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Fachrichtung „Übersetzen und Dolmetschen“ räumt bei Forschungsförderung ab

26.10.2010
Geldsegen für die Fachrichtung 4.6 „Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen“: Gleich vier Forschungsprojekte der Fachrichtung werden in den nächsten Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung gefördert.

Entsprechende Bewilligungsbescheide erhielten in den letzten Monaten ein Projekt zur vergleichenden Textgestaltung im Englischen und Deutschen, ein Projekt zur Entstehung spezialisierter wissenschaftlicher Diskurse im Englischen, ein Projekt zur Erstellung einer Übersetzungsbibliographie Latein-Deutsch sowie ein E-Learning-Projekt für die Sprach- und Übersetzungsausbildung in Polen und Deutschland. Für die vier Projekte erhalten die beteiligten Wissenschaftler der Fachrichtung 4.6 insgesamt rund 800.000 Euro.

Innovativ und forschungsstark präsentiert sich die Fachrichtung 4.6 „Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen“ an der Universität des Saarlandes. In den letzten Monaten konnten die Saarbrücker Übersetzer und Dolmetscher insgesamt etwa 800.000 Euro an Fördergeldern einwerben. „Dass gleich vier Projekte aus einer Fachrichtung fast gleichzeitig Zusagen erhielten, ist etwas ganz Besonderes“, sagt Professor Alberto Gil, der Geschäftsführer der Fachrichtung 4.6. „Ich glaube, so etwas hat es an der Uni, wenn überhaupt, nur ganz selten gegeben“, betont der Professor für Romanische Übersetzungswissenschaft. Mit den Geldern finanzieren die beteiligten Wissenschaftler zusätzliche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte.

Von den vier Forschungsprojekten werden drei von der renommierten deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Insgesamt 250.000 Euro der DFG gehen an Erich Steiner, Kerstin Kunz und Karin Maksymski (Übersetzungswissenschaft Englisch) für das Projekt „Kohäsion im Deutschen und Englischen“. Dabei vergleichen die Wissenschaftler in den kommenden zwei Jahren, wie Texte in beiden Sprachen gestaltet sind, damit sie verständlich werden. Konkret beschäftigen sie sich dabei unter anderem mit Aspekten wie Pronomina, Ellipsen, logischen Beziehungen und Wortfeldern. „Was macht einen Text verständlich? Diese Frage ist von ausschlaggebender Wichtigkeit für Sprachkontakt und Sprachwandel zwischen dem Englischen und dem Deutschen. Im Rahmen des DFG-Projektes können wir dies nun unter anderem mit Hilfe der Computerlinguistik genauer erforschen“, erklärt Professor Steiner. Von dem Projekt erhofft er sich Erkenntnisse sowohl für die menschliche interkulturelle und mehrsprachige Kommunikation, als auch für Bereiche der digitalen Verarbeitung.

Um wissenschaftliche Diskurse und Sprachgebrauch über die Grenzen der Fächer hinaus geht es bei dem Forschungsprojekt von Elke Teich. Gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe erforscht die Professorin für Englische Sprach- und Übersetzungswissenschaft ab dem kommenden Jahr, was auf sprachlicher Ebene geschieht, wenn sich zwei wissenschaftliche Fachgebiete annähern und neue Fachgebiete oder Fächer entstehen wie beispielsweise die Computerlinguistik oder die Bioinformatik. Die Wissenschaftler erweitern eine bereits bestehende Sammlung englischer wissenschaftlicher Texte, um die Wissenschaftssprache in den 1960er Jahren mit der heutigen zu vergleichen. Dabei soll ein Modell entstehen, das zeigt, wie sich der Sprachgebrauch in der geschriebenen Sprache der Disziplinen verändert hat. Für dieses Forschungsvorhaben erhalten Professorin Teich und ihre Mitarbeiter für die kommenden drei Jahre insgesamt 250.000 Euro von der DFG.

Die lateinische Sprache wird immer wieder als „tot“ bezeichnet, dabei war sie vom 14. bis ins 18. Jahrhundert eine sehr wichtige Sprache vor allem im Hinblick auf Sachtexte. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Deutschland mehr lateinische Bücher als deutsche quer über alle Wissensgebiete, wie etwa Anleitungen für Handwerker, Kräuterbücher oder medizinische Schriften. In einer Übersetzungsbibliographie Latein-Deutsch wollen deshalb die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaften von Professor Gil lateinische Sachtexte und ihre jeweiligen Übersetzungen sammeln und erfassen. Sie erstellen eine Datenbank, in der die Werke Themengebieten zugeordnet werden. Zudem wird vermerkt, in welchen Bibliotheken die Texte und ihre jeweiligen Übersetzungen vorliegen. „Wir stellen die Datenbank im Internet zur Verfügung, so dass Wissenschaftler sie jederzeit nutzen können“, erklärt Dr. Vahram Atayan. „Anhand der Texte können Forscher dann beispielsweise untersuchen, wie sich Speisen und deren Bezeichnungen durch die Übersetzung von Kochrezepten verbreitet haben“, sagt Anne Weber. Das Projekt startet offiziell im kommenden Jahr, der Zugang zur Datenbank ist auch während der zweijährigen Projektzeit möglich. Insgesamt unterstützt die DFG das Vorhaben mit einem Betrag von etwa 150.000 Euro.

Ein viertes Projekt der Fachrichtung „Übersetzen und Dolmetschen“ fördert die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung mit 150.000 Euro. Das Geld geht an Professor Johann Haller und Dr. Christoph Rösener vom Lehrstuhl Maschinelle Übersetzung. Die Wissenschaftler entwickeln gemeinsam mit den Universitäten Warschau und Posen sowie mit dem Institut der Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Informationsforschung in Saarbrücken eine spezielle E-Learning-Software, mit der Lerner auf Übersetzungsprobleme zwischen dem Deutschen und dem Polnischen hingewiesen werden. Die neuen Lehr-Lernmodule sollen in großem Umfang beim Erlernen der Sprache und beim Übersetzertraining eingesetzt werden. Das besondere dabei ist, dass die Nutzer vollständige Sätze frei eingeben können. Die Software generiert dann eine automatische Bewertung oder Rückmeldung zu den Sätzen. Das System wird vorher von den Dozenten mit Aufgaben gefüllt, sie können auch ohne Programmierkenntnisse Fehler- und Musterlösungen hinterlegen. Der Vorteil für die Studenten besteht darin, dass sie die E-Learning-Module unabhängig von Ort und Zeit bearbeiten können. An dem Projekt wird insgesamt zwei Jahre und drei Monate geforscht. Am Ende erhalten alle beteiligten Abteilungen der einzelnen Fakultäten die Software und die Trainingsmodule.

Kontakte:
Prof. Dr. Alberto Gil, Geschäftsführer der Fachrichtung 4.6
Tel. 0681/302-2505
E-Mail: a.gil@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Erich Steiner, Projekt „Kohäsion im Deutschen und Englischen“
Tel. 0681/302-4482
E-Mail: e.steiner@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Elke Teich, Projekt „Genese spezialisierter wissenschaftlicher Diskurse“
Tel. 0681/302-70071
E-Mail: e.teich@mx.uni-saarland.de
Anne Weber, Projekt „Übersetzungsbibliographie Latein-Deutsch“
Tel. 0681/302-2369
E-Mail: anne.weber@mx.uni-saarland.de
Dr. Christoph Rösener, Projekt „E-Learning-Module für die Sprach- und Übersetzungsausbildung in Polen und Deutschland“
Tel. 0681/302-3204
E-Mail: c.roesener@mx.uni-saarland.de

Irina Urig | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

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