Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Forschungsrat zeichnet exzellente Freiburger Universitätsforscher aus

04.11.2010
Europäischer Forschungsrat zeichnet exzellente Freiburger Universitätsforscher mit „ERC Grants" in Höhe von mehr als 5 Millionen Euro aus

Drei Forscher der Universität Freiburg, Wolfram Burgard, Wilfried Weber und Florian Mintert, erhalten eine der prestigeträchtigsten Förderungen Europas: Der Europäische Forschungsrat (ERC) zeichnet die Wissenschaftler mit „ERC Grants" in Höhe von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro aus. Mit der neu berufenen Professorin Katrin Wendland, Fakultät für Mathematik und Physik, wird eine weitere ERC-Grant-geförderte Wissenschaftlerin nach Freiburg kommen.

Das EU-Programm unterstützt führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Durchführung neuer Forschungsprojekte. Der Rektor der Universität Freiburg, Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer freut sich über diesen Erfolg: „Dass der Leibniz-Preisträger Burgard jetzt auch auf europäischer Ebene diese Auszeichnung gewinnt, zeigt das hohe Niveau unserer Forscherinnen und Forscher. Besonders freuen mich aber auch die Auszeichnungen für Prof. Weber und Dr. Mintert, da beide aus unseren neuen Einrichtungen der Exzellenzinitiative kommen.“

Die geförderten Wissenschaftler und ihre Projekte sind:

1. Prof. Dr. Wolfram Burgard, Institut für Informatik, Forschungslabor Autonome Intelligente Systeme der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, war bei der Einwerbung eines ERC Advanced Grant in Höhe von knapp 2.5 Millionen Euro beim ERC mit seinem Projekt: „Reliable Lifelong Navigation for Mobile Robots“ erfolgreich.

Wie kann man mobile Roboter bauen, die sich in komplexen Umgebungen und über lange Zeiträume hinweg autonom bewegen können? Dies ist eine der zentralen Fragestellungen des LifeNav-Projektes. In der Vergangenheit wurden autonom navigierende Roboter nur für relativ kurze Zeiträume oder mit umfangreichem Hintergrundwissen eingesetzt. Beispielsweise kannten die Fahrzeuge die GPS-Koordinaten der Wegpunkte entlang ihres Pfades oder sie besaßen eine vollständige Karte ihrer Umgebung. In LifeNav sollen anhand von zehn so genannten „Challenges“ verschiedene Fragestellungen untersucht werden, die einen Quantensprung für die Zuverlässigkeit autonomer Roboter bringen sollen.

Eine dieser Herausforderungen liegt beispielsweise in der verbesserten Wahrnehmung der dreidimensionalen Umgebung. In LifeNav sollen Objekte zuverlässig erkannt werden können, wodurch die Roboter in die Lage versetzt werden, ihre Umgebung besser zu verstehen und schneller auf Änderungen reagieren zu können. Darüber hinaus sollen sie lernen, wie Menschen navigieren. Das Ziel ist, dass Roboter automatisch Fußwege erkennen und benutzen, um effektiver zum Ziel zu gelangen. Ein weiterer Aspekt in LifeNav sind Adaptivität und Lernen. Heutige Roboter starten ihre Lernprozesse bei jeder Aufgabe wieder vollständig von vorne und sind nicht in der Lage, Wissen über lange Zeiträume hinweg zu akkumulieren und zur Verbesserung ihrer Performanz zu nutzen. Das LifeNav-Team wird aus Wolfram Burgard und zwei erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bestehen, die zusammen mit drei Doktorandinnen und Doktoranden Lösungen dieser Probleme erforschen. Das Team will innerhalb von fünf Jahren einen mobilen Roboter bauen, der autonom über Wanderwege auf den Schauinsland navigieren kann.

2. Der Biologe Prof. Dr. Wilfried Weber vom Centre for Biological Signalling Studies (BIOSS) erhält ein ERC Starting Grant. Damit stehen Prof. Weber rund 1,49 Millionen Euro für seine Forschungen auf dem Gebiet der Synthetischen Biologie zur Verfügung.

In der Arbeitsgruppe von Prof. Wilfried Weber wird eine neue Generation interaktiver Materialien entwickelt, die spezifisch auf verschiedenste Signale aus der Umwelt reagieren. Hierzu werden in einem interdisziplinären Ansatz Methoden aus der Synthetischen Biologie und den Materialwissenschaften vereint: Die Synthetische Biologie liefert eine Vielzahl Signal-Sensoren, die mit Methoden der makromolekularen Chemie zu interaktiven biohybriden Materialen verarbeitet werden. Diese Materialien weisen ein viel versprechendes Anwendungspotenzial auf, zum Beispiel als Sensorkomponenten in analytischen Systemen, als adaptive Matrix zur Regeneration von Geweben oder als intelligente Implantate zur Freisetzung von Medikamenten.

Die Arbeiten werden innerhalb des Exzellenzclusters für biologische Signalstudien (BIOSS) und des Freiburger Zentrums für interaktive Werkstoffe und bioinspirierte Technologien (FIT) durchgeführt und bilden somit eine Brücke zwischen diesen beiden Freiburger Forschungsschwerpunkten.

3. Der Physiker Dr. Florian Mintert, Junior Fellow der School of Soft Matter Research des FRIAS, erhält ein ERC Starting Grant. Mit circa 1,17 Millionen Euro unterstützt der ERC seine Arbeiten zur „Optimalen dynamischen Kontrolle quantenmechanischer Verschränkung“.

Quantenmechanische Objekte wie Atome oder Photonen können mehrere Eigenschaften gleichzeitig einnehmen, die sich für Objekte aus der „klassischen Welt“ gegenseitig ausschließen. So kann ein einzelnes Photon aus zwei Komponenten bestehen, die jeweils nach links beziehungsweise nach rechts fliegen. Zwei oder mehrere Photonen können wiederum in einem so genannten verschränkten Zustand aus zwei Komponenten bestehen, in denen jeweils alle Photonen nach links beziehungsweise nach rechts fliegen. Für jedes einzelne Photon ist die Flugrichtung also völlig unbestimmt, sobald aber für eines dieser Teilchen die Flugrichtung durch eine Messung bestimmt wird, folgen alle anderen dieser Richtung. Experimentell ist die Untersuchung dieser verschränkten Zustände sehr schwierig, da oft schon sehr kleine Störungen die Flugrichtung festlegen.
In dem durch den ERC geförderten Projekt „Optimale dynamische Kontrolle quantenmechanischer Verschränkung“ soll daher erforscht werden, wie sich möglichst robuste verschränkte Zustände herstellen lassen.

Während Ziel bisheriger Vorhaben ist, ein System in einen bestimmen verschränkten Zustand zu bringen, liegt der neuartige Ansatz dieses Projekts darin, quantenmechanische Vielteilchensysteme so zu manipulieren, dass ein so genanntes Verschränkungsmaß maximiert wird. Da dies durch eine Vielzahl verschiedener Zustände realisiert werden kann, bleibt dem System somit die Wahl, den robustesten aller Zustände mit den erwünschten Verschränkungseigenschaften einzunehmen.

Alleiniges Auswahlkriterium bei der Vergabe der "ERC Grants" ist die wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller, die in zwei Verfahrensstufen evaluiert wird. Von fast 2900 eingereichten Anträgen für Starting Grants in drei Fachbereichen (Life Sciences, Physical Sciences and Engineering sowie Social Sciences and Humanities) wurden in diesem Jahr insgesamt 427 Projekte durch den Europäischen Forschungsrat bewilligt. Nach Deutschland gingen 67 „Starting Grants".

Kontakt:

Prof. Dr. Wolfram Burgard
Technische Fakultät
Institut für Informatik
Tel: 0761/203-8026
burgard@informatik.uni-freiburg.de
Prof. Dr. Wilfried Weber
Centre for Biological Signalling Studies (BIOSS)
und
Institut für Biologie II
Tel. 0761 203 97654
wilfried.weber@bioss.uni-freiburg.de
Dr. Florian Mintert
FRIAS (School of Soft Matter Research)
und
Physikalisches Institut
Tel. 0761 203 5948
florian.mintert@physik.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht „Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges
26.06.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie