Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Fördermittel in Millionenhöhe für zwei Basler Spitzenforscher

26.09.2013
Der Europäische Forschungsrat hat dem Kirchenhistoriker Martin Wallraff und dem Infektionsbiologen Christoph Dehio von der Universität Basel einen «ERC Advanced Grant» zugesprochen.

Die Förderpreise sind mit rund drei bzw. zwei Millionen Franken dotiert und ermöglichen den Wissenschaftlern, während fünf Jahren die Überlieferung biblischer Texte respektive die molekularen Mechanismen der bakteriellen Infektion zu erforschen. Mit Wallraff kann sich erstmals ein Vertreter der Basler Sozial- und Geisteswissenschaften über einen der begehrten Grants freuen.

Martin Wallraff, Professor für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Universität Basel, erhält einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten Grant für ein Projekt, das die Textgeschichte des Neuen Testaments aus einer diachronen Perspektive betrachtet. Die Bibel wurde während Jahrhunderten gelesen und kopiert; Tausende von mittelalterlichen Handschriften haben sich erhalten. Die Forschung hat sich bisher vor allem dafür interessiert, wie sie sich im Hinblick auf einen originalen Text («Urtext») verhalten. Wallraff möchte die Manuskripte nun als eigenständige Dokumente untersuchen, die von einer jeweils spezifischen Auseinandersetzung mit dem biblischen Text zeugen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Paratexte, beispielsweise kurze Einführungen, Biographien, Gedichte, Gebete und Verzeichnisse. Obwohl praktisch alle Handschriften solche Elemente aufweisen, wurden sie bislang nur wenig beachtet, da sich biblische Studien traditionell auf den «inspirierten» Text konzentrieren. Wallraff und sein Team werden rund 3000 griechische Manuskripte des Neuen Testaments, die aus der Zeit zwischen dem vierten und 15. Jahrhundert stammen, nach neusten technischen und methodischen Standards erfassen, bearbeiten und teilweise edieren. «Das Resultat wird ein umfassendes und völlig neues Bild der Wege zeichnen, welche der biblische Text durch die Jahrhunderte gegangen ist», so der Kirchenhistoriker.

Mit Martin Wallraff erhält an der Universität Basel erstmals ein Forscher einen der begehrten ERC Advanced Grants, der nicht den Naturwissenschaften zuzurechnen ist. «Das ist ein wichtiges Zeichen für die Sichtbarkeit der Sozial- und Geisteswissenschaften an der Universität Basel», kommentiert Rektor Prof. Antonio Loprieno.

Erforschung der molekularen Infektionsmechanismen bakterieller Krankheitserreger

Der Infektionsbiologe Christoph Dehio, Professor am Biozentrum der Universität Basel, untersucht auf molekularer Ebene, wie bakterielle Krankheitserreger chronische Infektionen auslösen. Im Rahmen des mit 1,7 Millionen Euro dotierten ERC-Projekts möchten Dehio und seine Forschungsgruppe die Wirkmechanismen bakterieller Fic-Proteine im Infektionsprozess genauer beleuchten und damit auch neue Ansätze zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten aufzeigen.

Fic-Proteine sind durch eine spezifische Enzymakivität gekennzeichnet, mit der sie unterschiedliche chemische Gruppen an ihre Zielproteine anhängen und so deren Struktur und Funktion gezielt verändern. Fic-Proteine kommen in einer Vielzahl von Organismen vor, vom einfachen Bakterium bis zum Menschen.

Von den 6800 bekannten Fic-Proteinen sind bislang nur wenige funktionell charakterisiert worden. In den kommenden fünf Jahren wird Dehio nun das breite Spektrum an Fic-Proteinen im Modell-Erreger Bartonella untersuchen; zum einen, um noch unbekannte Zielproteine und deren spezifische Modifikationen zu identifizieren, zum anderen um die Wirkungsweise auf molekularer Ebene sowie deren physiologischen Konsequenzen im Infektionsprozess aufzuklären. Die Erkenntnisse sollen neue Details über die Infektionsstrategie von bakteriellen Krankheitserregern ans Licht bringen, aber auch zur Entwicklung innovativer Therapieansätze beitragen.

Zwölf ERC Advanced Grants für die Universität Basel

Mit den Advanced Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Durchführung pionierhafter Forschungsvorhaben. Die diesjährigen Zusprachen eingerechnet, hat die Universität Basel bereits zwölf der begehrten Forschungspreise erhalten. Frühere Advanced Grants gingen an Ed Palmer vom Departement Biomedizin; Silvia Arber, Guy Cornelis und Urs Jenal vom Departement Biozentrum; Ed Constable und John P. Maier vom Departement Chemie; Christian Schönenberger und Friedrich-Karl Thielemann vom Departement Physik sowie Dieter Ebert und Christian Körner vom Departement Umweltwissenschaften.

Weitere Auskünfte

• Prof. Dr. Martin Wallraff, Theologische Fakultät der Universität Basel, Heuberg 33, 4051 Basel, Tel. +41 61 267 12 16, E-Mail: martin.wallraff@unibas.ch
• Prof. Dr. Christoph Dehio, Departement Biozentrum der Universität Basel, Klingelbergstrasse 50/70, 4056 Basel, Tel. 061 267 21 40, E-Mail: christoph.dehio@unibas.ch

• Prof. Dr. Edwin Constable, Vizerektor Forschung der Universität Basel, Petersgraben 35, Tel. +41 61 267 10 01, E-Mail: edwin.constable@unibas.ch

Reto Caluori | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht „Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges
26.06.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie