Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erich Krautz-Preis für wegweisende Studien zum Verhältnis von Thermodynamik und Relativitätstheorie

19.10.2009
Preisverleihung an Dr. Jörn Dunkel in der ersten Wintersemester-Veranstaltung des Augsburger Physikalischen Kolloquiums am 19. Oktober 2009

Die Auftaktveranstaltung des Augsburger Physikalischen Kolloquiums im Wintersemester 2009/10 ist am kommenden Montag, dem 19. Oktober, der Verleihung des Professor Erich Krautz-Preises 2008 gewidmet. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an den mittlerweile am Rudolf Peierls Centre for Theoretical Physics der Universität Oxford forschenden Dr. Jörn Dunkel für seine Studien zur relativistischen Brownschen Bewegung, mit denen er am Augsburger Lehrstuhl für Theoretische Physik I (Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Peter Hänggi) promoviert hat. "Thermodynamik und Brownsche Bewegung in der Relativitätstheorie" ist auch der Titel des Vortrags, den der Preisträger am kommenden Montag beim Physikalischen Kolloquium (Beginn um 17.15 Uhr im HS 1004 des Hörsaalzentrums Physik, Universitätsstraße 1) halten wird.

Die Grundlage für den Preis, den Dunkel erhält, hat der verstorbene Physiker Prof. Dr. Erich Krautz in seinem Testament mit einer zweckspezifischen Zuwendung an die Stiftung der Universität Augsburg geschaffen, deren Erträge sich jährlich auf rund 15.000 Euro belaufen. Dem Stifterwillen entsprechend wird mit diesem Ertrag alljährlich die beste am Institut für Physik der Universität Augsburg vorgelegte Dissertation des vorangegangenen Jahres ausgezeichnet. 2.500 Euro gehen dabei an den Preisträger persönlich, der verbleibende Betrag ist für die Förderung der Forschungen des Preisträgers bzw. der Arbeitsgruppe, in der er promoviert hat, vorgesehen.

Postdoc in Oxford

Der aktuelle (und insgesamt bislang zweite) Krautz-Preisträger Dr. Jörn Dunkel ist anschließend an seine Augsburger Promotion im Oktober 2008 auf eine Postdoc-Stelle an das Rudolf Peierls Centre for Theoretical Physics der Universität Oxford gewechselt. In der Gruppe von Prof. Dr. Julia Yeomans befasst sich dort mit der statistischen und hydrodynamischen Modellierung bakterieller Mikrosysteme im Bereich kleiner Reynolds-Zahlen. Parallel dazu arbeitet er weiterhin mit der Arbeitsgruppe seines Doktorvaters Hänggi an der Universität Augsburg zusammen, um aus seiner Dissertation hervorgegangene Fragestellungen zu relativistischen Diffusionsprozessen und zur relativistischen Thermodynamik weiter zu untersuchen. Eine erste einschlägige Arbeit wurde bereits zur Publikation eingereicht, eine weitere - in Zusammenarbeit mit Stefan Hilbert (Max-Planck-Institut für Astrophysik Garching/Universität Bonn) - steht kurz vor dem Abschluss.

Tiefes Verständnis für komplexe physikalische Zusammenhänge

Für den Krautz-Preis nominiert wurde Jörn Dunkel "nicht nur auf Grund seiner höchst anspruchsvollen und einmalig beeindruckenden Leistung im Rahmen seiner summa cum laude-Promotion mit dem Titel 'Relativistic Brownian Motion and Diffusion Processes' sondern auch auf Grund seines breiten Wissens in vielen anderen aktuellen Gebieten der theoretischen Physik, wegen seiner integeren Persönlichkeit und wegen seines Ausnahmepotentials als zukünftiger Forscher und Hochschullehrer.

Dunkel verfüge über ein sehr tiefes Verständnis für komplexe physikalische Zusammenhänge und zugleich über ein umfangreiches mathematisches Können und Wissen beherrscht, das nötig sei, um diese herausfordernden Fragestellungen zur relativistischen Brownschen Bewegung und relativistischen Thermodynamik mit Erfolg zu bearbeiten. Die von ihm erzielten Ergebnisse seien ohne Zweifel richtungweisend für die Wissenschaftsgemeinde, originell und höchst aktuell."

Die Forschungsergebnisse, mit denen Dunkel am Augsburger Physik-Institut promoviert hat, sind kürzlich auch von der renommierten Zeitschrift "Nature Physics" aufgegriffen worden (siehe http://idw-online.de/pages/de/news335659). Was er über sie in seinem Vortrag am kommenden Montag berichten wird, fasst er folgendermaßen zusammen:

"Photographische" Thermodynamik

"Die konsistente Einbettung thermodynamischer Konzepte in die Einsteinsche Relativitätstheorie wird jedoch seit mehr als 100 Jahren kontrovers diskutiert. Das grundsätzliche Ziel der Thermodynamik besteht darin, ausgedehnte physikalische Systeme mittels weniger globaler Kenngrößen (z.B. Energie, Volumen oder Temperatur) zu beschreiben. Im Rahmen der Relativitätstheorie erweist sich eine derartige Charakterisierung als problematisch. Dort verlieren beispielsweise Aussagen wie "die Energie oder die Länge eines Körpers zum Zeitpunkt" an Eindeutigkeit, da gemäß der Relativitätstheorie der Zeitbegriff vom Bewegungszustand des Beobachters abhängt. Im ersten Teil des Vortrags werden traditionellen Formulierungen der relativistischen Thermodynamik und ihre Probleme zusammengefasst. Anschließend wird ein alternativer Zugang diskutiert, bei dem thermodynamische Größen "photographisch" - also auf der Basis von Lichtkegeln - definiert werden. Im Gegensatz zu den traditionellen Formulierungen, die üblicherweise auf dem Begriff der Gleichzeitigkeit aufbauen, lässt sich diese "photographische Thermodynamik" prinzipiell problemlos auf die Allgemeine Relativitätstheorie erweitern und liefert zudem experimentell zugängliche Vorhersagen. Im letzten Teil des Vortrags sollen noch kurz relativistische Verallgemeinerungen des Brownschen Bewegungskonzepts vorgestellt werden."

Weitere Veranstaltungen im Augsburger Physikalischen Kolloquium

Nach der Auftaktveranstaltung und der Auszeichnung von Dr. Jörn Dunkel mit dem Professor Erich Krautz-Preis bietet das Augsburger Physikalische Kolloquium auch im Wintersemester 2009/10 wieder fast jeden Montag einen für Interessierte mit fundierten fachlichen Kenntnissen offenen Vortrag (Beginn jeweils 17.15 Uhr) im HS 1004 des Physik-Hörsaalzentrums, Universitätsstraße 1, 86159 Augsburg):

19.10.2009
Dr. Jörn Dunkel (Rudolf Peierls Centre for Theoretical Physics, University of Oxford):

Thermodynamik und Brownsche Bewegung in der Relativitätstheorie

26.10.2009
Prof. Dr. Thierry Giamarchi (DPMC, University of Geneva):
Quantum Physics in one dimension
2.11.2009
Prof. Dr. Klaus Mecke (Universität Erlangen-Nürnberg):
Nanofluidik: ein Wechselspiel von molekularen Kräften und thermischen Fluktuationen
9.11.2009
Dr. Sergey Mikhailov (Universität Augsburg):
Plasma oscillations in low-dimensional electron systems
30.11.2009
Prof. Dr. Günther Hasinger (Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, Garching):
Black Holes and the Fate of the Universe
7.12.2009
Prof. Dr. Detlef Heitmann (Universität Hamburg):
Optical Resonators, Spinwave Resonators and Hyper Lenses in Semiconductor Microtubes
14.12.2009
PD Dr. Dirk Zahn (Max-Planck-Institut Dresden):
Modellierung und Simulationen von Nukleations- und Selbstorganisationsprozessen sowie struktureller Umwandlungen in Festkörpern
11.1.2010
Dr. Thomas Franke (Universität Augsburg):
Soft matters: Cells, vesicles and droplets in microfluic environment
18.1.2010
Prof. Dr. Sabine Klapp (TU Berlin):
Computersimulationen komplexer Fluide
25.1.2010
Dr. Andreas Schmehl (Universität Augsburg):
Magnetoelektronik mit EuO
1.2.2010
Dr. Michael Eckert (Deutsches Museum München):
Sommerfelds "Atombau und Spektrallinien": Ein Schrittmacher zur Quantenmechanik
Ansprechpartner zur Krautz-Preisverleihung:
Prof. Dr. Ulrich Eckern
Lehrstuhl für Theoretische Physik I
Vorsitzender des Professor Erich Krautz-Preiskomitees
Telefon 0821/598-3236
ulrich.eckern@physik.uni-augsburg.de
Mehr zu den Forschungen von Dr. Jörn Dunkel:
http://idw-online.de/pages/de/news335659
http://idw-online.de/pages/de/news251924
http://idw-online.de/pages/de/news234028

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht CAU-Wissenschaftlerin erhält EU-Förderung zur Entwicklung neuer Implantate
22.11.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Illegal geschlagenes Holz in Alltagsprodukten aufspüren
21.11.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften