Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Forschungsrat fördert Leipziger Biologen mit 1.5 Millionen Euro

29.01.2016

Der Europäische Forschungsrat hat einen Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) mit einem ERC-Starting-Grant ausgezeichnet. Der Biologe Prof. Nico Eisenhauer erhält die mit 1,5 Millionen Euro dotierte Förderung, um in den kommenden fünf Jahren die Auswirkungen von europäischen Regenwürmern in Nordamerika untersuchen zu können, die dort als invasive Arten die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Er ist damit an der Universität Leipzig der erste junge Wissenschaftler der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, der mit dieser renommierten Förderung ausgezeichnet wird.

Biologische Invasionen durch gebietsfremde Arten gelten als eine der Hauptbedrohungen für die Artenvielfalt auf der Erde und können nicht nur ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen, sondern auch enorme wirtschaftliche Schäden verursachen. Eine dieser Invasionen spielt sich seit Jahrhunderten unter den Füßen der Bevölkerung der USA und Kanadas ab.


Der Biologe Prof. Nico Eisenhauer erhält die mit 1,5 Mio. EUR dotierte Förderung des ERC, um in den kommenden fünf Jahren die Auswirkungen von europäischen Regenwürmern in Nordamerika zu untersuchen.

Foto: Christian Hüller, Universität Leipzig

Abgesehen von wenigen Refugien an der Westküste und im äußersten Süden gab es durch die Vergletscherung seit der letzten Eiszeit über 10.000 Jahre keine einheimischen Regenwürmer in Nordamerika (Ausnahme: wenige glaziale Refugien an den Küsten). Die Europäischen Siedler brachten seit dem 17. Jahrhundert mit ihren Pflanzen auch die Regenwürmer aus der Alten in die Neue Welt.

„Regenwürmern wird allgemein eine positive Wirkung auf den Boden nachgesagt: Sie durchpflügen die Erde und unterstützen so die Durchlüftung, die Nährstoffbereitstellung und das Wachstum von Pflanzen“, erklärt Nico Eisenhauer. „Aber die Flora und Fauna der Wälder Nordamerikas ist an dicke organische Bodenschichten angepasst, die nun von den Regenwürmern weggefressen werden. Bisher wurden die Auswirkungen von exotischen Regenwurmarten auf Ökosysteme noch nie im Experiment richtig untersucht.“

Durch eine bisher einzigartige Kombination aus Beobachtungen, Experimenten im Freiland und im Labor sowie Metanalysen wird das neue Projekt ECOWORM die erste systematische Studie zu den Auswirkungen von Regenwürmern auf Pflanzengemeinschaften und die Nahrungsnetze im Boden sein. Außerdem will das Team in den kommenden Jahren die Auswirkungen des Klimawandels mit höheren Temperaturen und verringerten Sommerniederschlägen in einem einzigartigen Feldexperiment untersuchen, um die Ausbreitung und die Konsequenzen der Regenwurminvasion in Nordamerika vorhersagen zu können.

Nico Eisenhauer untersucht als Leiter der Forschungsgruppe Experimentelle Interaktionsökologie unter anderem, wie biologische Vielfalt entsteht, welchen Einfluss sie auf das Funktionieren von komplexen Lebensräumen hat und welche Schutzmaßnahmen sinnvoll und erforderlich sind.

Für seine Forschungstätigkeiten wurde der 35jährige Biologe bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis und dem Emmy-Noether-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 2014 ist Eisenhauer Professor an der Universität Leipzig und dem iDiv. Zuvor arbeitete er an den Universitäten in Jena, München, Minnesota, Göttingen und Darmstadt. Seine Spezialität sind Experimente, mit denen die Artenvielfalt und deren Einfluss auf Ökosystemfunktionen im Freiland oder im Labor untersucht werden.

Dazu zählt auch das Jena-Experiment, das Diversitätseffekte im Grasland untersucht. Inzwischen leitet Eisenhauer als Sprecher der Forschergruppe in Jena eines der längsten Biodiversitätsexperimente weltweit. In den letzten zehn Jahren hat er über 118 Publikationen in internationalen Journalen veröffentlicht, darunter zahlreiche in den führenden Journalen wie Nature, Science, Nature Communications, PNAS oder Ecology Letters.

Mit ERC Starting Grants fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) besonders aussichtsreiche Forschungstalente mit bis zu jeweils 1,5 Millionen Euro über maximal fünf Jahre, um sie in den Jahren nach der Promotion in Europa zu halten und ihre wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen. Das Stipendium wird unabhängig von Thema, Nationalität oder Geschlecht vergeben.

Einziges Kriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz. Mit dem Einwerben dieser Förderung hat sich Eisenhauer in einem der am stärksten umkämpften europäischen Antragsverfahren für Fördergelder durchgesetzt. Nur etwa 10 Prozent der insgesamt 2920 eingereichten Anträge wurden 2015 zur Förderung überhaupt ausgewählt.

Seit seiner Gründung hat der ERC insgesamt rund 5000 Spitzenforscherinnen und –forscher aus über 50.000 Anträge ausgewählt und damit über 20.000 Publikationen gefördert. Über vier verschiedene Förderschemen werden vom ERC pro Jahr insgesamt 1,7 Milliarden Euro vergeben, um die Dynamik, Kreativität und wissenschaftliche Exzellenz der Forschung in Europa an den Grenzen des Wissens zu stärken. Tilo Arnhold

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Nico Eisenhauer
Lehrstuhl für Experimentelle Interaktionsökologie der Universität Leipzig und Leiter der Forschungsgruppe Experimentellen Interaktionsökologie am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Tel.: +49-(0)341-973-167
https://www.idiv.de/de/das_zentrum/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/eshow/eis...
sowie
Carsten Heckmann/ Susann Huster, Pressestelle Universität Leipzig
Tel.: +49-341-97-35021, - 35022
http://www.zv.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion.html
und
Tilo Arnhold, Pressestelle iDiv
Tel.: +49-(0)341-9733-197
http://www.idiv.de/de/presse/mitarbeiterinnen.html

Links:
Experimentelle Interaktionsökologie am iDiv:
https://www.idiv.de/research/idiv_core_groups/experimental_interaction_ecology.h...
Heinz Maier-Leibnitz-Preisträger 2014
http://www.dfg.de/gefoerderte_projekte/wissenschaftliche_preise/leibnitz-preis/2...
"Die dunkle Seite der Biodiversität" - Prof. Dr. Nico Eisenhauer bei den Science Notes zu Biodiversität
https://www.youtube.com/watch?v=atnhZwTT4rM

ERC Starting Grants
https://erc.europa.eu/funding-and-grants/funding-schemes/starting-grants/german
https://erc.europa.eu/sites/default/files/document/file/erc_2015_stg_statistics....

iDiv ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig im Sinne des § 92 Abs. 1 SächsHSFG und wird zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena betrieben sowie in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ.
Beteiligte Kooperationspartner sind die folgenden außeruniversitären Forschungs-einrichtungen: das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI BGC), das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE), das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA), das Leibniz-Institut Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ), das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) und das Leibniz-Institut Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG). http://www.idiv.de/de.html

Weitere Informationen:

https://live.idiv.de/de/presse/pressemitteilungen/press_release_single_view/arti...

Tilo Arnhold | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie