Enddarmerkrankungen, die der junge Wissenschaftler im Rahmen seiner Doktorarbeit erstellt hat. Der Forschungspreis ist dem Preisträger im Rahmen der Eröffnungsfeier des Deutschen Anästhesiekongresses in Nürnberg, am 20. April 2013, verliehen worden.

Etwa fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden unter Hämorrhoiden und anderen Erkrankungen im Bereich des Enddarms. Einige dieser Erkrankungen bedürfen der chirurgischen Behandlung und damit einer Betäubung. Allein an der UMM werden in enger Kooperation mit dem End- und Dickdarmzentrum Mannheim pro Jahr fast 3.000 solcher chirurgischen Eingriffe durchgeführt, die meisten ambulant.

Die Wahl der anästhesiologischen Versorgung bei einem solchen Eingriff hängt von verschiedenen Faktoren ab: Anfälligkeit für Komplikationen, „Praktikabilität“ (Lokalanästhesie versus Vollnarkose) sowie die Akzeptanz beim Patienten. Welche Form der Narkose sich für einen bestimmten Eingriff am besten eignet, lässt sich anhand verschiedener Parameter, wie Schmerzmittelverbrauch und Erholungszeiten nach der Operation, ermitteln. Nach diesen Kriterien sowie bezüglich der Patientenzufriedenheit ist die Spinalanästhesie „in Sattelblocktechnik“, bei der kleinste Mengen sogenannter hyperbarer Lokalanästhetika verwendet werden, der Vollnarkose überlegen. Bei der Spinalanästhesie werden einzelne Nervensegmente betäubt, indem ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in den Wirbelkörperkanal injiziert wird.

Im Jahr 2010 ist ein neues Lokalanästhetikum (Prilocain 2% hyperbar) zugelassen worden, das ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil aufweist und für den Einsatz bei Eingriffen am Enddarm besonders geeignet scheint. Doch was ist die optimale Dosierung von Prilocain 2% hyperbar bei diesen proktologischen Eingriffen? Dies ermittelte Volker Gebhardt im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der UMM (Direktor: Prof. Dr. Manfred Thiel). Dazu teilte er insgesamt 120 Patienten nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen ein, denen das Medikament in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht wurde (randomisierte prospektive Studie) und untersuchte folgende Parameter: die Ausbreitung der örtlichen Betäubung hinsichtlich Sensorik und Motorik sowie die postoperativen Erholungszeiten und möglichen Nebenwirkungen.

Gebhardt konnte zeigen, dass das Medikament zwar in allen drei Dosierungen zur Operation ambulanter proktologischer Eingriffe geeignet ist, die höchste Empfehlung aber gilt für die niedrigste der drei untersuchten Konzentrationen.

Die Studie von Volker Gebhardt leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Patienten mit Erkrankungen des Enddarms. Denn mithilfe der gewonnen Daten können Patienten nun noch schonender operiert werden. Die ausgezeichnete Arbeit wurde von PD Dr. med. Marc Schmittner betreut, dessen Arbeitsgruppe sich seit Jahren damit beschäftigt, die Narkose bei solchen Eingriffen zu optimieren.

August-Bier-Preis der DGAI
Der August-Bier-Preis der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin geht auf den Landarzt und Chirurgen August Karl Gustav Bier (1861 bis 1949) zurück. In einem aufsehenerregenden Selbstversuch im Jahr 1898 führte er die erste Spinalanästhesie durch. Der Forschungspreis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird jährlich im Rahmen der Jahrestagung der DGAI verliehen. Volker Gebhardt teilt sich den Preis mit einer Arbeitsgruppe aus Münster.
Publikation
Die ausgezeichnete Arbeit wurde in der Februarausgabe 2013 der renommierten anästhesiologischen Fachzeitschrift „Acta Anaesthesiologica Scandinavica“ veröffentlicht:
Dosage finding for low-dose spinal anaesthesia using hyperbaric prilocaine in patients undergoing perianal outpatient surgery
Acta Anaesthesiologica Scandinavica 2013; 57: 249–256
V. Gebhardt, A. Herold, C. Weiss, A. Samakas and M. D. Schmittner
doi: 10.1111/aas.12031

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aas.12031/full

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Projekt: Bilder leistungsstark und energieeffizient verarbeiten
24.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht „Allen Unkenrufen zum Trotz“ Neues Projekt sorgt für Schutz der Gelbbauchunken in Bayern
24.01.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie