Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erneut Wissenschaftspreis für die Neutrinophysik

11.11.2015

Nachdem zwei Wissenschaftler für die Erforschung von Neutrinos mit dem Physik-Nobelpreis 2015 ausgezeichnet wurden, geht nun ein weiterer hochdotierter Wissenschaftspreis in die Neutrinophysik. Der renommierte „Breakthrough Prize for Fundamental Physics“ wurde für die bahnbrechende Entdeckung der Neutrino-Oszillationen verliehen, die das Standardmodell der Teilchenphysik revolutionieren könnten. Mit drei Millionen US-Dollar dotiert, geht der Preis zu gleichen Teilen an fünf internationale Forschergruppen. Darunter ist das T2K-Experiment, an dem das III. Physikalische Institut der RWTH Aachen beteiligt ist.

Sieben Mitglieder des Instituts befinden sich unter den mehreren Hundert Ausgezeichneten. Der Preis wurde im Rahmen einer Gala im NASA Ames Research Center in Moffett Field, Kalifornien, an die Leiter der einzelnen Forschergruppen übergeben. Die Stifter des Breakthrough-Preises sind neben anderen der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der Internet-Unternehmer Yuri Milner sowie Alibaba-Chef Jack Ma.

Neutrinos sind Elementarteilchen, die nur mit hohem Aufwand nachgewiesen werden können. Im T2K-Experiment nutzt man hierfür beispielsweise einen Detektor, der mit 50.000 Tonnen hochreinem Wasser gefüllt ist. Dieser Detektor, genannt Super-Kamiokande, befindet sich in der japanischen Provinz Kamioka tief unter der Erdoberfläche in einem Bergwerk, um vor Störungen durch die kosmische Höhenstrahlung geschützt zu sein.

Man weist damit Neutrinos nach, die an einem Beschleuniger im Forschungszentrum J-PARC an der japanischen Ostküste erzeugt wurden. Der Neutrinostrahl wird über eine Entfernung von rund 300 Kilometern quer durch Japan nach Super-Kamiokande geschickt. Auf dem Weg wandelt sich ein Teil der ausgesandten Myon-Neutrinos in andere Neutrino-Arten um, was man als Neutrino-Oszillation bezeichnet. Vorher wird der ausgesandte Strahl mit Hilfe eines Nah-Detektors untersucht und vermessen.

Im Forschungszentrum J-PARC waren die Aachener Wissenschaftler unter Leitung von Privatdozent Dr. Stefan Roth am Aufbau des Nahdetektors beteiligt und tragen nun zu seinem Betrieb bei. Er besitzt drei große Driftkammern, die Teilchenspuren aufzeichnen und rekonstruieren können. Roth baute mit seiner Gruppe unter anderem ein System zur kontinuierlichen Kalibration dieser Kammern auf.

Das System ist in Japan installiert, wird aber von Aachen aus betrieben. An der RWTH werden die Daten ausgewertet und in eine Datenbank in Japan übertragen. Auch die Analyse der Neutrino-Wechselwirkungen innerhalb des Nahdetektors ist ein wichtiges Thema, mit dem sich die Aachener Teilchenphysiker befassen.

„Nach dem Nobelpreis für die Neutrino-Oszillationen zeigt diese weitere Würdigung, wie bedeutsam diese Ergebnisse für die Physik insgesamt sind“, kommentiert Roth den Breakthrough-Preis. „Wir sind jetzt hoch motiviert für die anstehenden Messprogramme in den nächsten Jahren.“

Die Entdeckung der Neutrino-Oszillationen zeigt nämlich den Weg zu einem weiteren wichtigen Projekt der Neutrinophysik auf, der Untersuchung der Materie-Antimaterie-Symmetrie im Universum. Seit kurzem untersucht T2K daher auch die Oszillation von Anti-Neutrinos.

Sollten sich hier Unterschiede zu den Neutrinos zeigen, wäre dies eine mögliche Antwort auf die Frage, wieso das Universum nur aus Materie und nicht aus Anti-Materie besteht.

Kontakt:

PD Dr. Stefan Roth
Tel: +49 (0)241 / 80-27296
E-Mail: roth@physik.rwth-aachen.de

Weitere Informationen:

http://www.rwth-aachen.de/go/id/gmmf
https://breakthroughprize.org/Prize/1

Sebastian Dreher | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften