Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfahrungswissen soll Computern beim Problemlösen helfen

29.07.2013
Yousef Jameel-Stipendiatin für besten Konferenzbeitrag ausgezeichnet

Auf der Informatik-Fachtagung International Conference on Case-Based Reasoning in Saratoga Springs, USA, ist die Marburger Nachwuchswissenschaftlerin Amira Abdel-Aziz für ihren Beitrag „Preference-based CBR:

A Search-based Problem Solving Framework“ mit dem Best Paper Award 2013 ausgezeichnet worden. Die Informatikerin und ihre Mitautoren untersuchen in dem Forschungsbeitrag, wie Erfahrungswissen Computern bei der Problemlösung helfen kann.

Das so genannte fallbasierte Schließen (engl. Case-Based Reasoning, CBR) ist ein Paradigma zur Entwicklung "intelligenter" Computersysteme. Die Kernidee dieses Ansatzes besteht darin, menschliches Verhalten beim Lösen von Problemen zu imitieren: „Konfrontiert mit einer neuen Problemsituation erinnern wir uns häufig an ähnliche Situation aus der Vergangenheit und greifen auf Lösungen zurück, die sich in diesen Situationen als erfolgreich erwiesen haben“, erläuterte Abdel-Aziz.

Obwohl hierzu in der Regel kleinere Anpassungen an die aktuelle Situation notwendig seien, sei das Nutzen dieser Form von Erfahrungswissen eine sehr effektive und robuste Strategie zum Agieren in komplexen und wenig strukturierten Umgebungen. „Die Herausforderung des CBR besteht darin, die menschlichen Fähigkeiten des Speicherns, Abrufens und Anpassens von Erfahrungswissen zu formalisieren und auf den Computer zu übertragen,“ führte sie aus.

Co-Autor Professor Dr. Eyke Hüllermeier verglich den Forschungsansatz mit dem Halten von Vorträgen oder Vorlesungen: „Statt komplett von vorn anzufangen, profitiert man hier in der Regel von ähnlichen Vorträgen, die man bereits gehalten hat, beispielsweise indem man vorhandene Foliensätze an das aktuelle Thema sowie Rahmenbedingungen wie die Hörerschaft und die Vortragsdauer anpasst“.

In Abdel-Aziz‘ Beitrag wird eine neue Methode zum fallbasierten Schließen vorgestellt, deren Kernidee darin besteht, Erfahrungswissen in Form von kontextualisierten Präferenzen zwischen Lösungen oder Handlungsstrategien zu repräsentieren: In einer gewissen Problemsituation ist eine Lösung A einer alternativen Lösung B vorzuziehen. „Im Vergleich zu existierenden CBR Verfahren, in denen Erfahrungen typischerweise durch eine Beschreibung des Problems mit zugehöriger Lösung repräsentiert werden, ist dieser Ansatz deutlich flexibler und erleichtert das Erwerben von Erfahrungen. Präferenzen, die sich lediglich auf Paare von Lösungen beziehen, erscheinen insbesondere dann vorteilhaft, wenn die Qualität einzelner Lösungen schwer zu bewerten oder die Optimalität einer speziellen Lösung schwierig nachzuweisen ist“, erklärte sie den Vorteil ihres Verfahrens.

Die Ägypterin Amira Abdel-Aziz promoviert seit vergangenem Jahr in der Marburger Arbeitsgruppe „Computational Intelligence“ von Prof. Dr. Eyke Hüllermeier. Sie wird – zusammen mit ihrer Familie mit vier Kindern - von der Jousef Jameel-Stiftung mit einem dreijährigen Promotionsstipendium gefördert.

Für das privat finanzierte Yousef Jameel Scholarship Fund Programm können sich bis zum 30.11.2013 wieder hochqualifizierte ägyptische Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus den Natur-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften zur Promotion an der Philipps-Universität bewerben. Präferiert werden Forschungsprojekte mit Relevanz für die Entwicklung Ägyptens, da die Programmteilnehmer zur nachhaltigen Entwicklung der akademischen Strukturen in ihrem Heimatland beitragen sollen. Von den 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten, die seit dem Programmstart 2008 an der Philipps-Universität zur Promotion zugelassen worden sind, haben bereits 3 ihre Dissertation erfolgreich abgeschlossen.

Weitere Informationen:
Originalpaper: Amira Abdel-Aziz, Weiwei Cheng, Marc Strickert, Eyke Hüllermeier. Preference-based CBR: A Search-based Problem Solving Framework. In: S.J. Delany and S. Ontanon (eds.), Proceedings ICCBR-2013, International Conference on Case-Based Reasoning, pp. 1-14. Lecture Notes in Artificial Intelligence (LNAI) 7969, Springer, 2013.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Eyke Hüllermeier, Fachbereich Mathematik und Informatik
Tel: +49 (0)6421 28-21569
E-mai: eyke@informatik.uni-marburg.de
Weitere Informationen:
International Conference on Case-Based Reasoning:
ttp://www.iccbr.org/iccbr13/
Stipendien der Yousef Jameel Foundation:
http://www.uni-marburg.de/international/aus/dok/prom_umr/jameel/jameel_de?set_language=de
und
http://www.uni-marburg.de/international/aus/dok/prom_umr/jameel/jameel_abdelaziz

Dr. Susanne Igler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht „Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges
26.06.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie