Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfindung zur Behandlung von chronischen Wunden erhält Forschungspreis

12.05.2011
Am 10. Mai 2011 hat ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und dem Klinikum Schwabing den Forschungspreis 2010 der Stiftung „Fondation URGO“ für seine Plasma-Technologie erhalten. Mit Hilfe der Erfindung ist es möglich Bakterien auf chronisch infizierten Wunden abzutöten und so die Wundheilung zu unterstützen.

Die Behandlung von chronischen Wunden und Hauterkrankungen spielt in der Medizin eine wichtige Rolle. Insbesondere die Zunahme medikamentenresistenter Bakterien und Krankenhausinfektionen stellt hier eine zunehmende Herausforderung dar.


Kaltes Plasma im Moment der Zündung
MPI für extraterrestrische Physik

Um diesem Problem zu begegnen, entwickelte ein Team um Gregor E. Morfill, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, verschiedene Plasma-Geräte und -Prototypen, mit denen es möglich ist, Bakterien, Pilze und sogar Viren abzutöten. Diese Geräte erzeugen ein so genanntes kaltes atmosphärisches Plasma, ein hochverdünntes Molekülgemisch aus geladenen Atomen und Molekülen („Ionen“), freien Radikalen und ultraviolettem Licht.

Hält man das Plasma-Gerät über eine offene Wunde am Körper, so strömt das Plasma wie ein Lufthauch über die Wunde und tötet die Bakterien im Wundbereich berührungsfrei und schmerzlos. Selbst medikamentenresistente Bakterien oder Krankenhausinfektionen von Patienten können so behandelt werden.

In einer klinischen Studie konnte die Wirksamkeit dieser neuen Behandlungsmethode bereits unter Beweis gestellt werden. So wurden in der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin am Klinikum Schwabing, Städtisches Klinikum München GmbH unter der Leitung von Georg Isbary und Wilhelm Stolz 291 Behandlungen an 36 Patienten durchgeführt, die unter chronisch infizierten Wunden leiden.

Diese Patienten wurden zusätzlich zu ihrer Standardbehandlung, die unter anderem aus Antibiotika bestand, einer 5-minütigen Plasma-Therapie unterzogen.

Die Ergebnisse der Studie, die bereits im renommierten British Journal of Dermatology veröffentlicht wurden, zeigen, dass diese Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe, die sich nur der Standardbehandlung unterzog, 34% weniger Keime aufweisen - unabhängig von Keimart und Resistenzmuster. Nebenwirkungen wie Schmerzen traten dabei nicht auf. Diese ersten sehr positiven Ergebnisse zeigen, dass damit ein ganz neuer Weg in der Behandlung oberflächlicher, chronisch infizierter Wunden beschritten werden kann.

Ein weiteres viel versprechendes Anwendungsfeld für die neuen Plasma-Geräte, die auch als kleine Hand-Prototypen verfügbar sind, ist die Desinfektion temperaturempfindlicher Oberflächen, wie z.B. menschliche Haut. So können Ärzte und Krankenhauspersonal ihre Hände in wenigen Sekunden desinfizieren ohne Tinkturen, Salben und Sprays zu benutzen, welche auf Dauer zu Hautproblemen führen können. Selbst im Hausgebrauch sind die handlichen Spender für die Desinfektion von Schnittwunden und als Parodontose-Prophylaxe einsetzbar.

Die „Fondation URGO“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Diagnose und Therapie von chronischen Wunden zu verbessern, vergab nun in Bremen im Rahmen eines Festaktes den URGO Forschungspreis. Damit werden innovative Projekte ausgezeichnet, denen ein fächerübergreifendes medizinisch-pflegerisches Konzept zugrunde liegt und bei denen der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis im Mittelpunkt steht. Max-Planck-Innovation, die Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, hat dieses Projekt seit der Erfindungsmeldung begleitet und unterstützt nun die erfolgreiche Kommerzialisierung der Erfindung.

Über Max-Planck-Innovation
Als Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft ist Max-Planck-Innovation das Bindeglied zwischen Industrie und Grundlagenforschung. Mit unserem interdisziplinären Team beraten und unterstützen wir die Wissenschaftler bei der Bewertung von Erfindungen, der Anmeldung von Patenten sowie der Gründung von Unternehmen. Der Industrie bieten wir einen zentralen Zugang zu den Innovationen der Max-Planck-Institute. Damit erfüllen wir eine wichtige Aufgabe: Den Transfer von Ergebnissen der Grundlagenforschung in wirtschaftlich und gesellschaftlich nützliche Produkte.

www.max-planck-innovation.de

Weitere Informationen zum Forschungspreis der „Fondation URGO“:
http://www.urgo.de/forschungspreis.html
Webseite der Plasmamedizin-Forschungsgruppe am MPE:
http://www.mpe.mpg.de/theory/plasma-med/index.html
Kontakte:
Hannelore Hämmerle
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel: 089 30000 3980
Hannelore.haemmerle@mpe.mpg.de
Markus Berninger
Marketing und Public Relations
Max-Planck-Innovation GmbH
Tel. +49 89 290919-30

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.max-planck-innovation.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie