Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung überwindet Grenzen

21.06.2013
DFG bewilligt 1 Million Euro für die zweite Phase des deutsch-israelisch-palästinensischen Forschungsprojekts TRION

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat 1 Million Euro für die zweite Phase des am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordinierten deutsch-israelisch-palästinensischen Forschungsprojekts TRION bewilligt.

Es untersucht mit innovativen Methoden den Weg der Spurenmetalle von der chemischen Verwitterung der Gesteine an Land bis zu ihrem Einbau in die Kalkskelette von Korallen im Roten Meer. Gleichzeitig etabliert es ein Forschungsnetzwerk, das in einer Krisenregion politische Konfliktlinien durch gemeinsame wissenschaftliche Aktivitäten überwinden soll.

Israel im Februar 2013: Ausgerüstet mit Hämmern, Hacken, Lupen, Maßbändern und Vermessungsgeräten bewegt sich eine Gruppe von acht Frauen und Männern nahe Jerusalem durchs Gelände und nimmt Bodenproben. Auf den ersten Blick wirken sie wie eine typische Exkursion von Geologen oder Bodenkundlern. Und doch ist die Zusammensetzung der Gruppe äußerst ungewöhnlich. Denn vier der Männer sind Wissenschaftler aus Palästina. Sie kommen von der AlQuds-Universität, der einzigen Universität der palästinensischen Autonomiegebiete. Dass diese Forscher eine Arbeitsgenehmigung für das israelische Kernland erhalten haben, ist eine absolute Ausnahme, die nur dank des deutsch-israelisch-palästinensischen Forschungsprojekts TRION möglich wurde. Seit 2010 arbeiten darin Forscher der Hebrew University of Jerusalem, des Geological Survey of Israel, der AlQuds-Universität sowie der Universität Graz, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an komplexen biogeochemischen Fragestellungen zum regionalen Spurenstoffkreislauf rund um das Rote Meer. Die gemeinsame Suche nach Fakten und der wissenschaftliche Diskurs darüber machen Menschen miteinander vertraut, die sonst durch politische und ideologische Grenzen voneinander getrennt wären. „Dies ist eine kleine, aber nicht zu übersehende vertrauensbildende Maßnahme, die die Wissenschaft für den Friedensprozeß im Nahen Osten leisten kann“, sagt Projektkoordinator Professor Anton Eisenhauer vom GEOMAR. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt für eine zweite Projektphase bis 2015 eine Million Euro bewilligt, um diesen erfolgreich angelaufenen Prozess weiter zu fördern. „Wir freuen uns sehr über die Bewilligung“, sagt Professor Eisenhauer, „denn so können wir die guten Ansätze aus der ersten Projektphase weiter verfolgen und ausbauen. Das gilt sowohl für die wissenschaftlichen Ergebnisse als auch für die ersten Schritte einer Kooperation zwischen israelischen und palästinensischen Forschern aus den Autonomiegebieten.“

Wissenschaftliches Ziel des Projekts ist es, den Weg von Spurenmetallen von der chemischen Verwitterung der Gesteine an Land bis zu ihrem Einbau in die Kalkskelette von Korallen im Roten Meer zu verfolgen. „Korallen benötigen Spurenmetalle zum Aufbau des filigranen Korallenskelettes. Um die Metalle, oder zunächst Metallionen, in den richtigen Mengen und zum richtigen Zeitpunkt aufzunehmen, haben die Korallen eine komplexe Physiologie entwickelt. Wenn wir die Isotopensignale entschlüsseln, können wir verstehen, wie Korallen zum Beispiel mit der Ozeanversauerung umgehen“, erklärt Professor Eisenhauer. Um dieses Ziel zu erreichen, untersuchen die beteiligten Wissenschaftler einerseits den Verwitterungsprozess der Gesteine an Land, andererseits analysieren sie mit modernsten Methoden Proben von Korallen aus dem Roten Meer.

Dabei konnten die Kieler Spezialisten für Isotopen-Analytik zusammen mit den israelischen und palästinensischen Kollegen bereits ein ganz neues Verfahren zur Isotopenmessung entwickeln, das im Rahmen von TRION erstmals an Korallen des Roten Meeres angewendet wurde. „Es ermöglicht sogar die Metallflüsse über die Zellstruktur hinweg bis zum Ort der Kalzifikation auf zellularem Level zu verfolgen“, betont Eisenhauer. Gleichzeitig konnte die Abteilung für Erd- und Umweltstudien der AlQuds Universität mit einem modernen, aus Geldern des TRION-Projekts finanzierten Massenspektrometer ausgestattet werden. „Auf diese Weise haben jetzt alle drei Arbeitsgruppen in Kiel, in Jerusalem und in den Palästinensischen Autonomiegebieten den gleichen technischen Standard, so dass alle auf gleicher Augenhöhe am gemeinsame Projekt arbeiten können“, sagt Professor Eisenhauer. Einige palästinensische Studenten wurde sogar an der Hebrew University of Jerusalem in der Anwendung des Massenspektrometers geschult. „Auch das war ein absolutes Novum und nur mit einer Sondergenehmigung möglich“, berichtet der Kieler Geochemiker.

Nach der Finanzierungs-Bewilligung für die zweite Phase können weitere geplante Aktivitäten jetzt in die Tat umgesetzt werden. „Wissenschaftlich gibt es noch viele Fragen zu klären. In den kommenden Jahren wollen wir vor allem gemeinsame Laborstudien und Feldkampagnen durchführen und die gewonnen Daten vergleichen, so dass wir den Transport der Spurenmetalle und den Kalzifikationsprozess der Korallen noch besser verstehen lernen“, sagt Eisenhauer, „gleichzeitig bleibt der fachliche und persönliche Austausch zwischen deutschen, israelischen und palästinensischen Wissenschaftler, Doktoranden und Studenten natürlich ein wichtiger Bestandteil des Projekts“.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de
http://www.geomar.de/go/trion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie