Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Förderung in Millionenhöhe: LMU-Mediziner koordiniert Projekt zum Nebennierenkrebs

05.05.2010
Nahezu jedes menschliche Gewebe kann bösartige Tumoren ausbilden, auch die Nebenniere. Zwei Krebsarten dieser Hormondrüse, das Nebennierenrindenkarzinom und das maligne Phäochromozytom, lösen häufig eine ungebremste Produktion von Nebennierenhormonen aus, die mit spezifischen Symptomen einhergehen.

„Meist wird die Erkrankung dennoch zu spät für eine vollständige operative Entfernung des Tumors diagnostiziert“, sagt der LMU-Mediziner Professor Felix Beuschlein. „Auch wenn dann noch alle anderen therpeutischen Maßnahmen ausgeschöpft werden, ist die Prognose für die Patienten in beiden Fällen leider immer noch schlecht.“

Unter der Leitung des Endokrinologen sollen die Tumorerkrankungen der Nebenniere nun in einer europaweiten Kooperation erforscht werden, die von der EU in den nächsten fünf Jahren mit sechs Millionen Euro gefördert wird. „Wir wollen zum einen die klinische Situation der Patienten durch mehrere Studien verbessern“, so Beuschlein. „Die hochqualifizierte Betreuung der Betroffenen soll zudem durch die Verknüpfung europäischer Zentren zu neuen Strukturen langfristig gesichert werden.“

Die Nebenniere ist eine Drüse, die oberhalb der Niere gelegen so wichtige Hormone wie das Adrenalin und das Cortisol produziert. Das Organ ist damit an der Regulation des Wasserhaushalts, des Blutdrucks und des Zuckerstoffwechsels beteiligt. Ist die Hormonbildung gestört, können schwere Erkrankungen auftreten. Manchmal aber beruht eine überschießende Produktion dieser Botenstoffe auf einem bösartigen Tumor der Nebenniere. Sowohl das Nebennierenrindenkarzinom als auch das Phäochromozytom des Nebennierenmarks können zu einer drastisch gesteigerten Hormonbildung führen, was oft so charakteristische Symptome wie plötzlichen Blutdruckanstieg, Blässe und Kopfschmerzen auslöst oder an der Entwicklung von Übergewicht, Muskelschwäche und Osteoporose beteiligt sein kann.

„Leider werden diese seltenen Krebsarten dennoch meist erst dann diagnostiziert, wenn sie schon ein Nachbarorgan befallen oder Metastasen ausgebildet haben“, berichtet der LMU-Endokrinologe Professor Felix Beuschlein. „Eine komplette operative Entfernung der Tumoren ist dann in der Regel nicht mehr möglich. Selbst wenn alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft werden, ist die Prognose in der Regel schlecht.“ Die Forschung strebt deshalb danach, die laborchemischen, histologischen und bildgebenden Verfahren der Diagnostik zu verbessern sowie eine Risikoabschätzung für einzelne Patienten durch geeignete Biomarker zu ermöglichen – und auch neue Therapieformen zu entwickeln.

„In einzelnen Ländern war dies bislang nicht möglich“, sagt Beuschlein. „Die beiden Krebsarten sind so selten, dass auf nationaler Ebene wegen zu geringer Patientenzahlen kaum aussagekräftige Studien durchgeführt werden können. Ein internationaler Ansatz schien deshalb geboten.“ So hat es sich das 2002 gegründete Europäische Netzwerk ENS@T („European Network for the Study of Adrenal Tumours“) zum Ziel gesetzt, Tumorerkrankungen der Nebenniere über Ländergrenzen hinweg zu erforschen – und bereits entscheidende Vorarbeiten geleistet. Ein von Beuschlein koordiniertes Projekt wird nun von der EU über fünf Jahre mit insgesamt sechs Millionen Euro gefördert werden. An den geplanten Einzelprojekten werden 15 Partner aus sechs europäischen Ländern beteiligt sein.

Der Aufbau einer gemeinsamen Datenbank soll dabei die europäischen Strukturen für klinische und translationale Forschung stärken. Auch dafür werden die Forscher je eine klinische Studie zum Nebennierenrindenkarzinum und zum malignen Phäochromozytom initiieren. Das dabei gesammelte Biomaterial, also etwa Blut- oder Urinproben, soll mit neuesten molekularen und genetischen Methoden untersucht werden, um Marker als Grundlage einer individualisierten Therapie definieren zu können. „Wir hoffen, auf diesem Weg die klinische Situation der Patienten entscheidend zu verbessern“, sagt Beuschlein. „Wir wollen die europäischen Zentren aber auch so verknüpfen, dass die hochqualifizierte Betreuung der Betroffenen langfristig gesichert ist.“ (suwe)

Ansprechpartner:
Prof. Felix Beuschlein
Schwerpunkt Endokrinologische Forschung
Medizinische Klinik Innenstadt der LMU
Tel.: 089 / 5160 - 2110 / - 2116
E-Mail: felix.beuschlein@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/
http://www.endocrine-research.mki.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert für weitere drei Jahre Forschungen zu Kieselalgen
22.03.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Effiziente Tools für bildgebende Studien
21.03.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen