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Forschungspreis ermöglicht Eva Illouz enge Kooperation mit Institut für Sozialforschung

04.02.2013
Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat die international renommierte Kultursoziologin Eva Illouz mit dem Anneliese Maier-Forschungspreis ausgezeichnet wird.
Mit dem Preisgeld von 250.000 Euro kann sie über einen Zeitraum von fünf Jahren ihre Forschungskooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland finanzieren – und da steht das Institut für Sozialforschung in Frankfurt an erster Stelle.

Dr. Axel Honneth, Direktor des Instituts für Sozialforschung, ein An-Institut der Goethe-Universität, hatte Eva Illouz für diesen Preis nominiert: „Die Studien von Eva Illouz können als Meilenstein gewertet werden, wenn es darum geht, wie Emotionen und Beziehungsverhalten in der kapitalistischen Moderne geformt werden.“ Der Preis wird in diesem Jahr zum zweiten Mal an insgesamt sieben herausragende ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geistes- und Sozialwissenschaften vergeben. Dieser neue Kooperationspreis soll die Internationalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland fördern.

„Was empfinden Sie als romantische Augenblicke?“ fragte die Kultursoziologin Eva Illouz in einer Studie, und die Interviewten antworteten: Das Tägliche hinter sich lassen, um einzigartig zu zweit zu sein. Diese Einzigartigkeit beschrieben sie mit dem Konsum von Luxusartikeln oder der zeremoniellen Ausschmückung ihrer romantischen Erlebnisse. Als eine neue Kultur der Emotionen im Kapitalismus deutet Illouz die Ergebnisse dieser Untersuchung – 1997 veröffentlicht und 2003 auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Der Konsum der Romantik“. Diese Veröffentlichung machte die seit 2000 an der Hebrew University Forschende als Soziologin und Anthropologin weltbekannt. Im vergangenen Jahr erschien ihr vielbeachtetes, zunächst auf Deutsch erschienenes Buch „Warum Liebe weh tut“.

Honneth freut sich darauf, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut für Sozialforschung und an der Goethe-Universität nun ihre Kooperation mit der 52-jährigen Forscherin vertiefen können: z. B. „Die Frage, bis zu welchem Grad Gefühle und persönliche Beziehungen durch die Imperative der kapitalistischen Wirtschaft beeinflusst werden können, beflügelt schon seit einigen Jahren meine Diskussionen mit Eva Illouz“, so Honneth. Er sei auf die Fortsetzung des Disputs gespannt, da ihre Diagnosen inzwischen stärker voneinander abwichen: „Zu Anfang stimmten wir darin überein, dass gerade Liebe und Freundschaft eine Resistenzkraft gegenüber bloßen Erwägungen der Nützlichkeit haben, wenn der Druck der Vermarktlichung zunimmt.“ In dem neuesten Buch „Warum Liebe weh tut“ überwiegt nach Honneths Einschätzung ein pessimistischer Zug, den er so nicht teilen kann: „Illouz geht davon aus, dass gegenwärtige Liebesbeziehungen bis in die emotionalen Präferenzen hinein von Belangen der persönlichen Vermarktung und ökonomischen Anpassung durchdrungen sind.“ Dagegen ist Honneth der Auffassung, dass Prozesse der Ökonomisierung nicht so vollständig in die persönlichen Erfahrungen von Liebe und Freundschaft eindringen, sie vielmehr weiterhin ein Resistenzpotenzial bilden. Diesen abweichenden Meinungen wollen die beiden Sozialwissenschaftler weiter nachgehen.

In den kommenden Jahren will die Kultursoziologin in Kooperation mit Wissenschaftlern des Instituts für Sozialforschung in einer empirischen Studie verfolgen, welchen Einfluss der Gebrauch des Internets auf die Formung der Persönlichkeit und der Identität hat. Dabei kann das Institut bereits auf Ergebnisse einer Untersuchung zurückgreifen, in der sich Forscher damit beschäftigt haben, wie die wachsende Nutzung des Online Dating die Anbahnung von Liebesbeziehungen verändert. Illouz gilt nicht nur als ausgewiesene Expertin in den Methoden der empirischen Sozialforschung – von der Auswertung statistischer Daten und Fragebögen bis hin zu Einzelinterviews, Bildinterpretationen und Filmanalysen; für Honneth ist auch immer wieder beeindruckend, wie sie die Lücken in der Deutung ihres empirischen Materials schließt: „Geradezu spielerisch verfügt Eva Illouz über die ganze Breite der soziologischen Theoriebildung.“ Und was will die Wissenschaftlerin mit diesem Ansatz erreichen? Das lässt sich – so Honneth – am besten mit Michel Foucaults Perspektive erklären: „Der Zustand unserer sozialen Lebenswelt soll uns im Brennglas all der ihr potentiell innewohnenden Gefahren gezeigt werden, so dass wir noch früh genug Anstrengungen zur Besserung unternehmen können.“

Zur Person: Eva Illouz wurde 1961 als Tochter eines jüdischen Juweliers in Fes (Marokko) geboren. Als sie zehn war, zog die Familie nach Frankreich, sie ging in Sarcelles zur Schule, studierte anschließend Literatur, Soziologie und Kommunikation in Paris, Jerusalem und in Pennsylvania. Nach ihrer Promotion in den USA war Illouz u.a. an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris und an der Princeton University, New Jersey, tätig. Seit 2006 lehrt und forscht sie als Professorin an der Hebrew University in Jerusalem. Auch am Wissenschaftskolleg in Berlin verbrachte sie ein Forschungsjahr; 2004 hielt sie am Institut für Sozialforschung die Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2009 wurde die weltläufige Kultursoziologin von der Wochenzeitung „Die Zeit“ in eine Reihe von 12 internationalen Intellektuellen gewählt, deren Argumente man hören sollte, weil sie möglicherweise neue Wege für die Zukunft öffnen. Ihr Mann ist Professor für Ökonomie ebenfalls an der Jerusalemer Universität. Eva Illouz hat drei Söhne.

Der Anneliese Mayer-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Er ist nach der deutschen Philosophin und Wissenschaftshistorikerin Anneliese Maier (geb. 1905 in Tübingen, gest. 1971 in Rom) benannt. Ihre internationale Biographie war ungewöhnlich für die Zeit und ihre wissenschaftlichen Traditionen. Maier erforschte die Entstehung des neuzeitlichen wissenschaftlichen Denkens vom 14. bis zum 18. Jahrhundert besonders in den Naturwissenschaften. Die Preisverleihung wird im Herbst 2013 stattfinden. Die vier Preisträgerinnen und drei Preisträger wurden unter insgesamt 54 Nominierten aus 26 Ländern ausgewählt. Die meisten Nominierten kamen aus den USA (12), Großbritannien (8), Israel (4) sowie Australien und Italien (jeweils 3).

Informationen: Prof. Dr Axel Honneth, Institut für Sozialforschung, Tel.(069) 798-32632

Foto von Eva Illouz unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/44895485/029

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.muk.uni-frankfurt.de/44895485/029

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