Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Forschungspreis für Jenaer Materialforscher Lothar Wondraczek

02.03.2016

Europäischer Forschungsrat unterstützt Glasforschung an der Universität Jena mit 2 Millionen Euro

Sie gehören zu den höchstdotierten Forschungsförderpreisen, die die EU vergibt: die sog. ERC-Grants. Mit einem solchen Preis, einem ERC Consolidator Grant, ist auch Prof. Dr. Lothar Wondraczek von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ausgezeichnet worden.


Prof. Dr. Lothar Wondraczek von der Universität Jena wurde mit einem ERC Consolidator Grant ausgezeichnet.

Foto: Anne Günther/FSU

Der Lehrstuhlinhaber für Glaschemie II erhält rd. zwei Millionen Euro, mit denen er in den nächsten fünf Jahren im Rahmen des Forschungsprojektes UTOPES hochfunktionale Glaswerkstoffe entwickeln will.

„Die Vergabe dieses Grants an Prof. Wondraczek belegt, dass die Friedrich-Schiller-Universität mit ihm einen exzellenten Wissenschaftler berufen hat, von dem in Zukunft noch Großes zu erwarten ist“, unterstreicht Jenas Uni-Präsident Prof. Dr. Walter Rosenthal die Bedeutung dieser raren Auszeichnung.

„Der Gewinn eines ERC-Grants ist sicher ein Ritterschlag für meine Arbeitsgruppe, vor allem aber auch einzigartiger Impulsgeber für die Verwirklichung einer ganzen Reihe von mittel- und langfristigen Forschungsideen auf dem Weg zu völlig neuen Arten nichtkristalliner Materialien“, freut sich Prof. Wondraczek.

Auf dem Weg zu neuen Materialzuständen

Gläser gehören zu den kulturhistorisch ältesten von Menschen verwendeten Werkstoffen. Materialchemische und prozesstechnische Entwicklungen an Gläsern haben immer wieder zu großen gesellschaftlichen Veränderungen geführt, betont Wondraczek und ergänzt: „Ohne Glas gäbe es keine optische Telekommunikation, keine großformatigen Displays oder Touch-Panels, keine effizienten Solarmodule oder auch einfach keine Fenster in Gebäuden oder Gefäße zur dauerhaften und geschützten Aufbewahrung von Nahrungsmitteln und Medikamenten.“

Gleichzeitig stellen Gläser die Wissenschaft noch immer vor große Probleme. Denn Glas existiert in einem Zustand des Ungleichgewichtes und der strukturellen Unordnung, dessen Dynamik und Eigenschaftsbildung in herkömmlichen Modellen nicht erfasst werden kann.

Dieses grundlegende Problem wird zunehmend zum limitierenden Faktor bei der Entwicklung der nächsten Generation hochfunktionaler Glaswerkstoffe wie sie beispielsweise in der optischen Datenverarbeitung, in ultradünnen Displays, Batterien und hybriden Solarmodulen oder in der optischen Energieübertragung benötigt würden.

Ziel des neuen Forschungsvorhabens „UTOPES“ (Unifying Concepts in the Topological Design of Non-Crystalline Materials) ist es, diese Grenze zu überwinden. „Dafür werden wir Prozesse entwickeln, mit deren Hilfe Materialzustände erreichbar sind, die heute nicht realisiert werden können. So hängen eine Reihe von Glaseigenschaften stark von den Prozessbedingungen ab, vor allem von der Zeit, in welcher eine Glasschmelze abgekühlt wird. Würde man ein Glas über Millionen von Jahren betrachten, so würden sich seine Eigenschaften ändern. Beispielsweise würde es optisch transparenter werden.

Es ist also klar, dass schon hier ein ganzes Feld möglicher Eigenschaftsvariationen derzeit nicht zugänglich ist, ganz einfach deshalb, weil wir nicht über die notwendige Zeit verfügen. Ziel ist es also, extrem langsame Reaktionen durch veränderte Prozesswege um ein Vielfaches zu beschleunigen“, beschreibt Wondraczek den Kerngedanken seiner Forschungsarbeiten und ergänzt:

„Mit wichtigen Anknüpfungspunkten in die optische Physik, aber auch in biomedizinische Anwendungsszenarien bietet der Standort Jena exzellente Bedingungen, heute – 80 Jahre nach Otto Schott – neuartige Glaswerkstoffe und Prozessstrategien zu entwickeln und schließlich auch in Anwendungen zu überführen“.

Der Materialwissenschaftler Prof. Dr.-Ing Lothar Wondraczek

Lothar Wondraczek ist der dritte Wissenschaftler der Universität Jena, der seit dem Start des europäischen Exzellenzprogrammes 2007 eine solche Auszeichnung des Europäischen Forschungsrates erhält. Der 37-jährige Glas-Experte ist seit 2012 Lehrstuhlinhaber am Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, nachdem er bereits ab 2008 als einer der jüngsten MINT-Professoren Deutschlands an der Universität Erlangen-Nürnberg lehrte. Zuvor war er in der französischen Forschungsabteilung eines amerikanischen Spezialglasherstellers tätig. Sein Forschungsfeld betrifft die Suche nach Ordnung in der Unordnung glasiger Materialien mit Anwendungspotenzial in den Bereichen Energie, Optik, Architektur und Gesundheit.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing Lothar Wondraczek
Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Universität Jena
Fraunhoferstr. 6
07743 Jena
Tel.: 03641 / 948500
E-Mail: lothar.wondraczek[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Verleihung GreenTec Awards 2018 – Kategorie »Energie« am 24. April 2018 auf der Hannover Messe
23.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht 31,5 Millionen Euro für Forschungsinstitute der Innovationsallianz Baden-Württemberg (InnBW)
20.04.2018 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics