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ERC Starting Grant für Thomas Pietschmann

04.11.2011
Europäischer Forschungsrat zeichnet Thomas Pietschmann mit dem „ERC Starting Grant“ aus – 1,5 Mio Euro für die Hepatitis-C-Forschung

Es ist ein Qualitätsstempel für seine visionäre Forschung am Hepatitis-C-Virus: Prof. Thomas Pietschmann, Leiter der Abteilung Experimentelle Virologie am hannoverschen TWINCORE, erhält einen „ERC Starting Grant“ in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

ERC steht für „European Research Council“, den von der Europäischen Kommission gegründeten Europäischen Forschungsrat. Ziel des ERC ist es, Forscher zu fördern, die bahnbrechende visionäre Forschung betreiben und die Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Wissenschaft aufheben.

Thomas Pietschmann untersucht eine Eigenart des Hepatitis-C-Virus (HCV), die die Entwicklung neuer Therapien besonders schwierig macht: die Spezialisierung des Virus auf Menschen und Schimpansen. Etwa 160 Millionen Menschen sind chronisch mit dem Virus infiziert. Und mit der chronischen Infektion steigt das Risiko der Patienten, an Leberkrebs zu erkranken. Weltweit arbeiten Wissenschaftler an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Virus.

„Das Problem ist, dass wir zwar in Leberzell-Kulturen forschen können, aber wenn es beispielsweise darum geht, zu erforschen, wie das Immunsystem auf mögliche HCV-Impfstoffe reagiert, ist die Forschung an einem Endpunkt. Da gibt es einfach keine wirklich gut geeigneten Tiermodelle, um zu prüfen, ob ein Impfansatz wirksam ist und für eine Anwendung im Menschen in Frage kommt“, sagt Thomas Pietschmann. „Deshalb wollen wir klären, weshalb sich das Hepatitis-C-Virus nicht in anderen Lebewesen, wie beispielsweise Mäusen, vermehren kann.“

Eine scheinbar einfache Frage, deren Beantwortung weitreichende Folgen für die Wissenschaft haben könnte: Verstehen Thomas Pietschmann und sein Team, wie sich das Virus mit menschlichen Zellen arrangiert und wie es Mauszellen gelingt, HCV abzuweisen, ist das die Grundlage für neue Forschungsmodelle. Und die werden dringend benötigt, um neue Impf- und Wirkstoffe gegen das Virus zu entwickeln – damit Wissenschaftler mit ihrer Forschung über isolierte Zellen hinausschauen können.

In den nächsten fünf Jahren werden die Forscher am TWINCORE verschiedene Pfade verfolgen, um das Geheimnis der Spezialisierung von HCV zu lüften. Sie untersuchen die unterschiedlichen Mechanismen, mit denen Maus-Zellen das Virus abwehren. „Damit erforschen wir grundsätzlich die Prinzipien, nach denen Viren an Artgrenzen scheitern können“, sagt Thomas Pietschmann.

„Wenn wir wissen, welche Faktoren Speziesbarrieren für HCV – und andere Viren – aufbauen, haben wir einen Anhaltspunkt, um sie zu verändern.“ Sie können dann entweder abgebaut werden, um ein neues Modell für die Erforschung einer schweren Krankheit wie HCV zu entwickeln. Oder sie können verstärkt werden, um Viren daran zu hindern, Artgrenzen zu überspringen – wie etwa bei Vogel- oder Schweinegrippe.

Dr. Jo Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de/

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