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Erst Stammzelle, dann reife Blutzelle? Transfusionsmedizin erhält Förderung

21.01.2011
Prof. Schlenke: „Biotechnologische Herstellung von Blutzellen ist noch Zukunftsvision“

Die Karl-Landsteiner-Stiftung des DRK Blutspendedienstes West fördert die stammzellbiologische Forschung der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Peter Schlenke, Leitender Oberarzt am Institut für Transfusionsmedizin und Transplantationsimmunologie der Medizinischen Fakultät der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster (UKM) für zwei Jahre mit 100.000 Euro. Die Grundlagenarbeit soll dazu beitragen, in der (fernen) Zukunft aus humanen Stammzellen einmal u.a. rote Blutkörperchen zu gewinnen.

Der Transfusionsmediziner betont allerdings: „Die künstliche Herstellung von Blutzellen zum Zwecke der Transfusion ist heute noch eine Zukunftsvision. Unser Nahziel ist, dass Differenzierungsverhalten der Stamm- und Vorläuferzellen besser zu verstehen. Daran könnten dann weitere Arbeiten anknüpfen.“

Im Mittelpunkt der Forschung stehen zell- und molekularbiologische Untersuchungen zur Entwicklung von speziellen humanen Stammzellen zu transfusionsmedizinisch relevanten reifen Blutzellen, etwa zu Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und Megakaryozyten (Vorläuferzellen der Blutplättchen). Aktuell stehen die Wissenschaftler vor der Herausforderung, die nötige Ausreifung der entsprechenden Zellen realisieren zu können und den Prozess der Entkernung besser zu verstehen. „Insbesondere suchen wir nach für den Entkernungsprozess förderlichen Faktoren und ihren molekularen Funktionsmechanismen“ führt Prof. Schlenke aus.

Auch wenn die biotechnologische Herstellung von Blutzellen noch weit in der Zukunft liegt, werden in Münster bereits erste Experimente angestrebt, um grundlegende Verfahren zu entwickeln und auf diesem Weg langfristig ein Konzept zur biotechnologischen Produktion von Blutzellen nach pharmazeutischen Qualitätsstandards zu entwickeln. „Eine mögliche klinische Anwendung könne etwa einmal die Transfusion bei hochimmunisierten Patienten mit im Labor gezüchteten Erythrozyten sein oder auch die Verwendung von Blutzellen aus autologen Stammzellquellen. Bis dahin liegt aber noch ein langer und auch steiniger Weg vor uns“, unterstreicht Prof. Schlenke. Dabei arbeitet das Institut für Transfusionsmedizin eng mit anderen Einrichtungen der Medizinischen Fakultät und am UKM zusammen.

Wichtige Vorarbeiten leistete die zur Arbeitsgruppe gehörende Ärztin und Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Isabel Dorn (UKM-Kinderonkologie) während eines einjähriges Forschungsaufenthaltes an der Pierre et Marie Curie Université Paris als Stipendiatin der DGTI (Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie). Hier konnte sie im Labor von Professor Luc Douay, einem international renommierten Erythropoeseforscher, wichtige Technologien erlernen, die derzeitig an der WWU Münster etabliert werden.

Neben einem besseren Verständnis der physiologischen Entwicklung von reifen Erythrozyten aus adulten Stammzellen erhoffen sich das Forschungsteam und seine Münsteraner Kooperationspartner auch neue Erkenntnisse im Bereich der Blutbildung (Hämatopoese) aus induzierbaren pluripotenten Stammzellen (Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin) und der Entstehung von hämatologischen Erkrankungen (UKM-Klinik für Hämatologie/Onkologie, UKM-Klinik für Kinderonkologie). Diese Kooperationen werden sowohl durch den Forschungsschwerpunkt Reproduktions- und Regenerationsmedizin als auch im Rahmen des NRW-Kompetenznetzwerkes für Stammzellforschung unterstützt.

Falsche Hoffnungen will der Transfusionsexperte aus Münster aber jetzt auf keinen Fall wecken: „Es gibt momentan und auf absehbare Zeit keinen Ersatz für die Blutspende. Wir und unsere Patienten sind weiter auf das Engagement der Blutspender angewiesen.“

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

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