Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erneut hohe Auszeichnung für Klaus Müllen - Hermann-Staudinger-Preis für Graphen-Polymerchemie

27.07.2016

Am 11. September 2016 wird Professor Dr. Drs. h.c. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, mit dem Hermann-Staudinger-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgt anlässlich der Tagung der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie vom 11. bis 13. September in Halle. Die Tagung unter dem Motto „Polymere: von der Struktur zur Funktion“ ist thematisch fokussiert auf die molekulare Organisation innerhalb der Polymere, nämlich die funktionale Selbstassemblierung. Die ersten Vortragenden sind Klaus Müllen und die beiden Reimund-Stadler-Preisträger 2016, die Nachwuchswissenschaftler Dr. Michael Sommer, Freiburg, und Dr. Frederik Roman Wurm, Mainz.

Müllen (69), seit 1989 Direktor am MPI für Polymerforschung, hat in seinem Geburtsort Köln Chemie studiert, an der Universität Basel promoviert, sich an der ETH Zürich habilitiert und gelangte über Professuren an den Universitäten Köln und Mainz ans dortige MPI für Polymerforschung. Neben seinen beiden Ehrendoktoraten führten ihn Gast- und Ehrenprofessuren u.a. nach Osaka, Shanghai, Jerusalem, Leuven, Cambridge, Rennes, St. Louis, Changchun, Gainesville, Montreal, Evanston, Calgary, Bordeaux, Beijing, Pittsburgh, Marseille, Shanghai und Singapur.

Zu den weit über 20 weiteren Auszeichnungen zählen der Max-Planck-Forschungspreis (1993), der Philip-Morris-Forschungspreis (1997), der ACS Award in Polymer Science (2011) und die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der GDCh (2013). Den Hermann-Staudinger-Preis der GDCh erhält Müllen in Anerkennung seiner richtungsweisenden Arbeiten zur Synthese von unkonventionellen polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und 2D-Makromolekülen für elektronische Bauelemente sowie in Würdigung seines herausragenden persönlichen Engagements für das Fachgebiet der Makromolekularen Chemie.

Kohlenstoffmaterialien für die Informations- und Energietechnik

In seinem Vortrag stellt Müllen seine Polymerchemie der Graphene und Graphen-Nanobänder (GNRs) vor. Letztere sind Streifen von Graphen mit einem Durchmesser kleiner als 50 Nanometer und quasi eindimensionaler Struktur. Diesen Strukturen kann große praktische Bedeutung zukommen, doch weil sie strukturell noch nicht genau bestimmt werden konnten, tut man sie gern als „schwarzes Zeug“ ab, als Ruß. Andererseits werden die beiden Neuzugänge in der Kohlenstofffamilie verbreitet als multifunktionale Wundermaterialien und als ergiebige Spielwiese für die Physiker angepriesen.

Auch Müllen glaubt an die Zukunft dieser Materialien für die Energietechnik, und zwar für eine neue Generation von Halbleitern, um gedruckte Schaltungen weiter zu miniaturisieren und um gegenüber klassischen konjugierten Polymeren die Leitungsbandstrukturen besser beeinflussen zu können.

Für die Materialsynthese stellen diese Ziele große Herausforderungen dar, der sich Müllen und sein Team angenommen haben. Sie haben sowohl für die Graphen- als auch die GNRs-Herstellung neue Wege eingeschlagen. Dieser synthetische Durchbruch in der Grundlagenforschung führt die Materialwissenschaften in eine neue Zukunft, ist sich Müllen sicher, der in seinem Vortrag Vorhersagen über die Zukunft wagt.

Die Reimund-Stadler-Preisträger Michael Sommer und Frederik H. Wurm

Auch Michael Sommer (37), Habilitand und Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Makromolekulare Chemie an der Universität Freiburg, befasst sich u.a. mit Graphen, und zwar mit Kompositen aus Graphen und konjugierten Polymeren für Anwendungen in Batterien, Superkondensatoren und thermoelektrischen Bauteilen. Sommers Schwerpunkt liegt dabei auf den konjugierten Polymeren. Auch hier sucht er nach effizienten, einfachen und kostengünstigen Syntheseverfahren und erforscht Struktur-Funktionalitätsbeziehungen für elektronische Bauteile, die auf organischen Materialien basieren. Die Erfolge seiner Forschungsarbeiten stellt er in seinem Preisträgervortrag dar.

Der zweite Reimund-Stadler-Preisträger, Frederik R. Wurm (35), ist Gruppenleiter am MPI für Polymerforschung in Mainz. Wie Sommer ist auch er schon vielfach ausgezeichnet und kann eine lange Publikationsliste vorlegen. Er befasst sich in seinen Arbeiten aber mit gänzlich anderen chemischen Substanzklassen, die er in seiner Grundlagenforschung eher geeignet sieht für Anwendungen im biologischen Bereich, etwa für die Herstellung künstlicher Gewebe oder für wasserlösliche proteinbasierte Therapeutika. Als Polymerchemiker versucht er eine präzise Synthesechemie zu entwickeln, um Wechselwirkungen von synthetischem Material mit Biomolekülen und Biooberflächen zu beeinflussen. Im Zentrum seines Forschungsinteresses stehen dabei Polyphosphorester.

Die Tagung im Brennglas

Die Tagung streift in weiteren 35 Vorträgen und noch weit mehr Posterbeiträgen alle aktuellen Forschungsgebiete der Makromolekularen Chemie, zu denen beispielsweise nanoskalige metallhaltige Supramoleküle, Katalyse in der Polyurethanchemie, faserverstärkte Kunststoffe oder Graphenmaterialien für die Brennstoffzellenkatalyse gehören. Der Vorsitzende des Organisationskomitees ist Professor Dr. Wolfgang H. Binder vom Institut für Chemie der Universität Halle.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit knapp 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 66 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik. Der Reimund-Stadler-Preis der Fachgruppe ist mit 5.000 Euro dotiert. Für den Hermann-Staudinger-Preis der GDCh, benannt nach dem Chemienobelpreisträger von 1953 und dotiert mit 7.500 Euro, hat die Fachgruppe Makromolekulare Chemie ein Vorschlagsrecht.

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Dr. Renate Hoer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften