Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Forscher bekämpfen grenzenlose Krankheiten

15.09.2009
Weltweit gibt es nationale Programme für die Verfolgung, Behandlung und Erforschung verbreiteter Krankheiten. Doch trotz ihrer Erfolge werden manche Programme in mehreren Ländern doppelt durchgeführt, wogegen andere Länder keinen Zugang zu Informationen haben.

Zur Lösung dieses Problems setzten Forscher in Europa elektronische Infrastrukturen ein, mit denen sie verschiedene Werkzeuge, Datenbanken, Rechnernetze und Webportale koordinierten und kombinierten. Die Ergebnisse gehören zum Projekt ITHANET ("eInfrastructure for thalassaemia research network"'), das unter dem Sechsten Rahmenprogramm der EU (RP6) gefördert wird. Die finanzielle Förderung des Projekts belief sich auf 1,2 Mio. EUR.

Im Rahmen ihres Forschungsprojekts befassten sich die ITHANET-Partner mit einer speziellen erblichen Form von Blutarmut, der Thalassämie. Diese Erbkrankheit ist vor allem unter Mittelmeerbewohnern verbreitet.

Um an Thalassämie zu erkranken, müssen zwei defekte Gene von den Eltern auf das Kind übertragen werden. Bei einem Träger der Krankheit liegt nur ein krankes Gen vor.

"Sind die Eltern jeweils Träger der Krankheit, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 4, dass das Kind erkranken wird. Je nach dem Typ des defekten Gens unterscheidet man auch verschiedene Schweregrade", sagte Carsten Lederer, Postdoc-Forscher am Cyprus Institute of Neurology and Genetics, und Mitglied bei ITHANET.

"Hämoglobinerkrankungen sind verbreitet, können tödlich verlaufen und sind eine globale Herausforderung für das Gesundheitswesen", erklärte Dr. Lederer. "Angesichts der globalen Bevölkerungswanderungen, der Vermischung der Träger, der anspruchsvollen flexiblen Planung und Patientenpflege, können Erkrankungen der roten Blutkörperchen als ein Paradigma für den Einsatz elektronischer Infrastrukturwerkzeuge bei der Datenerhebung, der Wissensverbreitung, der Harmonisierung der Behandlung und der Koordinierung der Forschung dienen."

Blutarmut sei zwar das typischste Symptom der Thalassämie, doch könnten auch sekundäre Komplikationen zum lebensbedrohlichen Risikofaktor für Patienten werden. Das ITHANET-Team verdeutlichte: Sollte eine Thalassämie unbehandelt bleiben, könne der Betroffene innerhalb seines ersten Lebensjahrzehnts sterben. Doch trotz der Behandlung müssten sich Thalassämiepatienten vielen Bluttransfusionen unterziehen und ihre Aktivitäten einschränken.

Das ITHANET-Konsortium stützt sich auf das Wissen von Experten aus 26 Organisationen in 16 Ländern. Darunter befinden sich Ägypten, Griechenland, Israel, Italien, Malta, Spanien und Tunesien. Die Zusammenarbeit dieser Experten erwies sich als besonders günstig, weil jeder eigenes wertvolles Wissen und eigene Erfahrungen einbrachte.

"Das Problem ist allerdings, dass vielen dieser Experten Computertechnologie noch sehr fremd ist. Manche Forscher hatten keine eigene E-Mail-Adresse", bemerkte Dr. Lederer. "Bei anderen sind elektronische Infrastrukturen schlecht oder gar nicht vorhanden und die meisten Patientenakten werden noch auf Papier geführt. "Es besteht durchaus die Chance, dass ein Experte in einem Land, in dem diese Krankheit verbreitet ist, mit einer bestimmten Kombination von Defekten Erfahrungen gesammelt hat. Doch seine Aufzeichnungen befinden sich leider sehr wahrscheinlich in irgendeinem Notizbuch."

ITHANET will dieses verborgene Wissen ans Licht bringen, Forschern elektronische Infrastrukturen nahe bringen und die Entwicklung sowie die Nutzung der richtigen Werkzeuge und Technologien anregen.

Das Projekt bildete die Grundlage für eine künftige Zusammenarbeit im Bereich der erblichen Anämie. Den Forschern zufolge könnte ITHANET als ein Modell für die weltweite Koordinierung und Zusammenarbeit bei anderen Krankheiten dienen.

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://project.ithanet.eu/
http://www.ithanet.eu
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg
29.05.2017 | Universität Hamburg

nachricht Auszeichnung der ESA BIC Startup-Challenge während der INNOspace Masters Konferenz in Berlin
24.05.2017 | Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise