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Felix Burda Award für Berliner und Schweizer Krebsforscher

07.04.2014

Der Felix Burda Award für die „beste Präventionsidee“ gegen Darmkrebs geht in diesem Jahr an Prof. Ulrike Stein vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin auf dem Campus Berlin-Buch, Prof. Ulrich Rohr von der Firma Hoffmann-La Roche und Prof. Peter M. Schlag vom Comprehensive Cancer Center (CCCC) der Charité.

Der mit 5000 Euro dotierte Preis (gestiftet von der AOK Rheinland/Hamburg) wurde ihnen auf einer Gala der Felix Burda Stiftung (München) im Hotel Adlon am 6. April 2014 in Berlin von Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller vfa, überreicht.

Darmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Krebserkrankungen in den westlichen Ländern. Allein in Deutschland gibt es jährlich rund 73 000 Darmkrebspatienten. Trotz Operation, Chemo- und Strahlentherapie wird nur etwa die Hälfte der Betroffenen geheilt. Der Grund – bei etwa 25 – 30 Prozent der Darmkrebspatienten werden bereits bei der Diagnose Metastasen festgestellt und bei etwa einem Drittel treten trotz erfolgreicher Ersttherapie Metastasen auf. Von den Betroffenen überleben nur etwa zehn Prozent die Diagnose um fünf Jahre. Von den Patienten mit Darmkrebs ohne Metastasen überleben hingegen 90 Prozent.

2009 Gen entdeckt, das die Metastasierung fördert
Prof. Stein, Prof. Schlag und Prof. Walter Birchmeier (MDC) hatten 2009 in Gewebeproben von Darmkrebspatienten auf Chromosom 7 ein Gen entdeckt, das nicht nur das Krebswachstum sondern auch die Metastasenbildung fördert. Sie nannten das Gen kurz MACC1. (Die englische Abkürzung steht für „mit Metastasen verbundener Dickdarmkrebs 1“).

Höhere Lebenserwartung bei niedrigem Biomarker
Die Krebsforscherin und ihre Kollegen konnten zeigen, dass Patienten mit Dickdarmkrebs eine günstigere Lebenserwartung haben, wenn die Aktivität dieses Gens niedrig ist, als Dickdarmkrebspatienten mit hohen MACC1-Werten. So betrug die 5-Jahres-Überlebenszeit 80 Prozent für Patienten mit niedrigem MACC1-Wert, jedoch nur 15 Prozent bei Patienten mit hohen MACC1-Werten.

In einer ersten Analyse einer klinischen Kohortenstudie wurde das Potenzial des Biomarkers MACC1 für die Risikoeinschätzung und die mögliche Bedeutung einer chemotherapeutischen Behandlung von Patienten mit kolorektalem Karzinom im Stadium II untersucht. „Wir haben die Hoffnung, das die Patienten im frühen Stadium aber mit erhöhtem Risiko eines Rückfalls, die gegenwärtig keine Chemotherapie erhalten würden, diese bekommen, um ihre Heilungschancen zu steigern“, erläutert Prof. Stein die Bedeutung dieses Tests, den sie gemeinsam mit Prof. Rohr in einer dreijährigen klinischen Studie erprobt hat. Die Studie wurde 2013 abgeschlossen.

Bluttest entwickelt
Inzwischen hat die Krebsforscherin zusammen mit Prof. Schlag einen Bluttest entwickelt, der auf dem MACC1-Gen basiert. Mit diesem Bluttest ist es bereits in einem sehr frühen Stadium einer Darmkrebserkrankung möglich, die Patienten zu erkennen, die ein hohes Risiko haben, lebensbedrohliche Metastasen zu bekommen. Mittlerweile ist der Test zum Nachweis von MACC1 in Tumoren in den USA, Australien, Japan, Kanada und Europa patentiert.

Biomarker zeigt auch bei anderen Krebsarten Metastasierungsrisiko an
Weiter hat sich gezeigt, dass das MACC1-Gen nicht nur für die Metastasenbildung bei Darmkrebs ein wichtiger Biomarker ist. Prof. Stein und andere Forscher aus verschiedenen Ländern konnten nachweisen, dass zwischen einer erhöhten MACC1-Expression und einer kürzeren Überlebenszeit ein Zusammenhang auch bei Patienten mit Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs, Lungenkrebs, Eierstockkrebs, Brustkrebs, Nasen-Rachen-Krebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Blasenkrebs, Gallenblasenkrebs, Glioblastom und Knochenkrebs besteht.

Weitere Projekte
In präklinischen Studien testen Prof. Stein und ihre Kollegen jetzt unter anderem neue Substanzen, die die Aktivität des MACC1-Gens hemmen. Außerdem planen sie weitere klinische Studien. In ihnen soll untersucht werden, inwieweit der Erfolg einer Chemotherapie bei Darmkrebs-Patienten aufgrund der MACC1-Expression vorhergesagt werden kann. Die Erkenntnisse wollen sie dann auch in klinischen Studien zu weiteren Tumoren des Magen-Darm-Trakts prüfen.

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Weitere Informationen:

http://www.felix-burda-stiftung.de

Barbara Bachtler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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