Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erneuerbar, nachwachsend und effizient - Tagung „Sustainability in Chemistry“ in Erlangen

11.08.2014

Produkte der Chemie sind unverzichtbar. Um diese nachhaltig zu gestalten, wird in der chemischen Forschung nach Wegen gesucht, um effektiv zeitgemäße und marktfähige chemische Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen und mit „grüner Chemie“ herzustellen.

Die Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stellt einige wegweisende Forschungsarbeiten auf der Tagung „Sustainability in Chemistry“ vom 28. bis 30. September 2014 an der Universität Erlangen-Nürnberg vor.

Nachhaltige Chemie – das bedeutet nicht nur Vermeidung von Schäden an Mensch und Natur und die Minderung von Emissionen, sondern auch sparsamer Umgang mit Rohstoffen und Vorauskalkulation der „Lebensabschnitte“ des Produkts: Von der Produktion und Verarbeitung über die Benutzung durch den Verbraucher bis hin zur Entsorgung muss alles vorab überlegt, geplant und berechnet werden.

Nur wer alle diese Parameter berücksichtigt, kann auch ein nachhaltiges Produkt herstellen. Um diese Bandbreite von Aspekten im Blick zu haben und gleichzeitig eine wirtschaftliche Rechnung abzulegen, also „ökoeffizient“ zu arbeiten, gibt es verschiedene Tools für Hersteller und Akteure im Chemie-Bereich. Drei unterschiedliche Methoden werden von den Vortragenden Dr. Christopher Blum, Umweltbundesamt Dessau-Rosslau, und Dr. Peter Saling, BASF Ludwigshafen, vorgestellt.

Mehr als 80 Prozent aller Produkte der chemischen Industrie werden mithilfe von Katalysen erzeugt. Darum sieht Professor Dr. Matthias Beller, Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock, ein enormes Potenzial darin, neue und effizientere Katalysatoren zu entwickeln, und hat dies bereits mit großem Erfolg getan. In seinem Vortrag stellt er Herausforderungen der Katalyseforschung und Chancen für industrielle Anwendungen vor.

Die Optimierung von Katalysatoren verfolgte auch Josef Meier, Max-Planck-Institut für Eisenforschung, Düsseldorf, in seiner Dissertation. Für seine Leistung erhält er von der Fachgruppe auf der Tagung den von der Evonik Industries AG gestifteten Preis für die beste Promotionsarbeit auf dem Gebiet der nachhaltigen Chemie.

Durch die Entwicklung neuartiger Methoden gelang es Meier, fundamentale Erkenntnisse über Alterungsmechanismen von Elektrokatalysatoren zu gewinnen und daraus Kriterien für das Design deutlich stabilerer Katalysatoren zu entwickeln. Diese werden für die effektive Speicherung und Umwandlung von erneuerbarer Energie von entscheidender Bedeutung sein.

Ein praktisches Beispiel präsentiert der Preisträger in einem Vortrag: Seine Forschungsgruppe entwickelte unter Anwendung der Nanotechnik einen neuartigen Brennstoffzellen-Katalysator, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern extrem stabil ist und aus Platin-Nanopartikeln besteht, die in graphitische Kohlenstoffkugeln integriert sind.

Mit Nano-Partikeln ganz anderer Art beschäftigt sich der Vortrag von Dr. Dana Kralisch, Friedrich-Schiller-Universität Jena. Bakterielle Nanozellulose (BNC) ist ein neuartiges Biopolymer, das in einem Schritt aus Zucker gewonnen werden kann und Vorteile gegenüber pflanzlicher Zellulose und teilweise auch gegenüber synthetisch hergestellten Polymeren aufweist.

So machen hohe Reinheit, In-situ Formbarkeit, hohe mechanische Stabilität sowie steuerbare Bioabbaubarkeit das Material für die verschiedensten technischen Anwendungen interessant. Implantat-Materialien, Wirkstoffverabreichung oder Wasseraufbereitung sind nur einige der potenziellen Einsatzgebiete. Kralisch stellt die BNC-Technik und die Chancen der großtechnischen Anwendung vor. Weitere bioabbaubare und erneuerbare Polymere werden in anderen Vorträgen thematisiert.

Viele weitere innovative und nachhaltige Reaktionswege und Techniken sowie die Reduzierung von Treibhausgasen durch Fixierung von CO2 und die Vermeidung von Methan-Emissionen kommen zur Sprache.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 2009 gegründete Fachgruppe Nachhaltige Chemie mit über 350 Mitgliedern. Die Fachgruppe ging aus einer gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft hervor. Vorsitzender der Fachgruppe ist Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Katalyse in Rostock.

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE