Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fehler im Immunsystem

23.12.2008
50.000 Euro für Forschungsarbeiten zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen / Ärzte der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg ausgezeichnet

Über ein stattliches Preisgeld von 50.000 Euro können sich Professor Dr. Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, und sein Mitarbeiter Ram Kumar Chowdary Venigalla freuen.

Die Mediziner der Abteilung Innere Medizin V gehören zu den vier Teams, die auf dem 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie mit dem Wyeth Forschungspreis Rheumatologie 2008 ausgezeichnet wurden. Der Arzneimittelhersteller Wyeth aus Münster unterstützt vielversprechende Forschungsprojekte, die sich mit molekularen Ursachen und klinischen Fragestellungen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen befassen.

Professor Hanns-Martin Lorenz und Ram Kumar Chowdary Venigalla wollen mit ihrem Forschungsvorhaben aufklären, an welchen Stellen das fein abgestimmte Abwehrsystem bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen aus den Fugen geraten ist. Ihr Ziel ist es, auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse neue Ansätze für die Therapie dieser Erkrankungen zu entwickeln.

Systemischer Lupus erythematodes: vor allem junge Frauen betroffen

Wenn das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Bestandteile attackiert, können Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ I, Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis entstehen. Auch der Systemische Lupus erythematodes (SLE) gehört zu dieser Gruppe. Neben Fieber, Abgeschlagenheit und Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht gehören Entzündungen der Gelenke, von Herz, Lungen, Nieren und Gehirn zu den Symptomen. Wenngleich sich die Krankheit mittlerweile gut behandeln lässt, kann es bei schweren Verlaufsformen schließlich zu Multi-Organversagen kommen. In Deutschland leiden Schätzungen zufolge etwa 40.000 Menschen, vor allem junge Frauen im gebärfähigen Alter, an Systemischem Lupus erythematodes.

Im Mittelpunkt des geplanten Heidelberger Forschungsprojektes stehen regulatorische T-Zellen (TReg). Diese Zellen des körpereigenen Abwehrsystems steuern unter normalen physiologischen Bedingungen die Immunreaktion gegen Fremdkörper wie Viren und Bakterien. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass ein Angriff auf körpereigene Strukturen verhindert wird. Genau dieser Toleranzmechanismus ist es aber, der bei einigen Autoimmunerkrankungen versagt; denn TReg gelingt es nicht, den Angriff von anderen T-Zellen (sog. "Responder T-Cells", TResp) gegen die vermeintlichen Feinde unter Kontrolle zu bringen.

Die Ursache liegt offenbar in einer Kommunikationsstörung zwischen den beiden T-Zell-Typen: Die TResp reagieren nicht mehr auf das Signal der TReg, wie Lorenz und Chowdary Venigalla bereits in früheren Untersuchungen an Zellen von Patienten mit SLE nachgewiesen haben. In ihrem künftigen Projekt wollen sie prüfen, ob diese Störung zwischen den beiden T-Zell-Typen spezifisch für SLE ist oder generell bei Autoimmunerkrankungen auftritt. Erkenntnisse von Fachkollegen deuten außerdem darauf hin, dass Entzündungsbotenstoffe (z. B. der Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) sowie Zytokine aus der Interleukin-Familie) beim Zusammenspiel von TReg und TResp eine entscheidende Rolle spielen. Die Heidelberger Mediziner wollen nun mit Hilfe von molekularbiologischen und immunologischen Methoden die relevanten Botenstoffe identifizieren und anschließend herausfinden, auf welche Weise sie auf die beiden T-Zell-Typen einwirken.

Ansprechpartner für Journalisten:
Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz
Leiter der Sektion Rheumatologie an der Medizinischen Klinik V
Tel.: 06221 - 56 8044 / 56 8008
Fax: 06221 - 56 6824
E-Mail: hannes.lorenz@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg:
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 860.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie