Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Union fördert Projekt zur Verhinderung von Komplikationen bei Stammzelltransplantation

27.02.2015

Zwei Berliner Forscherteams unter der Leitung von Marie-Laure Yaspo, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, und Hans Lehrach, Alacris Theranostics GmbH, sind Partner im TREGeneration-Konsortium. Ihr Ziel ist die Entwicklung neuer Strategien zur Behandlung der chronischen Spender-gegen-Wirt-Erkrankung, einer schweren Komplikation, die bei der Transplantation von Stammzellen auftreten kann. In den nächsten fünf Jahren sollen hierzu fünf parallele klinische Studien durchgeführt werden. Die Europäische Union fördert das Projekt mit insgesamt sechs Millionen Euro.

Bei verschiedenen Bluterkrankungen, vor allem Leukämien, kann die Transplantation von Stammzellen lebensrettend sein. Bei 30-50% solcher Transplantationen kommt es jedoch zu Angriffen der Immunzellen des Spenders gegen das Gewebe des Empfängers. Betroffen sind vor allem die Haut, die Schleimhäute von Magen und Darm und die inneren Organe.

Mediziner sprechen von der „Spender-gegen-Wirt-Erkrankung“ (graft versus host disease, GVHD), die als schwere Komplikation nach einer Stammzelltransplantation auftreten kann. Im internationalen TREGeneration-Projekt im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Horizon 2020 soll ein neuer zelltherapeutischer Ansatz getestet werden, von dem sich die Wissenschaftler weniger Nebenwirkungen erhoffen, als dies bei den bisherigen pharmakologischen Vorgehensweisen der Fall ist.

Im Zentrum des Projekts stehen fünf klinische Studien, die parallel an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Staaten der EU durchgeführt werden. In jeder dieser Studien sollen die Patienten mit einer bestimmten Untergruppe der Blutzellen, den sogenannten regulatorischen T-Zellen, aus dem Blut ihrer jeweiligen Spender behandelt werden.

Die regulatorischen T-Zellen können die Gewebeschäden unterdrücken, die regelmässig bei Transplantationen von T-Zellen aus dem Knochenmark des Spenders hervorgerufen werden. Mithilfe der frühen klinischen Studien (Phase 1 und 2) soll zunächst die Dosis ermittelt werden, die für eine sichere Zelltherapie erforderlich ist. Darüber hinaus erhoffen sich die Wissenschaftler auch erste Daten zur Wirksamkeit der Therapie.

Die Aufgabe der Berliner Gruppen um Marie-Laure Yaspo vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik und Hans Lehrach bei Alacris Theranostics GmbH ist die Analyse des individuellen Immunstatus der Studienteilnehmer mithilfe einer von ihnen selbst entwickelten Technologie. Die T-Zell-Rezeptoren der Patienten- und Spender werden mittels Hochdurchsatz-Sequenzierung zu verschiedenen Zeitpunkten vor und nach der Behandlung auf ihren individuellen Immunstatus („deep immune status“) untersucht, dabei soll die Entwicklung individueller T-Zell-Klone und Untergruppen im Verlauf der Studien verfolgt werden. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse zu einem besseren Verständnis der immunsuppressiven Effekte bei der Behandlung mit regulatorischen T-Zellen beitragen werden.

Das TREGeneration-Konsortium unter Leitung von João Forjaz de Lacerda vom Institut für Molekulare Medizin in Lissabon, Portugal, vereinigt insgesamt 8 Partnergruppen aus fünf europäischen Staaten. Die klinischen Studien werden von Lacerda, Matthias Edinger an der Universitätsklinik Regensburg, Frédéric Baron vom Laboratorium für Zell- und Gentherapie in Liège, Belgien, und Mario Arpinati vom Universitätsklinikum S. Orsola-Malpighi in Bologna, Italien, durchgeführt. Für die statistische Analyse der präklinischen und klinischen Daten ist die Abteilung für Biostatistik der Universität Liverpool verantwortlich. Das Projektmanagement erfolgt durch das in München ansässige Unternehmen GABO:mi.

Hintergrundinformation

Das europäische Forschungsprogramm Horizon 2020

Die Europäische Union schreibt regelmäßig Forschungsprogramme aus, um den europäischen Forschungs- und Innovationsstandort zu stärken. Über diese Programme vergibt die Europäische Union Finanzmittel an grenzüberschreitende Forschungsprojekte. Das aktuelle Forschungsprogramm Horizon 2020 ist mit einem Budget von fast 80 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 7 Jahren (2014-2020) das größte europäische Forschungsprogramm aller Zeiten. Horizon 2020 hat zum Ziel, durch internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation den großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Bekämpfung von Krankheiten, der langfristigen Sicherung der Energieversorgung oder dem Klimawandel gemeinsam erfolgreich zu begegnen. Forscher aus der ganzen Welt sollen dabei unterstützt und gefördert werden, Lösungen zu gesellschaftlich relevanten Problemen zu erarbeiten.

Weitere Informationen:

http://www.molgen.mpg.de

Dr. Patricia Marquardt | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie